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Nachrichten Wirtschaft TKMS baut sechs neue U-Boote in Kiel
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21:28 03.02.2017
Von Niklas Wieczorek
Norwegen bestellt in Kiel vier U-Boote der Klasse 212, die auch in der deutschen Marine im Einsatz ist. Quelle: Markus Scholz/dpa
Oslo/Kiel

Ein Brief aus Norwegen hat am Freitag für Jubel in Kiel und Freude in ganz Schleswig-Holstein gesorgt: Das norwegische Verteidigungsministerium teilte Thyssen Krupp Marine Systems (TKMS) mit, dass die Werft die Ausschreibung über den Bau von vier U-Booten gewonnen hat. Damit hat sich TKMS diesmal gegen die französische Staatswerft DCNS durchgesetzt – im Wettbewerb um einen Milliarden-Auftrag mit Australien im vergangenen April hatten noch die Franzosen die Nase vorn gehabt.

„Wir sind sehr stolz, diesen bedeutenden Auftrag gewonnen zu haben“, sagte TKMS-Chef Peter Feldhaus. Das unterstrich Peter Seeger, IG-Metall-Geschäftsführer und stellvertretender TKMS-Aufsichtsratsvorsitzender: „Damit sichern wir nicht nur die Arbeitsplätze der Werft, sondern auch die der vielen Zulieferer.“ Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) sprach von einer Gemeinschaftsleistung aller Akteure auf Bundes- und Landesebene. Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer, der persönlich in Oslo für TKMS geworben hatte, zeigte sich erleichtert: „Das ist eine sehr, sehr gute Nachricht, die den Standort Kiel stärkt.“

Vertrag soll bis 2019 unterschrieben sein

Die U-Boote basieren auf einer Weiterentwicklung des in Deutschland genutzten Typs 212 und sollen ab 2025 ausgeliefert werden. Der Vertrag über den Bau der Boote, über dessen finanzielles Volumen keine Angaben gemacht wurden, soll nun zwischen Norwegen und Deutschland ausgehandelt und bis 2019 unterschrieben werden, teilte das norwegische Verteidigungsministerium mit. Früheren Angaben zufolge soll ein Boot je nach Ausstattung bis zu 560 Millionen Euro kosten.

Das Auftragspaket an TKMS mit seinen 2800 Mitarbeitern umfasst zudem auch zwei neue baugleiche U-Boote für die deutsche Marine, teilte das Verteidigungsministerium mit. Damit werde eine neue Stufe der innereuropäischen militärischen Zusammenarbeit mit dem Nato-Partner Norwegen erreicht. Grund: Weil alle Boote identisch ausgestattet sind, könnten auch gemischte deutsch-norwegische Besatzungen eingesetzt werden. Die norwegische Marine will künftig die Kapazitäten der deutschen Marine in Eckernförde nutzen, beispielsweise das Ausbildungszentrum für U-Boote (AZU). Gleichzeitig darf die deutsche Marine norwegische Infrastruktur nutzen.

Australien hatte sich vor einem Jahr unter anderem wegen der Größe und Kampfkraft für das französische Boot der „Scorpene“-Klasse entschieden. In Norwegen war jetzt aber neben Leistungsdaten und Feuerkraft auch die strategisch Partnerschaft mit Deutschland ein ausschlaggebender Faktor.

Zusammenarbeit über den Bau hinaus

Die norwegische Entscheidung werde darüber hinaus dazu beitragen, eine zukunftsweisende Schlüsseltechnologie für die nächsten Jahrzehnte in Deutschland zu sichern und in enger Kooperation auszubauen, erklärte das Ministerium in Berlin. Wichtige Anteile werde die norwegische Industrie leisten. Zudem erreiche Deutschland mit dem Nato-Partner Norwegen eine neue Stufe der innereuropäischen militärischen Zusammenarbeit.

„Die Entscheidung beinhaltet eine verpflichtende und langwährende Zusammenarbeit zwischen den Marinen, die U-Boote und andere Kapazitäten umfasst“, sagte Verteidigungsministerin Ine Eriksen Søreide (Konservative). „Die Zusammenarbeit wird auch Ausbildung, Training, Betrieb, Wartung und Unterstützung der neuen U-Boote umfassen.“

TKMS soll in der Erstellung eng mit norwegischen Firmen zusammenarbeiten, so die Ministerin. Zwischen 2025 und 2028 sollen die U-Boote in den Betrieb genommen werden. Das Ministerium beantwortete keine Fragen nach dem Preis der Gefährte. Sie sollen laut vorherigen Angaben zwischen 280 und 560 Millionen Euro pro Boot liegen.

Politik im Norden ist hocherfreut

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig wurde am Vormittag von der norwegischen Botschafterin über die Entscheidung informiert. „Schleswig-Holstein und Norwegen sind enge Partner und in vielfältiger Weise in den Bereichen Handel, Industrie, Energie und maritime Wirtschaft verbunden“, erklärte der SPD-Politiker. Der Auftrag für TKMS sei ein weiterer Beleg für die vertrauensvolle Kooperation. Albig hatte sich laut Staatskanzlei bei Vertretern der norwegischen Regierung für TKMS eingesetzt, wie andere Politiker des Landes auch.

Von einer großen Gemeinschaftsleistung aller Akteure auf Bundes- und Landesebene sprach Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer. „Die Entscheidung Norwegens hat erhebliche wirtschaftspolitische Bedeutung für den Standort Kiel und Schleswig-Holstein“, sagte der SPD-Politiker. „Der Werftstandort Kiel wird von diesem Auftrag erheblich profitieren.“

Kämpfer hatte in Norwegen geworben

Der Kieler Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) gratulierte der Werft TKMS. „Das ist eine sehr, sehr gute Nachricht aus Oslo“, sagte er. Die Kooperation zwischen beiden Ländern und deren Industrien stärke den Standort Kiel. Sie sichere langfristig die Beschäftigung auf der Werft und bei zahlreichen Zulieferern in Stadt und Region. „Die Entscheidung kommt für uns nicht ganz überraschend. Denn während des Besuches der Kieler Delegation im Dezember in Oslo und Kongsberg haben wir erfahren, dass das Vertrauen in die Kompetenz der deutschen Industrie sehr hoch ist.“

„Die heutige Entscheidung der norwegischen Regierung, die gewünschten U-Boote in Kooperation mit Deutschland zu erstellen, ist ein toller Erfolg auch für die hiesige Region", sagte auch der Kieler CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Stritzl, stellvertretendes Mitglied im Verteidigungsausschuss. „Was der europäischen Verteidigungskooperation nützt, Hochtechnologie ausbaut und Arbeitsplätze sichert, dient in diesem Fall auch ganz besonders Kiel und der hier ansässigen modernsten konventionellen U-Boot-Manufaktur der Welt.“ Auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Ingo Gädechens und Obmann der Union im Verteidigungsausschuss pflichtete ihm bei: „Von der vertieften Kooperation wird sowohl Deutschland als auch Norwegen profitieren.“

Mit dpa

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