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Wirtschaft IBG-Pleite: Beschuldigte müssen in Haft
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14:45 23.04.2018
Im Prozess gegen zwei Ex-Geschäftsführer des Pleite gegangenen Fertighaus-Anbieters IBG und deren Steuerberater hat das Landgericht Kiel mehrjährige Haftstrafen verhängt.
Kiel

Im Fall des pleitegegangenen Fertighaus-Anbieters IBG hat das Landgericht Kiel am Montag mehrjährige Haftstrafen verhängt. Ein Ex-Geschäftsführer muss wegen Steuerhinterziehung in neun Fällen drei Jahre und acht Monate ins Gefängnis, ein anderer vier Jahre in Haft. Er wurde auch wegen Untreue in drei Fällen schuldig gesprochen. Die Höhe der Umsatzsteuerhinterziehung bezifferte die Wirtschaftsstrafkammer auf rund acht Millionen Euro.

Steuerhinterziehung und Untreue seien jeweils als besonders schwer zu werten, sagte der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung. Die Kammer hielt den 41 und 59 Jahre alten Männern bei der Strafzumessung aber unter anderem zugute, dass sie mit der Steuerhinterziehung nicht in die eigene Tasche wirtschafteten, sondern der in Schieflage befindlichen IBG Liquidität verschaffen wollten.

Steuerberater soll sich bereichert haben

Ein einschlägig vorbestrafte Steuerberater dagegen soll sich selbst bereichert haben. Er muss dreieinhalb Jahre ins Gefängnis. Die Richter legten ihm Steuerhinterziehung in 20 Fällen sowie Beihilfe zur Untreue und Betrug zur Last. Weil er in die eigene Tasche wirtschaftete, sollen bei ihm rund 875000 Euro eingezogen werden.

Nach Angaben des Gerichts wird der 47-Jährige Insolvenz anmelden müssen, denn er verliere mit dem Urteil seine Zulassung als Steuerberater und seine wirtschaftliche Existenz. Die beiden Ex-Geschäftsführer sind bereits in Privatinsolvenz.

Verteidiger der Ex-IBG-Geschäftsführer kündigten Revision an

Die Verteidiger der Ex-Geschäftsführer kündigten umgehend Revision an. „Wir sind der Auffassung, dass die Strafkammer den Sachverhalt falsch bewertet hat“, sagte Verteidiger Malte Cordes. Er und seine Kollegen hatten Haft deutlich unter drei Jahren beantragt.

Der Staatsanwalt zeigte sich weitgehend zufrieden mit dem Urteil, will aber prüfen, ob er wegen des Strafmaßes für den Steuerberater Rechtsmittel einlegt. Er hatte für ihn fünf Jahre und vier Monate Gefängnis gefordert. Für die beiden Ex-Geschäftsführer hatte er auf vier Jahre und zehn Monate beziehungsweise vier Jahre und drei Monate Haft plädiert.

Er warf den Männern vor, mit dem Verkauf von Scheinversicherungen für Bauherren einen Schaden von zwei Millionen Euro angerichtet zu haben. In insgesamt elf Anklagen hatte die Staatsanwaltschaft zu Prozessbeginn rund 100 Fälle aufgelistet.

Angeklagte saßen in U-Haft

Die drei Angeklagten saßen nach der Insolvenzanmeldung der IBG im November 2012 mehrere Wochen in Untersuchungshaft. Sie wird auf die Strafe angerechnet. Zudem gelten drei Monate als bereits verbüßt wegen der überlangen Verfahrensdauer, sagte der Vorsitzende.

Die Pleite des Fertighaus-Herstellers hinterlässt bundesweit rund 2400 Geschädigte: Gegen IBG-Muttergesellschaft und Tochterunternehmen bestehen laut Insolvenzverwalter Ansprüche in Höhe von rund 120 Millionen Euro. Größter Gläubiger ist der Fiskus.

Von lno

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