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Wirtschaft Vossloh baut Kieler Lokwerk um
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20:00 27.06.2014
Von Jörn Genoux
Motorenmontage in Kiel-Friedrichsort: Derzeit arbeiten in dem Werk 360 Mitarbeiter. Wie viele Stellen wegfallen könnten, ist derzeit noch offen. Quelle: Thomas Eisenkrätzer
Kiel/Werdohl

Die „sorgfältige Analyse und Bewertung“ aller Aktivitäten des Konzerns habe gezeigt, dass es „erheblichen Handlungsbedarf in einzelnen Bereichen“ gebe, teilte Vossloh gestern mit. Neuausrichtung und die Restrukturierung dieser Bereiche werden im laufenden Jahr dazu führen, dass Vossloh voraussichtlich rote Zahlen schreiben wird. Vorstandschef Schabert rechnet mit 250 Millionen Euro Belastungen, so dass am Jahresende unterm Strich ein Verlust von 150 bis 180 Millionen Euro steht. Noch Ende April war der Konzern von einem Gewinn (EBIT/Gewinn vor Zinsen und Steuern) von 54 Millionen Euro ausgegangen. Die Gewinnwarnung überraschte die Börsenhändler: Die Vossloh-Aktie sackte deutlich ab, der Kurs lag am Nachmittag bei 58 Euro, zwölf Prozent unter dem Wert des Vortages.

 Die Restrukturierung und die Neubewertung von laufenden Projekten treffen vor allem den Bereich Transportation, zu dem auch die beiden Lokomotiven-Werke in Kiel und in Valencia gehören. Bei Vossloh Locomotives in Kiel soll das Produktspektrum verkleinert werden, kündigte Schabert in einer Telefonkonferenz am Nachmittag an: „Wir werden die Aktivitäten ausschließlich auf das Geschäft mit standardisierten Industrie- und Rangierlokomotiven ausrichten.“ Außerdem soll die Produktion der Lokomotiven noch mehr als bisher „im Baukastenprinzip mit hohem Anteil gleicher Bauteile“ erfolgen, um Kosten zu reduzieren.

 Profitieren wird das Werk in Spanien. Vossloh Rail Vehicles in Valencia wird das Projektgeschäft aus Kiel übernehmen „und verantwortet damit ab sofort auch die kundenspezifische Entwicklung von Lokomotiven sowie die Fertigung und den Vertrieb dieser Produkte“, teilte das Unternehmen mit. Das alles werde „nicht ohne Personalanpassungen gehen“, sagte Schabert. Allerdings könne er noch keine konkreten Zahlen nennen. Durch die Neuausrichtung in Kiel würden sich auch die „Marktchancen verbessern“. Das kann einen möglichen Stellenabbau eventuell abmildern. Derzeit arbeiten 360 Mitarbeiter in Friedrichsort.

 Vossloh plant außerdem den Umzug des Lokwerkes. Man prüfe die Verlagerung der Produktion an einen „deutlich moderneren und kostengünstigeren Standort innerhalb des Stadtgebietes“. Drei Standorte seien im Gespräch, sagte Schabert, der aber keine näheren Angaben machte. Eine Entscheidung soll noch im Juli fallen. Nach Informationen der Kieler Nachrichten, hat Vossloh ein Angebot für das Voith-Lokwerk am Nord-Ostsee-Kanal in der Wik abgegeben. Für einen „negativen Kaufpreis“, wie es aus Verhandlungskreisen heißt. Denn das Werk, das zum Teil der Stadt Kiel (über ihre Wirtschaftsförderungsgesellschaft KiWi) gehört, ist zwar modern, es stehen aber unter anderem an der Kaikante hohe Investitionen an. Ein weiterer Standort, der geprüft wird, ist der Business Park in Kiel-Suchsdorf, wo auch Rheinmetall und die Heidelberger Druckmaschinen tätig sind.

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