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08:00 24.01.2018
Von Anne Holbach
In Coworking-Spaces wie im Berliner Betahaus, wo flexibel gearbeitet werden kann, tummeln sich Innovatoren und tauschen sich aus. In Kiel gibt es mit der Starterkitchen oder dem Fleet 7 ähnliche Konzepte. Gründer sehen in dem Bereich noch viel Potenzial. Quelle: Ole Spata
Kiel/Berlin

Der echte Erfolg kam für das Kieler Start-up Chatshopper erst, als es der Landeshauptstadt den Rücken kehrte und nach Berlin ging. Dabei wären die Gründer Antonia Ermacora und Matthias Nannt gerne geblieben. Im April 2015 hatten sie die Idee, einen Shopping-Assistenten zu entwickeln, der den Kleiderkauf im Netz erleichtert. Chatbot Emma macht Kunden auf Anfrage Kaufvorschläge für Mode (wir berichteten). Monatelang suchte das Start-up in Kiel vergeblich nach einem Entwickler. Inzwischen arbeitet Chatshopper mit dem Online-Handelsriesen Zalando zusammen und hat fünf Investoren im Boot – Risikokapitalgeber, die in Schleswig-Holstein schwer zu finden waren.

Zu wenig risikobereite Investoren

"Es gibt wenig Business Angels, die mutig genug sind, in sehr innovative Ideen zu investieren." In Berlin gebe es dagegen deutlich mehr risikobereite Investoren, auch weil es sich bei vielen um ehemalige Gründer handele, die ihre Start-ups erfolgreich verkauft haben. "Sie geben sehr viel an das Ökosystem zurück, neben Geld natürlich auch Wissen aus erster Hand." Den fehlenden Austausch kritisiert auch Manuel Fuß. Er hat Herefox, einen 2015 in Kiel entstandenen Lokalchat, inzwischen aufgegeben. "Man hatte in Kiel viele Leute um sich herum, die in die gleiche Richtung gedacht haben", sagt er. "Nur eines fehlte, und das waren die Leute, die auch helfen können. Ziehväter, die einen anschieben."

Tech-Talente zieht es nach Berlin

Der Zugriff auf gute Leute sei im Norden schon jetzt schwierig, weil sich Tech-Talente eher in großen Metropolen fänden, sagt Alexander Graf. "Da ist teils schon Hamburg zu provinziell, ähnlich wie in den USA, wo sich die ,Brains‘ im Silicon Valley sammeln, verlagert sich in Deutschland gerade alles nach Berlin. Das trifft auch andere Städte wie Stuttgart oder Karlsruhe." Der Lindauer hat in den vergangenen fünf Jahren rund 20 Unternehmen wie Spryker Systems oder Etribes Connect gegründet und pendelt zwischen seiner Heimat bei Gettorf und den Gründerhauptstädten Hamburg und Berlin.

Neues Referat „Gründung und Digitalisierung“ im Ministerium

Konfrontiert mit der Kritik betont Wirtschaftsminister Bernd Buchholz, dass ihm das Thema sehr am Herzen liege. "Wir sind aktuell dabei, das Ökosystem zu analysieren, Defizite und Schwachstellen aufzudecken und Lösungen zu konzipieren", so der FDP-Mann. Um eine zentrale Anlaufstelle im Land zu schaffen, richtet das Ministerium im März ein eigenes Referat zum Thema "Gründung und Digitalisierung" ein.

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