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Wirtschaft Smarthome: Mehr Automatisierung, mehr Gefahr
Nachrichten Wirtschaft Smarthome: Mehr Automatisierung, mehr Gefahr
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13:34 08.03.2019
Wie sicher ist das Smarthome? Quelle: obs
München

Deutsche haben vor allem Angst vor Spinnen und Schlangen sowie großen Höhen und Zahnärzten. An fünfter Stelle rangieren Hackerangriffe, hat McAfee als Anbieter von Cybersicherheit ermittelt. Unrealistisch sind zumindest die Ängste vor Cyberkriminellen nicht, betont auch Konkurrent Trend Micro und dessen deutsche Tochter in Hallbergmoos bei München in einem aktuellen Gefährdungsreport.

Eine neue Dimension bringe speziell der Trend zu intelligenten Gebäuden mit sich. Denn innerhalb dieser Gebäude tun immer mehr sowohl untereinander als auch mit der Außenwelt vernetzte Geräte ihren Dienst. Und Cyberkriminellen reicht ein schwaches Glied in der Kette, um auf das Gesamtsystem und ihren Datenschatz Zugriff zu bekommen.

So schaffen sich Cyberkriminelle eigene Einfallstore. Dazu gehöre das Klonen der Stimme eines Anwenders, um Befehle über einen Sprachassistenten zu erteilen – moderne Software macht das einfach. Per Phantomvorrichtung könne man auch eine digitale Anwesenheitserkennung überlisten und sie zum Entriegeln von Türen bringen, warnt Trend Micro.

25 Milliarden Geräte bis 2021

Und die Zahl der Geräte nimmt stetig zu: Bis zum Jahr 2021 wird es global über 25 Milliarden mit dem Internet vernetzte Dinge geben, haben Experten des Forschungs- und Beratungsunternehmens Gartner ermittelt. Alles, was mit dem Internet verbunden werden könne, werde es eines Tages auch sein. Vor allem dort, wo sich solche Geräte konzentrieren, steigen die Risiken, da ein gehacktes Gerät oft Zugriff auf damit verbundene erlaubt.

Eine zentrale Rolle spielen dabei aus Sicht der Experten von Trend Micro sogenannte Automatisierungsserver. Denn je mehr Geräte miteinander verknüpft sind, desto größer ist die Versuchung auf eine solche Plattform zurückzugreifen. Das ermöglicht eine Smarthome-Steuerung über ein einziges, benutzerfreundliches Interface.

Risiko Automatisierungsserver

Allerdings ist die Software der Server laut Trend Micro nicht immer wasserdicht, wie die Experten bei Tests herausfanden. Erfolgreiche Angreifer könnten das nutzen, um über das Internet Automatisierungsregeln neu zu programmieren und damit die Kontrolle zu übernehmen. Das erlaube Datendiebstahl und Spionage im großen Stil oder beliebiges Einschleusen von Schadsoftware. Und weil die Zahl der angeschlossenen Geräte beständig steige, werden die maßgeblichen Automatisierungsregeln den Trend-Micro-Experten zufolge immer komplexer – und so noch anfälliger für Angriffe aus dem Internet.

Gesteigert würden mit intelligenten Gebäuden verbundene Risiken, wenn Beschäftigte von einem Heimarbeitsplatz aus damit verbunden sind, warnt Trend Micro-Experte Udo Schneider. Warum ein starkes Unternehmen angreifen, wenn das Smart Home eines Mitarbeiters meist viel anfälliger ist, fragt er rhetorisch.

McAfee wiederum macht auf eine regelrechte Explosion gefälschter Apps für Smartphone-Nutzer aufmerksam. Sind Mitte 2018 rund 10.000 solcher Fake-Apps mit schädlichen Anwendungen gefunden worden, seien es Ende vorigen Jahres bereits 65.000 gefälschte Apps gewesen. Die Experten raten deshalb zu äußerster Vorsicht beim Installieren von Apps wie auch beim Anklicken von Links.

Versicherungen boomen

Vom steigenden Gefahrenpotential profitiert indessen die Assekuranz. Denn bis 2024 könnte sich das Prämienvolumen für Cyberpolicen in Deutschland verzehnfachen. „Ich erwarte, dass wir in fünf Jahren ein Prämienvolumen von mehr als einer Milliarde Euro haben werden“, sagt Onnen Siems vom Beratungsunternehmen Meyerthole Siems Kohlruss. Aktuell gehen die Kölner von 100 Millionen Euro aus. Ein Durchbruch zu einem Prämienvolumen von mehreren Milliarden Euro, wie es ihn in den USA bereits gegeben habe, stehe in Deutschland aber noch aus.

Einfach auf Versicher abwälzen können Unternehmen ihre IT-Sicherheitskosten ohnehin nicht. Cyberpolicen gelten in der Assekuranz als besonders riskant, weil sich Schäden hier leicht kumulieren können. Eine Police erhalten deshalb nur Firmen, die hohen Cybersicherheitsstandard nachweisen können.

Von Thomas Magenheim-Hörmann

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