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Wirtschaft RWE: Spekulationen folgen auf Rekordverlust
Nachrichten Wirtschaft RWE: Spekulationen folgen auf Rekordverlust
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12:30 14.03.2017
Der Vorstandsvorsitzende Rolf Martin Schmitz vom Energiekonzern RWE Quelle: imago/Jürgen Schwarz
Essen

Der Energiekonzern RWE hofft nach dem höchsten Verlust der Firmengeschichte im laufenden Jahr wieder auf bessere Zahlen. Das Ergebnis solle leicht zulegen, für 2017 und die Folgejahre zahle das Unternehmen auch wieder eine Dividende, sagte RWE-Finanzchef Markus Krebber am Dienstag bei der Bilanz in Essen. Für 2017 sind 50 Cent je Aktie geplant.

Spekulationen über Innogy-Übernahme

Verunsicherung gab es aber wegen eines Berichtes der Nachrichtenagentur Bloomberg, dass der französische Strom- und Gaskonzern Engie eine Übernahme der RWE-Großtochter Innogy erwäge. Nach dem Innogy-Börsengang im Herbst vergangenen Jahres hält RWE noch knapp 77 Prozent des Unternehmens mit seinen mehr als 40.000 Beschäftigten und profitiert von der kräftigen Innogy-Dividende von voraussichtlich 1,60 Euro.

RWE kommentierte den Bericht zunächst nicht. RWE-Chef Rolf Martin Schmitz verwies mehrfach auf einen Beschluss des Aufsichtsrats aus dem Jahr 2015, dass RWE zwar grundsätzlich Innogy-Anteile verkaufen könne - jedoch nur bis auf 51 Prozent. Innogy sei eine Tochter mit einer sehr stabilen Rendite, sagte Schmitz. Alles, was man dafür eintauschen würde, müsse sich daran messen lassen, sagte er. RWE habe keinen Zeitdruck.

Verlust von 5,7 Milliarden Euro

In Innogy hat das Unternehmen sein Zukunftsgeschäft mit Netzen, Vertrieb und Ökostrom gebündelt. Bei RWE selbst verblieben die Kohle-, Gas- und Atomkraftwerke sowie der Großhandel mit Strom.

Innogy ist auch einer der Gründe, weshalb RWE für das laufende Jahr zuversichtlicher ist. Hier soll das Ergebnis steigen. Zum zweiten Treiber soll das Handelsgeschäft werden, das im vergangenen Jahr einen Verlust eingefahren hatte. Vorstandschef Schmitz hofft hier auf eine Normalisierung. Dagegen rechnet das Management in der konventionellen Stromerzeugung mit einem Ergebnisrückgang, denn der Strom aus den deutschen Braunkohle- und Kernkraftwerken sei deutlich unter den Vorjahrespreisen verkauft worden.

Wegen des Strompreis-Verfalls und des teuren Atomkompromisses mit der Bundesregierung hatte RWE im vergangenen Jahr einen Verlust von unterm Strich 5,7 Milliarden Euro geschrieben, wie der Konzern bereits im Februar mitgeteilt hatte. Deshalb soll das zweite Jahr in Folge die Dividende für die Stammaktionäre ausfallen.

Künftig sieht RWE seine Aufgabe vor allem in der Absicherung der Energiewende mit Gas- und Kohlekraftwerken, die bei Flaute und fehlendem Sonnenschein einspringen, und mit Stromspeichern. „Unsere Strategie ist Versorgungssicherheit. Das ist unsere Aufgabe auf lange Sicht“, sagte Schmitz.

Die Braunkohle bleibe dabei wichtig für RWE. Sie trage derzeit noch ein Viertel der deutschen Stromversorgung. Zum Abbau der Förderung und damit der CO2-Belastung gebe es einen klaren Fahrplan bis zur Mitte des Jahrhunderts.

Von dpa/RND/zys