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Wirtschaft Zahnärzte wehren sich
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07:00 15.03.2019
Von Anne Holbach
Gute oder schlechte Behandlung: Zahnärzte wehren sich gegen Internetbewertungen. Quelle: Frank Herrmann
Kiel

Die Berufsordnung verbietet eine „irreführende Werbung“. Gemeinsam mit dem Verband Sozialer Wettbewerb kann die Kammer entweder eine Abmahnung aussprechen oder der Untersuchungsführer der Heilberufe, der einem Staatsanwalt entspricht, einschalten. Es droht dem betroffenen Zahnarzt ein Berufsgerichtsverfahren in Schleswig.

Recherchen unserer Redaktion hatten ergeben, dass es bei den Google-Rezensionen über dessen Praxis viele Auffälligkeiten gibt, die dafür sprechen, dass bei einer Agentur positive Bewertungen geordert wurden.

Agenturen setzen Zahnärzte unter Druck

Dass Zahnärzte von solchen Agenturen unter Druck gesetzt werden, erzählt Roland Blatt. „Wer Angeboten zur Pflege der Internet-Bewertung nicht Folge leistet, hat umgehend mit vernichtenden Bewertungen zu rechnen“, beschreibt er seine Erfahrung. Der Zahnarzt aus Stapel, der seine Praxis inzwischen aufgegeben hat, erhielt zweimal Post von einer Agentur aus Süddeutschland – zuletzt im Jahr 2015. Diese bot ihm an, die Rezensionen über seine Praxis zu checken und in Vergleich mit lokalen Mitbewerbern zu setzen. „Werden sie zu einem der meistbewerteten Zahnärzte ihrer Stadt“, warb der Flyer damals. Inzwischen existiert der Anbieter nicht mehr.

„Ich bin nicht darauf eingegangen“, erzählt Blatt. „Zwei Wochen später erschien auf der Bewertungsplattform Jameda plötzlich eine vernichtende Kritik von einem angeblichen Patienten über eine Behandlung bei mir.“ Anhand seiner Unterlagen habe er nachvollziehen können, dass es sich um keinen echten Patienten gehandelt haben könne.

Mediziner sprechen von Schutzgelderpressung

„Es ging um eine Wurzelbehandlung an einem Konuszahn.“ So einen Fall habe er in dem angegebenen Zeitraum gar nicht bei sich in der Praxis gehabt. „Es handelt sich hier also um eine eine spezielle Form von Erpressungen, denen die Zahnärzteschaft hilflos ausgeliefert ist“, sagt Roland Blatt. Ein Versuch die Rezension löschen zu lassen, sei gescheitert. Weil er kurz darauf aber in den Ruhestand ging, habe er nichts mehr dagegen unternommen.

Über einen ähnlichen Fall hatten die „Nürnberger Nachrichten“ im vergangenen Herbst berichtet. Dort soll ein Zahnarzt aggressive Anrufe von einer Firma bekommen haben, die anbot, seine Google-Reputation gegen Gebühr zu optimieren. Nachdem der Mediziner ablehnte, erschienen mehrere negative Bewertungen über seine Praxis im Netz. Demnach sind wortgleiche Rezensionen bei einem Stuttgarter Kollegen aufgetaucht. Der Nürnberger Zahnarzt bezeichnet das Vorgehen als „Schutzgelderpressung“ und versucht sich mit einer Anzeige wegen Geschäftsschädigung zu wehren.

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