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Wirtschaft Prozess: Porsches Ex-Finanzchef bestreitet Vorwürfe
Nachrichten Wirtschaft Prozess: Porsches Ex-Finanzchef bestreitet Vorwürfe
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16:40 05.09.2012
Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Kreditbetrug vor: Holger Härter, der ehemalige Porsche-Finanzvorstand. Quelle: Bernd Weißbrod/Archiv

t. In der Verhandlung selber warf er dann der Anklagebehörde schwere handwerkliche Fehler vor.

Nach eisernem Schweigen im Vorfeld des Prozesses holte Härter erstmals umfassend zum Gegenangriff aus. Die Anklageschrift habe ihn "fassungslos" zurückgelassen. In einer 60-minütigen Verteidigungsrede warf der 56-Jährige der Staatsanwaltschaft vor, keine Ahnung von zentralen Begriffen der Finanzwelt zu haben und obendrein fehlerhaft zu rechnen. "Es ist unfassbar und trifft mich", schickte er seinen Ausführungen voraus, in denen er die Porsche-Strategie für den am Ende doch gescheiterten Griff nach der Macht bei VW veranschaulichte.

Nach Lesart von Härter und seiner Anwältin Anne Wehnert hat sich die Anklagebehörde eine folgenschwere Übersetzungspanne geleistet. Sie habe bei den Auswertungen des englischsprachigen Schriftverkehrs mit den Banken eine Fachvokabel nicht korrekt verstanden und so die falschen Schlüsse gezogen. Härter formulierte in seiner Rede vor der 11. Großen Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts eher nüchtern: "Die Staatsanwaltschaft hat beim Studium der Akten einen verfehlten Eindruck gewonnen." Draußen vor dem Saal wurde er nach dem Ende des ersten Verhandlungstages schon deutlicher: Er habe "Wut im Bauch".

Die Anklagebehörde ist sich ihrer Sache aber auch sicher. "Es sind keine Übersetzungsfragen, um die es hier geht", sagte der für den Härter-Fall zuständige Oberstaatsanwalt Hans Richter vor dem Gerichtssaal. "Es geht in dieser Norm des Kreditbetruges darum, dass man gegenüber dem, dessen Geld man haben will, offen kommunizieren muss: nämlich das, was der andere wünscht, zu erfahren."

Der einstige Top-Manager und zwei seiner damaligen Führungskräfte aus der Porsche-Finanzabteilung sollen aber einer Bank Angaben verheimlicht haben, um während des turbulenten Übernahmeversuchs bei Volkswagen vor rund dreieinhalb Jahren leichter an immer dringender benötigtes, frisches Geld zu kommen. Härters Erklärung ging daher aus Sicht des mit dem Fall betrauten Staatsanwalts Reto Woodtli am Kern des Problems vorbei. Fachvokabular und Rechenbasis hin oder her: Porsche habe so oder so getrickst. "Auch nach dem Verständnis der Verteidigung gehen wir davon aus, dass die Beträge höher liegen, als sie dort angegeben sind", entgegnete Woodtli auf Härters Ausführung.

Was sich während des Prozesses vordergründig im Fachchinesisch der Branche verliert, dreht sich um die strafrechtliche Aufarbeitung eines der spektakulärsten Wirtschaftskrimis aus der Autobranche. Hintergrund der Anklage gegen Härter und seine zwei Abteilungsleiter sind hochkomplizierte und riskante Finanzgeschäfte bei der 2009 gescheiterten Übernahmeschlacht der Schwaben gegen den VW-Konzern. Härter jonglierte damals mit Milliarden. Am Ende verhoben sich die Stuttgarter im Strudel der Finanzkrise derart, dass VW den Spieß umdrehte und zur letzten Rettung für Porsche wurde.

Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass Härters Team in der heißen Phase des Angriffs auf die Wolfsburger eine Bank gezielt hinters Licht führte. Es geht um die Anschlussfinanzierung eines damals dringend benötigten 10-Milliarden-Euro-Kredits, der im Frühling 2009 von einem Bankenkonsortium fließen sollte. Beteiligt mit 500 Millionen Euro war auch der Firmenfinanzierer BNP Paribas. Diesem Geldhaus soll Porsche bei den Kreditverhandlungen eigene Finanzrisiken von bis zu 1,5 Milliarden Euro verschwiegen haben.

Die Staatsanwaltschaft spricht sowohl von falschen Angaben als auch von bewusst zurückgehaltenen Informationen. Das wertet die Anklagebehörde als Kreditbetrug. Der ist auch strafbar, falls der Bank - so wie im vorliegenden Fall - am Ende kein Schaden entstand.

Für Härter könnte der Prozess nur die Spitze eines Eisberges sein. Denn neben dem Vorwurf Kreditbetrug ermittelt die Staatsanwaltschaft in dem Fall zusätzlich auch noch wegen Untreue und Marktmanipulation. Dabei muss auch Ex-Porsche-Lenker Wiedeking eine Anklage fürchten.

dpa

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