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Wirtschaft Sparkassen befürchten Notlage
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00:16 12.12.2012
Von Ulrich Metschies
Vor dem THW-Spiel sammelten Provinzial-Mitarbeiterinnen wie Luca Naomi Grimm (re.) und Annika Kremer Unterschriften. Quelle: Uwe Paesler
Kiel

Am Montag will sich Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) äußern – nach einem Gespräch mit dem öffentlich abgetauchten Verbandschef Reinhard Boll. Die Zukunft der öffentlichen Versicherung mit ihren 6000 Mitarbeitern, davon allein fast 1000 in Kiel, könnte sich in den nächsten Tagen entscheiden: Am Mittwoch beschließt die Vorstandsversammlung des schleswig-holsteinischen Sparkassenverbandes, ob mit der Allianz weiter Verhandlungen geführt werden: Lehnen die 14 Sparkassen im Land einen Verkauf mehrheitlich ab, dann wäre das Thema durch, denn einer Veräußerung müssten alle Eigentümer der Versicherungsgruppe zustimmen.

„Die Chancen stehen 50 : 50“, sagt ein Brancheninsider. Im Kampf gegen einen Verkauf verstärkt ver.di den Druck auf die Sparkassenfunktionäre. Zu einer Protestaktion vor der Kieler Verbandszentrale werden am Mittwoch mehr als 2000 Provinzial-Mitarbeiter erwartet, voraussichtlich unterstützt von Feuerwehren und Sportverbänden. Die Befürchtung ist, dass bei einem Verkauf nicht nur Arbeitsplätze auf der Strecke bleiben, sondern auch das gesellschaftliche Engagemant der Provinzial.

Noch vor Weihnachten könnte sich zeigen, ob die Allianz mit ihrem Angebot in Höhe von 2,5 Milliarden Euro zum Zuge kommt. Am 14. und 20. Dezember entscheiden die Gremien des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe und der Westfälische Sparkassenverband über weitere Verhandlungen. Sollte es auch hier grünes Licht geben, könnte alles sehr schnell gehen: Wie Insider berichten, würde die Allianz zeitnah Einblick in die Bücher der Provinzial erhalten. Eine solche „due diligence“, wird in der Regel erst vereinbart, wenn die wichtigsten Verhandlungsfragen geklärt sind.

Nach Informationen der Kieler Nachrichten stellen führende Sparkassenvertreter im Norden den Milliarden-Deal als alternativlos dar. Den wirtschaftlich zum Teil schwer belasteten Sparkassen in Schleswig-Holstein würde ein Verkauf mehr als 400 Millionen Euro in die Kassen spülen. Dieses Geld würde gebraucht, um weitere Lasten aus Problemengagements abzufedern. So müssen die Nord-Sparkassen allein 2012 Abschreibungen bis zu 70 Millionen Euro auf ihre HSH-Beteiligung verkraften. Weitere 150 Millionen könnten es im kommenden Jahr sein.

Der Konflikt um einen möglichen Verkauf der öffentlichen Provinzial-Versicherung an einen Konkurrenten kommt auf die politische Bühne in Kiel. Die SPD-Fraktion hat zu dem Thema eine Aktuelle Stunde für die Landtagssitzung in dieser Woche beantragt, Titel: „Kein Ausverkauf der Provinzial“.

Bei einem Verkauf stünden nach Einschätzung der Betriebsräte und der Gewerkschaft Verdi tausende Arbeitsplätze auf dem Spiel. „Das können wir nicht hinnehmen“, sagte am Montag SPD-Fraktionschef Ralf Stegner. Betriebsräte und Verdi befürchten das Aus für die Provinzial Nordwest, falls die Eigentümer sie an die Allianz verkaufen sollten. Es geht um 6000 Arbeitsplätze in Westfalen und Norddeutschland, darunter 3000 in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg. 2000 sind es im nördlichsten Bundesland, allein 1000 in Kiel. Für den Fall, dass die Eigentümer einen Verkauf anbahnen sollten, hat Verdi massive Proteste angekündigt. Die Gewerkschaft will alles tun, um die Provinzial zu erhalten.

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