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„Bedürfnis nach Sicherheit ist hoch“

Forscher „Bedürfnis nach Sicherheit ist hoch“

Die Angst vor Terrorismus überlagert derzeit alles, stellt der Kieler Wissenschaftler Stefan Hansen fest. Er appelliert an die Politik: Der Druck zur Veränderung steigt mit der Zahl der Anschläge.

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Stefan Hansen, Geschäftsführer des Instituts für Sicherheitspolitik der Universität Kiel (ISPK) und Leiter der Abteilung Terrorismus- und Radikalisierungsforschung

Quelle: eis - Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Nach ihren Ängsten befragt, haben die Deutschen noch vor fünf Jahren komplett andere Antworten gegeben als heute. Damals beherrschte die Angst um den Arbeitsplatz und die Angst vor sozialem Abstieg das Denken. Inzwischen hat sich das gravierend verändert. Die Angst vor Terrorismus überlagert derzeit alles. Das geht aus einer Bevölkerungsbefragung hervor, die Stefan Hansen (39) mit Interesse verfolgt. Er ist Politikwissenschaftler und Geschäftsführer des Instituts für Sicherheitspolitik an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Sein Spezialgebiet: Terrorismus- und Radikalisierungsforschung.

„Noch vor wenigen Jahren war der Terrorismus für unsere Generation relativ weit weg“, sagt Hansen. „Dann rückte die Gefahr mit Anschlägen in Madrid und London näher, bis sie mit dem Anschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt auch Deutschland erreichte. Das macht den Menschen Angst. Das Bedürfnis nach Sicherheit ist deshalb zurzeit sehr, sehr hoch.“

Das Meinungsklima hat sich verändert

Der Wissenschaftler ist sich sicher, dass die Parteien dieses Bedürfnis künftig ernster nehmen müssen. Die Studie könne den Politikern eine gute Hilfe sein, sagt Hansen. Veröffentlicht wird die Bevölkerungsbefragung seit 1995 vom Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw) mit Sitz in Potsdam. „Eine solche Befragung über einen solch langen Zeitraum macht sehr gut deutlich, wie sich das sicherheits- und verteidigungspolitische Meinungsklima in der Bundesrepublik verändert“, sagt Hansen.

„Die Welt ist nicht schwarz und weiß“, sagt er, „sondern unglaublich kompliziert.“ Ein Beispiel aus dem sicherheitspolitischen Umfeld: „Der klassische äußere Feind trug normalerweise Uniform. So ließen sich Kriegsteilnehmer von der Zivilbevölkerung unterscheiden. Beim Terrorismus verschwimmt die Grenze zwischen innerer und äußerer Gefahr wie auch zwischen Kriegsteilnehmern und Zivilisten völlig. Ein Terrorist trägt die Waffe nicht offen, auch keine Uniform, bedient sich aber kriegerischer Mittel, um sein politisches Ziel zu fördern. Das lässt den Schutz der Bevölkerung so schwer werden.“

Politik müsse abgewogen Sicherheit erhöhen

Was kann die Politik tun? Man müsse immer zwischen Überwachung und Freiheit abwägen, so der Fachmann. „Wenn ich mehr Gewicht auf die Sicherheit lege, schränke ich die Freiheit ein.“ In den USA und Großbritannien gebe es kaum einen öffentlichen Platz, der nicht videoüberwacht werde. „Bei uns in Deutschland liegt deutlich mehr Gewicht auf der Freiheit.“

Aber der Druck, dass sich etwas verändern müsse, steige mit der Zahl der Anschläge. Die Politik muss daher sehr abgewogen die Sicherheit erhöhen, um Handlungsfähigkeit zu beweisen, ohne aber die Rechte der Menschen übermäßig zu beschneiden.

Warum ein Mensch Terrorist wird

Das Kieler Institut bietet keine einfachen Lösungen an. Aber es versorgt Entscheidungsträger mit Informationen und Analysen. Zusammen mit dem Politikwissenschaftler Hansen arbeiten in Kiel Juristen, Historiker, Soziologen, Sinologen, Islamwissenschaftler und Amerikanisten am Thema Sicherheit. Dabei gibt es die verschiedensten Blickwinkel.

So geht es beispielsweise auch um die maritime Sicherheit, um die strategische Entwicklung im Asien-Pazifik-Raum und um Konfliktforschung. Hansen selbst geht gerade der Frage auf den Grund, warum von drei Menschen mit sehr ähnlicher Vita einer Terrorist wird, die beiden anderen aber nicht. Klingt so, als könnte das Kieler Institut für Sicherheitspolitik in Zukunft ziemlich wichtig für Deutschland werden.

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Ein Artikel von
Kristiane Backheuer
Lokalredaktion Kiel/SH

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