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19:37 02.12.2018
Ein Reisepass (wie hier aus Österreich) ist mittlerweile ein gefragtes Handelsgut. Quelle: picture alliance
Hannover

Statussymbol Reisepass: Einige Länder sehen in der eigenen Staatsbürgerschaft eine lukrative Geldquelle. Neben Steueroasen wie Antigua und Barabuda bieten auch EU-Mitgliedstaaten wie Zypern und Malta ein gekauftes Zugehörigkeitsgefühl an. Deutschland gehört nicht dazu.

Das Konzept „Citizenship by Investment“ macht eine Staatszugehörigkeit zu einer schnöden Handelsware. Der Deal: Ein ausländischer Investor, auch „Global Citizen“ genannt, investiert in Immobilien, Firmen oder Staatsanleihen und erhält dafür nach geraumer Zeit den Pass des jeweiligen Landes.

Staatsbürgerschafts-Programm mit Hintertür

In Österreich gibt es kein offizielles Staatsbürgerschaft-Programm durch Investment. Die Staatsangehörigkeit kann einer Person aber durch „außerordentliche wirtschaftliche Leistungen“ verliehen werden. Ein polnischer Milliardär und Besitzer einer 3D-Druckerfirma in Österreich erhielt so seinen Pass.

Laut „Bloomberg“ kann diese wirtschaftliche Leistung in Österreich bis zu knapp 24 Millionen Dollar betragen. Seit dem Regierungswechsel im Alpenstaat werden die Neo-Staatsbürger namentlich nicht mehr öffentlich bekanntgegeben. Offiziell aus Datenschutzgründen.

Wer kauft sich einen Pass?

Das Geschäft mit dem Pass floriert. Armand Arton vermittelt Zweit-Pässe an Superreiche und ist Organisator des Global Citizen Forums. Seinen Schätzungen zufolge fließen alleine im Tausch gegen EU-Pässe und Aufenthaltstitel rund sieben Milliarden Euro pro Jahr nach Europa. Weltweit dürfte die zehn Milliarden Euro Marke längst überschritten sein.

Investoren benötigen einen Zweit-Pass vor allem um frei reisen und wirtschaftliche Interessen verfolgen zu können. Mit einem Pass aus Zypern können 173 Länder – ohne ein Visum zu beantragen – bereist werden.

Die Beraterfirma „Henley & Partners“ bewirbt die Vorzüge eines „Global Citizen“ mit den Schlagwörtern „Bildung, Sicherheit, Mobilität und Steuern.“ Auf ihrer Homepage scheint auch Österreich unter Kategorie „Citizenship by Investment“ auf.

Geldwäsche und Korruption

Laut einem Bericht der „Tagesschau“ gehen Experten davon aus, dass der Handel mit Pässen zur Geldwäsche im großen Stil genutzt wird. Immer wieder fließe Geld nach Europa, das aus trüben Quellen stammt.

Montenegro verkauft Pässe ab 2019

EU-Beitrittskanditat Montenegro akzeptiert ab dem 1. Januar 2019 Bewerbungen, die Staatsbürgerschaft durch Investment zu erwerben. In den nächsten drei Jahren will das Land 2000 Bewerber einbürgern. Wird ein Geldbetrag von 350.000 Euro platziert, erhält der Investor innerhalb von drei Wochen ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht.

Von RND/Alex Krenn

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