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11:26 05.11.2018
Von Frank Behling
Kay Katzenmeier gibt Tipps für die Einbruchsprävention. Quelle: Frank Behling
Kiel

Kiel. Als 2008 die Drogerie-Kette DM ein Pfefferspray ins Sortiment nahm, war die Empörung groß. Im Kampf gegen sinkendes Sicherheitsempfinden der Bürger soll der Absatz von Verteidigungsmitteln aller Art wirken. Pfefferspray ist dabei die günstigste und vor allem leicht zu bedienende Waffe. Die kleinen schwarzen Dosen mit dem „patentierten Panikverschluss“ dienen laut Werbung dem Schutz vor gefährlichen Tieren. Seit der Wolf wieder heimisch geworden ist, eine durchaus plausible Erklärung – auf den ersten Blick.

Die Furcht, Opfer eines Einbruchs in der Nacht zu werden, ist in der Bevölkerung weiter groß. „Dabei ist die Zahl der Bürger, die Nachts in ihrer eigenen Wohnung Angst haben, Opfer einer Straftat zu werden, von 2015 bis 2017 von 11,4 auf 13 Prozent gestiegen“, sagt der Kieler Kriminalpsychologe Lars Riesner vom Landeskriminalamt.

Eine Überschätzung der Wirklichkeit

Noch deutlicher fiel der Anstieg bei der Frage nach der generellen Sorge vor Einbrechern aus. Auf die nach der Wahrscheinlichkeit Opfer eines Einbruchs zu werden, antworteten 2017 immerhin 23,5 Prozent mit ja, das sind fast drei Prozent mehr als 2015. „Das ist natürlich eine absolute Überschätzung der tatsächlichen Wahrscheinlichkeit“, so Riesner. Es spiegelt aber die „gefühlte“ Wahrscheinlichkeit wider. Bei der zweiten Dunkelfeldstudie der Polizei Schleswig-Holstein haben 11614 Bürgerinnen und Bürger Auskunft über ihre persönlichen Sorgen gemacht.

Dabei ist es gerade unwahrscheinlich, in der Nacht Opfer eines Einbruchs zu werden. „Ab Mitternacht haben wir die wenigsten Taten“, sagt Kriminalhauptkommissar Kay Katzenmeier vom Landespolizeiamt Schleswig-Holstein. Die absolute Hochrisikozeit ist zwischen 16.30 Uhr und 22 Uhr. „Um diese Zeit haben es die Täter auch leichter unerkannt zu bleiben“, so der Polizist. Durch normalen Verkehr und Betrieb seien auch Nachbarn nicht so auf die Geräusche eines Einbruchs fixiert.

Die Opfer fühlen sich oft noch Jahre schlecht

Der Experte für Einbruchskriminalität hat sich auf Prävention fokussiert und kennt aus den Gesprächen mit Betroffenen die Probleme. „Ein Einbruch ist immer auch ein Angriff auf die Seele. Das hält auch lange an. Die Opfer fühlen sich oft noch Jahre schlecht“, so Katzenmeier. Ganz schlimm ist es, wenn das Opfer den Einbrecher auch noch in der Wohnung überrascht. „In dem Fall sollte man den Einbrecher niemals in die Enge treiben“, sagt Katzenmeier.

Die Folge der Angst ist der verstärkte Ausbau der „Verteidigung“der eigenen vier Wände. Der Anteil von Menschen, die ihre Wohnung mit Schutzmaßnahmen versehen, ist um fast fünf Prozent auf 26,4 Prozent gestiegen. Über 54 Prozent der Befragten gaben zu dem an, dass sie ihre Wohnung durch technische Hilfsmittel auch in der Abwesenheit bewohnt aussehen lassen. Spezielle Illuminationen oder auch Fernseher mit Steuerung über Zeitschaltuhren sind beliebt. Denn: Je belebter ein Haus oder eine Wohnung aussieht, je größer ist das Risiko für den Einbrecher.

Je kleiner das Fenster, je größer der Aufwand

„Auch technische Lösungen wie Smart Home helfen da auf jeden Fall. Diese Dinge können aber nicht den mechanischen Schutz der Wohnung ersetzen“, sagt Katzenmeier. Sperrriegel, Schutzbeschläge, Profilzylinder oder aufschraubbare Nachrüstsicherungen halten Täter auf. Besonders gefährdet seien Terrassentüren.

„Je kleiner das Fenster, je größer der Aufwand und das Verletzungsrisiko für den Täter. Deshalb ist der Schutz der Terrassentür sehr wichtig“, weiß der Polizist. Ein Einbruchsversuch dauert selten länger als fünf Minuten. „Wenn der Täter dann nicht in der Wohnung ist, gibt er auf“, so die Erfahrung von Katzenmeier, der seit 1983 bei der Landespolizei ist.

Und auch die Wahrnehmung von Einspruchsspuren ist gestiegen. „Es gibt einen deutlichen Anstieg beim Anzeigeverhalten der Bürger. Früher wurde oft darauf verzichtet, wenn es keinen Diebstahl gab. Heute zeigen die Menschen aber auch Versuche verstärkt an“, so Riesner. Dies helfe der Polizei bei den Ermittlungen.

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