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Rheinmetall: 320 Stellen weniger

Arbeitsplätze Rheinmetall: 320 Stellen weniger

Der Industriestandort Kiel wird weiter geschwächt: Die Rheinmetall Landsysteme GmbH (RLS) plant, den Firmensitz von Kiel nach Niedersachsen zu verlegen und rund 320 der knapp 500 Stellen im Suchsdorfer Werk zu streichen. Diese Pläne wurden am Dienstag bekannt. Betriebsrat und IG Metall kündigten harten Widerstand an.

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Rheinmetall produziert in Kiel militärische Fahrzeuge.

Quelle: eis

Kiel. Bereits seit dem Frühjahr zeichnete es sich für die Mitarbeiter ab, dass Veränderungen in der Kettenfahrzeugsparte des Düsseldorfer Konzerns anstehen. Unternehmensberater waren damit beauftragt worden, die Struktur des Unternehmens zu überprüfen. Denn die Auftragslage hat sich in den vergangenen Jahren eher rückläufig entwickelt. Zuletzt hatte beispielsweise die Bundesregierung ihren Auftrag über 405 Schützenpanzer Puma auf 350 reduziert.

Jetzt hat Rheinmetall dem Betriebsrat das Konzept zur „Zukunftssicherung der RLS“ vorgelegt. Demnach sollen in Kiel und in Kassel massiv Arbeitsplätze abgebaut und zum Teil nach Unterlüß verlagert werden. Der kleine Ort in der Lüneburger Heide soll zudem künftig Sitz des Unternehmens werden. Der Standort Gersthofen (bei Augsburg) soll geschlossen werden.

Der Betriebsrat in Kiel informierte daraufhin die Mitarbeiter per Aushang: Derzeit plane die Geschäftsführung, dass von den knapp 500 Beschäftigten gut 170 bleiben sollten, 190 sollten voraussichtlich nach Unterlüß verlagert werden, heißt es in der Information. Weitere 130 Stellen könnten komplett wegfallen. Am 11. September sollen die Mitarbeiter von der Geschäftsführung mehr über die Pläne erfahren.

Die Arbeitnehmervertreter in Kiel und Kassel bereiten sich unterdessen schon auf harte Verhandlungen und Auseinandersetzungen mit der Konzernführung vor. „Denn wir sind der Meinung, dass Kiel nicht mehr zukunftsfähig ist, wenn so viele Stellen verlagert werden“, sagte die Betriebsratsvorsitzende in Kiel, Birgit Ahlmann, auf Anfrage. Noch deutlicher wurde Peter Seeger, IG-Metall-Chef für die Region Kiel/Neumünster: „Wir werden Rheinmetall den Kampf ansagen, wenn die Belegschaft das unterstützt.“ Die Zeichen stehen auf Arbeitskampf. In dieser Woche wollen IG-Metall-Vertreter aus Kiel und Kassel das weitere Vorgehen abstimmen. In Kassel sollen von den 410 Arbeitsplätzen bei RLS rund 300 wegfallen. Kiel ist seit dem Jahr 2000 die Zentrale und der Entwicklungsstandort des Unternehmens, außerdem werden hier Prototypen gefertigt; vor zwölf Jahren war die Produktion von Fahrzeugen nach Kassel und Unterlüß verlagert worden.

Der Konzern bestätigte auf Anfrage, dass „im Rahmen des Projekts Zukunftssicherung“ versucht werde, „dem Unternehmen und seiner Belegschaft eine erfolgreiche Zukunft zu ermöglichen“. Dem Betriebsrat sei ein Drei-Standorte-Konzept vorgestellt worden, das den Erhalt des Standortes Kiel vorsieht, aber zugleich eine „unumgängliche Reduzierung der Personalstärke“. Zu Details äußerte sich Konzernsprecher Oliver Hoffmann nicht. Derzeit werde mit dem Betriebsrat verhandelt.

 

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Rheinmetall will am Standort Kiel 320 Stellen streichen.

Der Schock sitzt tief: Die Ankündigung von Rheinmetall, 320 Stellen in Kiel abzubauen, löst große Sorge aus. Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) zeigte sich überrascht: „Ich bin nicht davon ausgegangen, dass Kiel in diesem Umfang von der Umstrukturierung betroffen sein würde.“ Bürgermeister Peter Todeskino (Grüne) spricht indes von einem schweren Schlag für den Standort Kiel.

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