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10:00 04.07.2017
Von Ulrich Metschies
Das Herzstück der Energiewende: Überproduktionen können auf Pellworm in Hochleistungsbatterien gespeichert werden. Quelle: Hansewerk
Pellworm

Möglich macht dies das 2013 gestartete Forschungsprojekt „SmartRegion Pellworm“, eine in Norddeutschland einmalige Verknüpfung intelligenter Netz- und Stromspeichertechnik. Nach Abschluss der ersten Projektphase steht fest: Technisch ist eine stabile Stromversorgung durch das Zusammenspiel von Wind- und Photovoltaikanlagen mit zwei Großbatterie-Speichern und zahlreichen Haushaltsspeichern machbar. Der Haken: Batteriespeicher sind derzeit noch so teuer, dass sich das intelligente Netz wirtschaftlich nicht rechnet. Doch das soll sich ändern.

Energiewende ist nicht nur Stromwende

Größter Player und Investor bei diesem Vorhaben ist der Eon-Konzern, der nun gemeinsam mit seiner Tochter Hansewerk (Quickborn) und weiteren Projektpartnern auslotet, wie das Modell Pellworm sich finanziell rechnen kann. So wird in Projektphase zwei geprüft, wie die „SmartRegion“ durch den Verkauf sogenannter Regelenergie Geld einspielen kann. Das heißt: Für den Fall, dass der Übertragungsnetzbetreiber Tennet an Land zusätzlichen Strom braucht, um Lastspitzen abzudecken, könnte der aus den Batteriespeichern auf Pellworm kommen. Und andersherum: Wenn es an Land ein Überangebot an Strom gibt, wären die Pellwormer Speicher als Verbraucher zuschaltbar. Geplant ist, die Pellwormer Großspeicher in das virtuelle Kraftwerk der Hansewerk-Öko-Tochter einzubinden, zu dem heute bereits 70 Blockheizkraftwerke zusammengeschaltet sind.

„Man darf die Energiewende nicht allein als Stromwende betrachten“, sagt Jan Gratenau, Projektleiter bei Hansewerk. Alle Akteure arbeiten daher mit Hochdruck daran, die sogenannte Sektorkoppelung voranzutreiben, also überschüssigen Wind- und Sonnenstrom in Wärme, in Wasserstoff oder in Mobilität umzuwandeln. Ziel: Möglichst viel Strom dort zu verbrauchen, wo er auch produziert wird, um die gestressten Netze zu entlasten und die heute üblichen Zwangsabschaltungen von Windanlagen zu verringern. Das verharmlosend als „Einspeisemanagement“ bezeichnete Verfahren, bei dem etwa Windmüller Geld für Strom bekommen, den sie gar nicht produzieren, kostet allein in Schleswig-Holstein jedes Jahr einen dreistelligen Millionenbetrag.

Doch wie funktioniert das?

Aufs Jahr gerechnet, erzeugen Wind- und Solaranlagen auf Pellworm gut 21 Gigawattstunden Strom – dreimal mehr als die Insel verbraucht. Wenn der Wind schläft und auch die Sonne nicht scheint, war das Eiland im Wattenmeer früher auf erhebliche Stromlieferungen vom Festland über zwei 20-Kilovolt-Seekabel angewiesen. Rund zwölf Millionen Euro haben der Energiekonzern Eon und das Bundesumweltministerium investiert, um den Produktionsüberschuss besser zu nutzen.

Und das geht so: Wenn die Sonne scheint und der Wind weht, wird die Überproduktion an Strom in einer zentralen Hochleistungsbatterie als Langzeitspeicher, einem Lithium-Ionen-Akku als Kurzzeitspeicher sowie elf Haushaltsspeichern und 115 Elektrospeicherheizungen sozusagen zwischengelagert und bei Bedarf wieder abgegeben. So einfach das Prinzip ist, so komplex sind die Detailprobleme. So sind Windkraft und Photovoltaikanlagen allein nicht in der Lage, eine konstante Spannung zu liefern. Dies garantieren zwei regelbare Ortsnetz-Transformatoren – die ersten ihrer Art im Norden. Zentral gesteuert wird die „SmartRegion“ von einem Energiemanagementsystem, das vom Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik entwickelt wurde. Dazu gehört etwa eine Energie- und Wärmebedarfsprognose für die gesamte Insel, in die nicht nur Wetterdaten einfließen, sondern auch besondere Ereignisse wie Feiertage oder Veranstaltungen. Diese Prognose ermöglicht es, mehr regenerativ erzeugte Energie ins Netz zu integrieren und den Wärmebedarf der Haushalte jederzeit zu decken.

Seine Insel als „SmartRegion“ – für Bürgermeister Jürgen Feddersen (73) ist das schon heute ein Erfolg: „Wir freuen uns, dass Eon Pellworm für dieses Projekt ausgesucht hat.“ Zwar profitiere die Insel nicht durch zusätzliche Arbeitsplätze, wohl aber durch bundesweite Aufmerksamkeit und zahlreiche Besuchergruppen, die sich für die Energieversorgung der Zukunft interessieren.

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