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Wirtschaft Treibsel: Vom Strand auf den Acker
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10:01 27.04.2018
Von Anne Holbach
Berge von Seegras wie hier in Falkenstein stoßen nicht bei jedem Touristen auf Begeisterung. Quelle: Frank Peter
Kiel/Laboe

„Eine Frage ist, welche Wege es gibt, um Treibsel ökonomisch sinnvoll zu nutzen – zum Beispiel in der Landwirtschaft oder im Küstenschutz“, sagt Professor Horst Sterr vom Geografischen Institut. Sein Projekt Posima will eine Wertschöpfungskette für Treibsel initiieren und so eine naturbasierte Klimaanpassung entlang der Ostsee fördern.

„Küstengemeinden werden den Klimawandel nicht nur durch Meeresspiegelanstieg deutlich zu spüren bekommen, sondern auch durch häufigere Stürme. Dann wird die Menge an Treibsel an unseren Stränden zunehmen“, sagt Sterr. „Und das ist nicht nur ein Thema in Schleswig-Holstein, sondern ein globales Thema.“ Eigentlich habe das Treibgut zwar einen positiven Effekt, weil es als natürlicher Wellenbrecher fungiere und Lebensraum für kleine Tiere biete.

Treibsel als Sondermüll

„Bis Ende 2016 galt das Treibsel als Sondermüll und musste für teures Geld entsorgt werden“, sagt Lucht. Inzwischen darf es als Biomüll deklariert werden. In Laboe landet die marine Biomasse in einer Siebmaschine. Der Sand komme zurück an den Strand, erklärt Lucht, der Rest werde abtransportiert und mit anderen organischen Abfällen kompostiert. Das kostet die Gemeinde rund 7000 Euro. Schöner wäre es, wenn das Treibgut direkt als Bodenhilfsstoff von den Landwirten verwendet werden könnte, so Lucht: „Aus der Natur in die Natur.“

Viele Bauern seien aber unsicher, welche Düngekomponenten das Treibsel ersetzen könne. Zudem fehlten Analysen über mögliche schädliche Einflüsse auf die Böden. Landwirt Jürgen Jessien aus Schönberg kann Ängste nehmen. Er hat schon jahrelang Erfahrung mit Treibsel auf dem Acker.

Grenzwerte werden eingehalten

Seit 2004 landet das Algengestrüpp von den Stränden in Brasilien und Kalifornien bei ihm auf den Raps-, Weizen- und Gerstefeldern. „Bevor das ausgebracht wird, kommt eine Mischprobe in die Lufa.“ Bislang habe die landwirtschaftliche Untersuchungs- und Forschungsanstalt nie schädliche Stoffe gefunden, sämtliche Grenzwerte würden eingehalten oder sogar unterboten.

Positiv sei dagegen die Außenwirkung: Die Akzeptanz für diese Art des Bodenverbesserers sei deutlich höher als für andere Produkte. „Weil ich den Leuten sagen kann, das kommt aus dem Meer hier aus Schönberg und bleibt auch hier.“ Sein Vorteil im Vergleich zu anderen Landwirten sei, dass seine Felder sich in der Nähe zu Strand und Kompostplatz befinden.

„Wenn erst mal jemand 50 bis 100 Kilometer mit dem Seegras fahren soll, würde sich das wahrscheinlich nicht mehr rechnen“, glaubt er. Deswegen sollen im Posima-Projekt auch ein Kosten-Nutzen-Modell erarbeitet und alternative Nutzungsszenarien durchgespielt werden.

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