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Wirtschaft Reeder leiten Hunderte Schiffe um
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00:17 10.08.2013
Von Frank Behling
Im Tarifkonflikt bei der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) beginnen am Mittwoch die Beschäftigten an der Schleuse Brunsbüttel einen fünftägigen Streik. Quelle: dpa
Brunsbüttel

Erst im März waren die beiden großen Schleusen in Brunsbüttel wegen erheblicher Schäden für zwei Wochen ausgefallen. Seit gestern sind die Kanalschleusen nun erneut außer Betrieb: Mit der Frühschicht wurden alle vier Schleusenkammern in Brunsbüttel für Seeschiffe dichtgemacht. Der Streik soll fünf Tage dauern. Nur Sportboote und Binnenschiffe können die Schleusen passieren, da sie keine Festmacher und auch keine Gangway brauchen.

Bei Verdi ist man mit dem ersten Tag zufrieden. Der Streik von bis zu 150 Mitarbeitern der Ämter hat Schleusen blockiert, Fähren und Bauhöfe am Kanal lahmgelegt. „Wir wollen damit ein deutliches Zeichen in Richtung Verkehrsminister Ramsauer schicken“, sagt Verdi-Fachbereichsleiter Jochen Penke. Den Nord-Ostsee-Kanal habe man wegen seiner Bedeutung auch erst ganz ans Ende der bundesweiten Streikmaßnahmen gelegt.

Die Gewerkschaft hatte die Reeder am Montag über den Ausstand informiert. „Es sind daraufhin reihenweise Schiffe abgedreht. Wenn der Streik bis Sonntag andauert, sind Hunderte Schiffe betroffen“, sagt Jann Petersen von der Maklerei UCA United Canal Agency. Bis zu 100 Schiffe passieren im Schnitt pro Tag den Kanal, an den Wochenenden sind es bis zu 120. Nicht nur die maritime Wirtschaft leidet unter dem Streik: So können Bauern beispielsweise ihr Getreide nicht auf dem Seeweg transportieren.

Verärgert reagierten auch die Lotsen. „Wir haben ja viel Verständnis für die Kritik an der Reform. Ein Streik über fünf Tage ist jedoch unverhältnismäßig“, sagt Stefan Borowski, Ältermann der Lotsenbrüderschaft NOK II aus Kiel. Die 300 Lotsen und die 150 Kanalsteurer sind seit gestern früh zur Untätigkeit verdammt. Wenig Verständnis für den Streik hat auch die Initiative Kiel-Canal, in der sich Firmen, Verbände und Kommunen aus der Region zusammengeschlossen haben, darunter auch die Städte Kiel, Brunsbüttel sowie die IHK. „Mit dem Streik unterminiert die Gewerkschaft den Ruf des Nord-Ostsee-Kanals als zuverlässiger Wasserweg“, kritisiert Jens Broder Knudsen, Vorsitzender der Initiative. Bei aller Kritik an der Reform der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung müsse sich die Gewerkschaft die Frage stellen lassen, „ob sie mit dem Streik nicht übers Ziel hinausschießt“, so Knudsen. Verdi befürchtet, dass der von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) geplanten Umstrukturierung bundesweit 3000 der insgesamt rund 12000 Arbeitsplätze zum Opfer fallen.

Am Abend gab es eine leichte Entspannung. Die Nachtschicht in Brunsbüttel konnte durch eine private Festmacherfirma besetzt werden.

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