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Wirtschaft Vorhang auf für neues Flaggschiff
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09:00 04.10.2014
Von Frank Behling
Bislang streng geheim: Die erste Meko-Fregatte für Algerien ist bei HDW im Dock 7 aufgeschwommen. Quelle: Frank Behling
Kiel

Ein Kran hob das Tor zum Dock 7 und machte den Blick auf den Neubau frei, der im Unterauftrag von TKMS bei der Werft Abu Dhabi Mar Kiel gebaut wurde. ThyssenKrupp hatte 2012 von der Regierung Algeriens einen Milliarden-Auftrag zum Bau von neuen Fregatten, Werftanlagen und der Lieferung von Hubschraubern für die Marine bekommen. Das Volumen soll sich auf über eine Milliarde Euro summieren. Damit hatte der deutsche Konzern erstmals einen Großauftrag aus dem nordafrikanischen Land bekommen. Bislang hatte die algerische Marine meist in China, Russland, England und Italien Schiffe bauen lassen.

 Zwei Fregatten des Typs „Meko A200“ werden nun in Kiel gebaut. Der Werftkonzern äußert sich nicht zu dem Auftrag. Angeblich wurde dieses Stillschweigen des unter Vermittlung durch Kanzlerin Angela Merkel 2008 eingefädelten Rüstungsauftrags vertraglich zwischen Werft und Auftraggeber vereinbart.

 Zur Auftragsvergabe wurde von algerischer Seite aber 2012 mitgeteilt, dass die Schiffe je 121 Meter lang sein, 3500 Tonnen verdrängen und eine Reichweite von 7500 Seemeilen haben sollen. Die Einsatzdauer soll bei 28 Tagen liegen, die Besatzung aus bis zu 124 Soldaten bestehen. Bei der Bewaffnung hat Algerien sich für einen Mix aus deutschen, italienischen und südafrikanischen Systemen entschieden. Hauptwaffen sind acht Flugkörper deutsch-schwedischen Typs. Zum Lieferumfang gehören zwei in Kiel gebaute Fregatten und sechs Hubschrauber vom italienisch-britischen Typ „Agusta-Westland Super Lynx“. Zudem sollen algerische Soldaten bei der deutschen Marine ausgebildet werden.

 Derzeit werden auf der „Gorch Fock“ und an der Marineschule Mürwik in Flensburg algerische Offizieranwärter ausgebildet. Darüber hinaus wird TKMS Algerien möglicherweise zwei weitere Fregatten liefern und beim Aufbau einer Werft helfen. Für Algeriens Marine bedeutet die Übernahme der Meko-Fregatten einen erheblichen Qualitätssprung. Bislang stellen drei 1980 bis 1984 in St. Petersburg gebaute Fregatten des russischen Typs „Koni“ sowie drei russische Raketenkorvetten des Typs „Nanuchka II“ den Kern der Flotte. Zu der Entscheidung für den Meko-Typ sollen nach Informationen aus Werftkreisen auch die guten Erfahrungen der Marine Südafrikas mit den in Kiel gebauten Fregatten der Klasse 200 beigetragen haben. Südafrika hatte vor zehn Jahren zwei dieser Schiffe aus dem Norden erhalten.

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