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07:37 18.06.2015
Von Paul Wagner
Ausnahmefall: Der pensionierte Soldat Rainer Gynther (66) kümmert sich an der Büdelsdorfer Heinrich-Heine-Schule um das Computernetzwerk und die PCs. Quelle: Jörg Wohlfromm
Kiel

Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) hat das Lernen in einer digitalen Gesellschaft zu einem politischen Schwerpunkt ihrer Regierungsarbeit erklärt (sehe untenstehendes Interview). Doch was verbirgt sich hinter dieser Absicht und vor allem: Auf welchem Stand ist die technische Ausstattung der Schulen jetzt?

 Eine internationale Studie unabhängiger wissenschaftlicher Bildungsforscher, an der sich auch das Bundesbildungsministerium beteiligt hat, stellte Deutschland im Jahr 2014 kein gutes Zeugnis aus. In keinem anderen untersuchten Land setzten Lehrer Computer seltener im Unterricht ein. Dies führe zu Nachteilen bei den Berufschancen der jungen Leute. Der Bund fordert deshalb von den Ländern, ihre Lehrer besser fortzubilden, und stellt dafür in den kommenden zehn Jahren 500 Millionen Euro bereit.

 In Schleswig-Holstein haben sich jetzt 569 von 810 Schulen aller Richtungen (Grundschulen, Förderzentren, Gemeinschaftsschulen, Gymnasien und Berufliche Schulen) an der ersten umfassenden Befragung zum Thema „IT-Ausstattung und Medienbildung“ beteiligt. Sie beantworteten 40 Fragen zu Themen wie Netzwerk-Infrastruktur, Support, Budget, Schulhomepages, Datenaustausch, Medienkompetenz und Lehrerfortbildung. Fazit: Immer mehr Schülern stehen Computer zur Verfügung. An 22 Prozent der Schulen können Schüler sogar ein hauseigenes WLan nutzen. Immerhin 57 Prozent der Schulen haben ein solches Netz. Aber: Oft sind die Endgeräte veraltet, oder es gibt große Probleme bei der Betreuung der Netzwerke. Dies werde aufgrund der komplexen Technik immer zeitraubender.

 Zu fast 50 Prozent kümmern sich derzeit Lehrer um die Hardware, ein Viertel der Schulen setzt externen Firmen ein, gefolgt von Mitarbeitern der Schule oder des Schulträgers, und nur in 0,7 Prozent der Fälle kümmern sich Eltern ehrenamtlich um die Technik. Es zeigt sich: Vor allem die Lehrer sind in der Pflicht. „Da dies nicht zu deren Kernaufgaben gehört, sollte hier in Zukunft eine deutliche Entlastung angestrebt werden“, heißt es in der Studie.

 Auch halten die meisten Schulen kein festes Budget für die Ausrüstung mit Computern vor – und wenn, sind dies vor allem die Beruflichen Schulen. Ähnliches gilt für die Fortbildung der Lehrer. „Die Kolleginnen und Kollegen hätten zu geringe Kenntnisse im Umgang mit den digitalen Technologien. Es bestünden zum Teil auch Unsicherheiten und Berührungsängste bei der Erschließung von deren Möglichkeiten. Dennoch wünschen sich viele eine Unterstützung“, heißt es in der Studie.

 Die Autoren der Umfrage kommen zu dem Schluss, dass derzeit nur wenige Schulen in Schleswig-Holstein als Vorbilder dienen können. Ziel solle es jetzt sein, solche Vorbilder zu benennen und für eine stärkere Vernetzung der Schulen zu sorgen. So können bewährte Konzepte genutzt werden. Zudem setzen die Autoren auf eine stärkere Nutzung eigener privater Endgeräte durch die Schüler. Dieses Vorgehen unter dem Titel „Bring your own device“ könne viele Probleme im Bereich der Ausstattung lösen. Aber auch die Frage, wie eine „sinnvolle alltägliche Integration pädagogisch und didaktisch bewerkstelligt werden soll“, müsse noch beantwortet werden.

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