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21:06 16.06.2016
Von Susanne Blechschmidt
„Weniger kaufen, mehr tauschen“: Charmant werben Christin Pukallus (li.) und Sophia Ewig für ihre Lose. Sie sammeln damit für einen guten Zweck. Quelle: Frank Peter
Kiel

Buntes Treiben am Donnerstag am Nord-Ostsee-Kanal. Autos werden zu Parkplätzen dirigiert, Gäste sitzen im Strandkorb vor dem Traditionssegler „Amsterdam“, während drinnen in der Bootsbauhalle von Knierim Yachtbau extravagante Rennziegen auf ihren Einsatz warten. Die Unterschiede könnten größer nicht sein. Ganz ähnlich verhält es sich mit den Gästen des ersten Start-up-Festivals Waterkant: Ein buntes Völkchen von innovativen Start-Up-Unternehmern, etablierten Geschäfts- und neugierigen Sehleuten aus ganz Schleswig-Holstein, Hamburg, Berlin, Dresden, aber auch aus Dänemark sowie einigen Versprengten aus aller Herren Länder tummelt sich in der Werkhalle, wo auch am heutigen Freitag wieder ab 15 Uhr Keynotes, Sessions und Meet Ups laufen.

Einer von der dänischen Fraktion ist Jørgen M. Clausen, Aufsichtsratsvorsitzender von Danfoss, Weltmarktführer für Wärme- und Kältetechnik. „Morning Glory“ verheißt der schwarze Spray-Schriftzug links an der Bretterwand neben dem Podium, von dem aus Clausen am Nachmittag einer großen Schar Interessierter in Turnschuhen und Strickmützen verkündet: „All companies startet from zero, innovation is neccessary“ (alle Unternehmen haben mal bei Null angefangen, Erneuerung ist nötig). Clausen weiß, wovon er spricht. 3,25 Milliarden Euro Umsatz hat seine Firma 2013 gemacht. Da bleibt was hängen. Die junge Szene hängt vorerst an seinen Lippen.

Nintendo auf dem Oma-Sofa

Von solchen Umsätzen noch entfernt, fahren die Flensburger Web- und App-Entwickler Phil-Bastian Berndt (25) und Simon Hansen (25) im Oma-Sofa ein Autorennen des Nintendo-Klassikers Mario Kart. Auf einem Röhrenfernseher, versteht sich. Sie sind „positiv überrascht von dem lässigen Flair“ in der Halle und wollen einfach mal „gucken, was sich so in der Szene tummelt“. Gleich um die Ecke etwa Produktdesigner Michael Haas (36) mit seinem „Sensing Colorspace“, einer audio-interaktiven Installation, die per Farbstift aktuelle Ereignisse aufzeichnet. So vernetzen sich Strich für Strich Geräusche der Besucher mit Musik oder dem Zischen des Getränkespenders zum Wandgemälde.

Wieder ein anderes Konzept vertreten die beiden Kommunikations-Designerinnen Sophia Ewig (30) und Christin Pukallus (28). Bei ihnen steht und fällt alles mit dem Aufmerksamkeitswert ihres knallroten Tauschomaten „Miralia“. Hier geht es nicht um Profit, sondern um sharing economy, einer brandaktuellen Form des Ausleihens von Gegenständen oder gegenseitigen Bereitstellens von Flächen. Im Mittelpunkt steht der Gedanke Gemeinschaftskonsum. Die Absolventinnen der Muthesius-Hochschule haben sich in Kiel bereits mit ihrer Werbeagentur Likadi und Sprüchen auf KVG-Bussen wie „Mein Dienstwagen hat 300 PS“ eingeführt.

Auch größere Unternehmen zufrieden

Ulrich Hausner (57) vom der WTSH ist angetan: „Ich finde das total spannend, wie sich die junge Szene trifft, um neue Ideen zu entwickeln“, sagt er. Das Konzept von Alexander Ohrt von Open Campus und Mit-Organisator für teilnehmende Start-ups wie lille Bräu oder die Lingerie Fräulein Spitz ebenso wie für etablierte Unternehmen von Citti bis zu den Kieler Nachrichten ist aufgegangen – Menschen gleicher Interessen in einer „unaufdringlichen Festivalatmosphäre zusammenzubringen“.

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