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Wirtschaft Rossmann und dm legen sich mit Amazon an
Nachrichten Wirtschaft Rossmann und dm legen sich mit Amazon an
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10:54 05.06.2018
Behörden kontrollieren Produkte von stationären Händlern - aber nicht bei Online-Plattformen wie Amazon, kritisiert Rossmann. Quelle: dpa
Hannover


Rossmann, dm und Douglas fordern die Politik auf, Konzerne wie Amazon und Ebay stärker zu regulieren. Das berichtet die „Hannoversche Allgemeine“ (HAZ). Online-Händler aus dem Ausland verkauften über solche Plattformen irreführende und gefährliche Kosmetikprodukte in Deutschland, warnen die drei Drogerieketten in einem gemeinsamen Brief an die Bundesregierung, der der HAZ vorliegt. Die Behörden könnten die ausländischen Händler allerdings nicht sanktionieren – deswegen sollten künftig Amazon und Ebay für Verstöße haften, fordern die drei.

Es erscheine „äußert befremdlich“, dass „Schwergewichte des Online-Handels“ vollkommen ohne staatliche Aufsicht handeln könnten, kritisieren Rossmann, dm und Douglas in ihren Briefen an Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD), Verbraucherschutzministerin Julia Klöckner (CDU) und Digital-Staatsministerin Dorothee Bär (CSU). Immerhin würden Plattformen wie Amazon „erhebliche Provisionen“ von den ausländischen Händlern erhalten. Im stationären Handel werde „selbstverständlich auch das kleinste Geschäft mit aller notwendigen Strenge kontrolliert“.

„Pathogene Keime“

Ihre Forderung untermauern die drei Unternehmen mit den Ergebnissen eines Produkttests. Sie haben 24 der 100 meistverkauften Artikel der Kategorie „Beauty“ auf dem Amazon-Marktplatz von einem Labor untersuchen lassen. Das Ergebnis: Von den 24 Artikel seien nur zwei rechtlich gesehen nicht zu beanstanden. Bei den restlichen 22 habe man insgesamt 93 Verstöße festgestellt, zum Beispiel fehlerhafte oder unverständliche Warnhinweise auf der Verpackung, nicht deklarierte Allergene oder unlautere Werbeaussagen. Ein Produkt war „stark mit pathogenen Keimen belastet“, schreiben die drei Drogerieketten.

„Übertragen auf alle kosmetischen Mittel, die millionenfach auf Plattformen wie dem Amazon Market Place in Deutschland erhältlich sind, bedeutet dies: Kaum ein Artikel davon darf hierzulande überhaupt vertrieben werden“, lautet die Schlussfolgerung. Auch bei Steuerhinterziehung durch die ausländischen Händler sollten die Plattformen künftig haften.

Auf die Kooperation zwischen Rossmann und Amazon beim Lieferdienst „Prime Now“ habe die Kritik keinen Einfluss, sagte eine Rossmann-Sprecherin. Es handele sich um „getrennte Angelegenheiten“.

Keine aktive Kontrolle

Die Kritik an Plattformen wie Amazon ist nicht neu. Deutsche Händler weisen immer wieder auf gefährliche, gefälschte oder wettbewerbswidrige Produkte von Konkurrenten zum Beispiel aus China hin. Die Plattformen lagern und verschicken die Produkte und wickeln die Zahlung ab. Sie müssen illegale Produkte zwar entfernen, wenn sie auf Verstöße hingewiesen werden. Sie müssen laut Gesetz aber nicht aktiv kontrollieren und haften bei Verstößen der Händler in der Regel nicht. Im Bereich Umsatzsteuer könnte sich das allerdings ändern, weil die Bundesländer eine Gesetzesinitiative gestartet haben. Antworten von Amazon und Ebay auf Fragen der HAZ zu der Kritik stehen bislang noch aus.

Von RND/HAZ

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