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Wirtschaft Jetzt schon stolz auf das Küstenkraftwerk
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08:21 26.02.2017
Von Ulrich Metschies
Auf Augenhöhe mit dem Modell des Küstenkraftwerks: Die Stadtwerke-Vorstände Jörg Teupen und Frank Meier sowie IHK-Präsident Klaus-Hinrich Vater und Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (v.li.). Im Herbst 2018 soll das 290-Millionen-Euro-Projekt ans Netz gehen. Quelle: Uwe Paesler
Kiel

Es wird gelacht, gescherzt und jede Menge Selbstbewusstsein versprüht. Man spürt es an diesem sonnigen Freitagnachmittag im Casino der Stadtwerke Kiel: Der ganz große Druck ist von den Hauptakteuren abgefallen. Schließlich ist nach jahrelanger Zitterpartie der Bau des Kieler Küstenkraftwerkes endgültig auf den Weg gebracht. Im November vergangenen Jahres hatte der Aufsichtsrat des Regionalversorgers den Weg für das 290 Millionen Euro teure Großprojekt freigemacht – die größte Investition in der Geschichte des Unternehmens. „Wir wären gerne früher gestartet“, sagt Stadtwerke-Vorstandschef Frank Meier. Doch das war nicht möglich, weil Brüssel deutlich später als erhofft den neuen Förderrahmen für die Kraft-Wärme-Kopplung in Deutschland abgesegnet hatte.

Zur Veranstaltung am Freitag kamen Kiels OB Ulf Kämpfer, IHK-Präsident Klaus-Hinrich Vater, Hansewerk-Chef Matthias Boxberger sowie Rathaus-Politker, Umlandbürgermeister, Vertreter der Banken, des Motorenbauers GE Power und des Generalunternehmers Kraftanlagen München. Ein illustres Publikum also, vor dem Stadtwerke-Technikvorstand Jörg Teupen mit Superlativen nicht geizt: „Dieses wird das modernste Gaskraftwerk Europas und sogar das modernste seiner Art weltweit, wenn man die Kraft-Wärme-Kopplung berücksichtigt.“ Durch seine Konzeption und Flexibilität sei das Küstenkraftwerk der „ideale Partner der erneuerbaren Energien“.

Ab Herbst 2018 soll das Küstenkraftwerk ans Netz gehen und mit seinen 20 jeweils 14000 PS starken Gasmotoren Strom und Wärme erzeugen. „Das neue Kraftwerk sichert die Fernwärmeversorgung in Kiel und leistet einen wichtigen Beitrag zur Energiewende und zum Umweltschutz“, sagt Unternehmenschef Meier. So werde der Kohlendioxid-Ausstoß um mehr als 70 Prozent geringer sein als der des 1970 gebauten Kohlekraftwerks auf dem Ostufer. Während das alte GKK vier Stunden benötigt, um seine volle Leistung zu erreichen, können die Gasmotoren in nur fünf Minuten starten, wenn es etwa gilt, das Stromnetz zu stabilisieren, weil der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint. „Um die Energiewende erfolgreich zu meistern, benötigen wir neben den regenerativen Erzeugungseinheiten auch hoch flexible fossile Kraftwerke“, betont Meier. Durch seine Schnellstartfähigkeit und die Einbindung in ein intelligentes Energiesystem einschließlich Wärmespeicher („Thermoskanne“ genannt) und Elektrodenheizkessel („Tauchsieder“) sichere das Kraftwerk auch die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit der Stadtwerke. Oder wie Technikvorstand Teupen es beschreibt: „Im GKK verbrennen wir nicht nur Kohle, sondern auch Geld.“

Einig sind sich alle Teilnehmer darin, dass regional unterschiedliche Netzentgelte nicht nur ungerecht sind, sondern auch der Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft im Norden erheblich schaden. Meier kündigt an, den politischen Kampf Schleswig-Holsteins für bundesweit einheitliche Netzentgelte nach Kräften zu unterstützen; „Wenn es dazu nicht kommt, drohen den Stromverbrauchern in Schleswig-Holstein allein in diesem Jahr Mehrkosten von 180 Millionen Euro.“

Kiels Oberbürgermeister bezeichnet das Küstenkraftwerk als „Herzensangelegenheit“, die ihm viel Freude, aber auch Frust beschert habe. Die Erleichterung, dass nun alles nach Plan geht, zeigt sich bei Kämpfer auch in eher laxer Formulierung. Auf die Frage, wie denn die 20 Einheiten aus Motor, Turbolader und Generator mit ihren 120 Tonnen Gewicht, 15 Metern Länge und fünf Metern Höhe auf die Baustelle kommen sollen, sagt der OB: „Das ist mir im Moment schnurzpiepegal.“

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