Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Wirtschaft Neue Zeitrechnung für HSH Nordbank
Nachrichten Wirtschaft Neue Zeitrechnung für HSH Nordbank
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:58 21.01.2018
Der Verkaufprozess für die HSH Nordbank geht in die Zielgerade. Quelle: Carsten Rehder/dpa
Hamburg/Kiel

Der Verkaufsprozess für die HSH Nordbank geht auf die Zielgerade. Seit einer Woche verhandeln die Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein nur noch mit einem Interessenten, der Ende Februar den Kaufvertrag unterzeichnen soll. Dabei handelt es sich nach zuverlässigen Informationen, die jedoch nicht offiziell bestätigt sind, um die New Yorker Investmentfirma Cerberus. Sie bietet gemeinsam mit dem Investor J.C. Flowers, der bereits seit langem an der HSH Nordbank beteiligt ist und das Institut genau kennt. Sollten sich die Verkäufer und Cerberus nicht einigen, stünde die Investmentgesellschaft Apollo bereit, ebenfalls aus New York.

Die Bank bereitet sich bereits intensiv auf die Zeit ohne EU-Auflagen mit privaten Eigentümern vor. «Ich habe keinen Zweifel an einer erfolgreichen Privatisierung», sagt Bankchef Stefan Ermisch im aktuellen Mitarbeiter-Magazin. In der Bank wird ein anderer Wind wehen, wenn ein New Yorker Finanzinvestor das Sagen hat. «Er wird das Rad nicht neu erfinden, aber das Rad wird sich schneller drehen», sagt Ermisch. «Diese neue Situation wird uns fordern, aber sie wird uns auch Spaß machen.»

Das passiert mit dem Standort Kiel

Das Management der Bank mit Ermisch an der Spitze dürfte nach dem Verkauf bleiben, jedoch nicht alle der rund 2000 Mitarbeiter. Ein Investor würde wohl Kiel als Standort erhalten, aber nicht als zweiten Hauptsitz der Bank und personell abgespeckt. In Hamburg steht den Mitarbeitern auf mittlere Sicht ein Umzug bevor. Der Name HSH Nordbank wird auf Geheiß der EU-Kommission bis 2019 verschwinden. Der schmucklose Zweckbau in der Hamburger Innenstadt wirkt mittlerweile wie ein überdimensioniertes Symbol der alten Landesbank-Welt. Die Bilanz ist kontinuierlich geschrumpft auf rund 75 Milliarden Euro. Das wäre auch mit weniger Mitarbeitern zu leisten.

Dass die HSH Nordbank überhaupt zum Ende der von der EU gesetzten Frist verkaufsfähig ist und der Investor gar 700 Millionen Euro oder mehr zu zahlen bereit sein soll, ist das Verdienst von Ermisch und seiner Mannschaft. Er hat die Altlasten der Bank geschrumpft. Die Abbau-Bank, in der etwa faule Kredite und nicht-strategische Geschäfte gebündelt sind, hat sich seit 2016 halbiert. Bis Ende dieses Jahres sollen noch vier Milliarden faule Kredite in der Bilanz stehen, davon drei Milliarden Schiffskredite. Alle restlichen Altlasten sind zur Hälfte durch Risikovorsorge gedeckt und bringen bei einem Verkauf immerhin noch den Schrottwert. Das Investoren-Risiko ist also überschaubar geworden.

Hamburg und Schleswig-Holstein verlieren 13 Mrd. Euro

Die Zeche für die Fehler der Vergangenheit zahlen die Steuerzahler in Hamburg und Schleswig-Holstein. Die Länder verlieren 13 Milliarden Euro, die sie als Eigenkapital und Verlustgarantie an die Bank gegeben haben. Wie hoch die Rechnung am Ende genau ausfällt, ist noch nicht zu sagen. Der Verkauf wird wohl in Hamburg die Bürgerschaft und in Kiel den Landtag beschäftigen, obwohl das rechtlich nicht zwingend notwendig wäre. «Mein Interesse ist ein möglichst transparentes Verfahren», sagt die Kieler Finanzministerin Monika Heinold (Grüne).

Die Kritik von der Opposition in beiden Parlamenten ist absehbar. Besonders strittig: Die Verlustgarantie ist zwar schon voll in der Risikovorsorge verplant, ausgezahlt wurden allerdings erst rund vier Milliarden Euro. Die restlichen sechs Milliarden Euro werden an den Investor mit verkauft und sollen im Laufe des Jahres voll abgerechnet werden. Das wollen etliche Abgeordnete nicht einsehen. Allerdings: Bei einer Abwicklung der Bank würde das Geld ebenso fällig.

Verkauf der HSH Nordbank ist komplex

Zudem muss die EU-Kommission die Überlebensfähigkeit der HSH Nordbank bestätigen und ist deshalb in den Verkaufsprozess eingebunden. Die EU hat klare Bedingungen gesetzt: Eine Rendite vor Steuern von acht Prozent, ein Verhältnis von Aufwand zur Ertrag von höchstens 40 Prozent und eine harte Kernkapitalquote von 15 Prozent gegen Krisen. Das könnte die Bank schaffen, aber es ist noch Rechnerei nötig. Auch die EZB und die Finanzaufsicht Bafin sind in das Verfahren verwickelt und müssen unter anderem die Zuverlässigkeit der neuen Bank prüfen.

Zwischen der Unterschrift unter den Kaufvertrag Ende Februar und dem formellen Abschluss der Transaktion werden etliche Monate ins Land gehen. «Generell ist der Verkauf der HSH Nordbank sehr komplex», sagt Strategiechef Christian Schmiderer. «Einige Vorgänge hat es in dieser Form noch nie gegeben.»

So sind Skeptiker auch noch nicht sicher, dass der Verkauf wirklich gelingt. «Die Euphorie ist verfrüht», sagt der Bankenprofessor Norbert Dieckmann von der privaten Hochschule EBC. Dem Verkauf müsse die Option einer geordneten Abwicklung gegenüberstehen. Doch falls am Ende eine neue Bank mit einem neuen Eigner steht, sieht Dieckmann weitere Folgen auf die deutsche Bankenlandschaft zukommen: «Wenn die HSH Nordbank verkauft werden kann, warum dann nicht auch die Landesbanken in Hannover und München?»

Von dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der Tourismus-Riese Tui ist wieder auf Erfolgskurs – und rechnet für dieses Jahr mit dem besten Ergebnis der Unternehmensgeschichte.

20.01.2018

In Sachen Entwässerungstechnik macht Aco vermutlich kaum noch jemand etwas vor: Das mittelständische Familienunternehmen aus Büdelsdorf im Kreis Rendsburg-Eckernförde baut seine international agierende Firmengruppe stetig aus. Dabei geht Aco überaus strategisch vor.

Jan von Schmidt-Phiseldeck 20.01.2018

Die Werftbranche ist wieder im Aufwind: Alle Schiffbaubetriebe in Schleswig-Holstein sind mit Neubauaufträgen über das Jahr 2020 hinaus ausgelastet. Die jüngste Erfolgsgeschichte schreibt die Flensburger Schiffbau-Gesellschaft (FSG), die noch vor zwei Jahren vor dem Aus stand.

Frank Behling 20.01.2018