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Wirtschaft Kochen ja, einkaufen nein
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07:00 07.08.2016
Von Anne Holbach
Eine Kiste voller Zutaten: Timo Drahn (links) und Torben Eggerstorf wollen mit ihren Foodboxen ihren Kunden den Einkauf für alle Mahlzeiten abnehmen. Quelle: Uwe Paesler
Kiel

Nicht ohne Grund haben Foodboxen wie Hello Fresh oder Marley Spoon, die Zutaten-Pakete für eine Mahlzeit liefern, einen Nerv getroffen. Ein Markt, den auch zwei Kieler erobern wollen. Timo Drahn und Torben Eggerstorf (beide 24) tüfteln derzeit in der Kieler Starter-Kitchen an ihrer Online-Plattform Foodsailor. „Wir wollen den alltäglichen Lebensmitteleinkauf vereinfachen und das auf jeden Einzelnen zugeschnitten tun“, sagt Timo. Vegan, eiweißreich oder mediterran: Die Kunden sollen auswählen können. „Wir möchten Leute ansprechen, die zwar gerne kochen, aber wenig Zeit und Lust haben, selber einkaufen zu gehen.“ Ihre Zielgruppe seien vor allem 25- bis 45-jährige Berufstätige. Anders als die Foodbox-Konkurrenz will das Start-up alle Mahlzeiten abdecken.

Die Idee kam Timo im November vergangenen Jahres. „Ich war auf dem Heimweg von der Uni und meine Freundin schrieb mir: ,Was essen wir heute?’“, erzählt der 24-Jährige, der Germanistik und Philosophie auf Lehramt studiert. „Ich hatte keine Lust, noch in den vollen Supermarkt zu gehen, und wusste auch nicht wirklich, was ich kaufen soll.“ Er habe sich in diesem Moment gewünscht, dass es jemanden gibt, der ihn und seinen Essensgeschmack kennt und ihm diese Arbeit abnimmt. Seitdem arbeitete er mit Torben zunächst abends oder an den Wochenenden an der Idee. Dank des Gründungsstipendiums können sich die beiden seit Mai voll ihrem Projekt widmen.

Zusammenarbeit mit dem regionalen Einzelhandel

Bisher bestellen allerdings nur wenige Deutsche ihre Lebensmittel online. Erst ein Drittel der Konsumenten hat sie laut dem Kölner Institut für Handelsforschung schon einmal im Netz bestellt, nur sechs Prozent tun das regelmäßig. Demnach ist der Hauptgrund für das geringe Interesse, dass 76 Prozent mit den Supermärkten in ihrer Nähe zufrieden sind. Knapp die Hälfte hat Spaß am stationären Einkauf und 41 Prozent Bedenken, ob bestellte Lebensmittel bei Frische und Qualität mit der Ware aus dem Supermarkt mithalten können.

Letzteres wollen Timo und Torben durch die Zusammenarbeit mit dem regionalen Einzelhandel sicherstellen. „Wir sind in Verhandlung mit Lieferello von Citti, um unsere ersten Prototypen zusammenzustellen“, erzählt Torben. Durch die direkte Kooperation mit Unternehmen vor Ort will Foodsailor es außerdem schaffen, günstiger zu sein als bundesweite Anbieter wie Hello Fresh, die rund 40 Euro pro Kiste verlangen. Die Kieler wollen zudem vom Trend profitieren, sich bewusst zu ernähren, und setzen besonders auf gesunde Rezepte. Die probieren die beiden Gründer selbst aus und fotografieren ihre Kochsessions für die Anleitungen, die später der Kochbox beiliegen sollen. In Zukunft würden sie auch gerne mit Bloggern oder Köchen kooperieren. Jetzt muss allerdings erst mal der Online-Shop fertig werden. So sollen die Kunden zum Beispiel Produkte aussortieren können, die sie nicht mögen oder wegen einer Allergie nicht vertragen. „Schritt eins ist aber, dass die Plattform überhaupt läuft und an den Start gehen kann.“

Wie sich das Start-up entwickelt, können Sie auf www.facebook.com/allesanbord verfolgen.

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