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09:15 04.10.2018
Auf dem Werksgelände von Thyssen Krupp Marine Systems in Kiel: Der Werftbereich gilt als „nationale Schlüsseltechnologie“. Quelle: Frank Peter
Kiel

Jetzt ist es fast vollbracht. Auch der Aufsichtsrat von Thyssen Krupp hat der Selbstzerlegung des Konzerns zugestimmt. Ursula Gather sprach von einer „überzeugenden industriellen Logik“. Sie sitzt in dem Kontrollgremium als Chefin der Krupp-Stiftung, dem Großaktionär, der einst die Geschicke des Ruhrpott-Konzerns bestimmte.

Das Unternehmen wird in zwei sehr unterschiedliche Teile zerlegt. Erstens Thyssenkrupp Industrials: Dazu gehören die Geschäfte mit Aufzügen, mit Komponenten für die Automobilindustrie und mit der Fertigung von Großanlagen. Die andere Firma ist de facto ein Mischkonzern im Kleinformat: Unter Thyssen Krupp Materials wird der Werkstoff- und Grundstoffhandel nebst der gemeinsamen Stahl-Produktion mit dem indischen Partner Tata gehören. Der Bau von Hightech-U-Booten fürs Militär kommt noch hinzu. Die beiden erstgenannten Gesellschaften sollen börsennotiert sein.

Der U-Bootbau in Kiel ist quasi unverkäuflich

Die Werften von Thyssen Krupp dagegen sind für Finanzinvestoren ein rotes Tuch: Sie gelten als „nationale Schlüsseltechnologie“. Durch diese politische Bindung ist der U-Bootbau in Kiel beispielsweise quasi unverkäuflich.

Das könnte bald auch für den Fregattenbau gelten, der ebenfalls kurz davor ist, zur Schlüsseltechnologie zu werden. Die Werften saugen sich geradezu mit Aufträgen voll und haben ein Auftragsbuch, das Projekte mit einem Zeithorizont bis fast 2030 umfasst.

Andere Bereiche des Konzerns, wie der Bau von Aufzügen, die Teilezulieferung für die Automobilindustrie oder Großanlagenbau für Kernkraftwerke sind hingegen auf dem Börsenparkett besser handelbar.

Dem Druck der Finanzinvestoren nachgegeben

Dennoch: Der Aufspaltung liegt keine von langer Hand geplante Strategie zugrunde. Vielmehr hat der bisherige Interimschef Guido Kerkhoff dem massiven Druck der Finanzinvestoren Cevian und Elliott nachgegeben. Die beiden Aktionäre haben in den vergangenen Monaten vehement die Zerschlagung des Konglomerats gefordert.

Schließlich lenkte Kerkhoff ein. Der Befreiungsschlag ist gelungen. Arbeitnehmervertreter und auch Elliott und Cevian haben der Aufspaltung zugestimmt. Und Kerkhoff wurde mangels Alternativen zum Vorstandschef auf Dauer ernannt. Das soll er zumindest bis zum Frühjahr 2020 bleiben.

Und die industrielle Logik? Die ergibt sich nach Ansicht von Branchenkennern vor allem für die beiden Finanzinvestoren. Denn die gehen davon aus, dass die Teile des bisherigen Konzerns wertvoller als das Konglomerat als Ganzes sind. Und dabei haben sie insbesondere die Aufzugssparte im Blick, die von großer Nachfrage profitiert.

Von Frank-Thomas Wenzel und Frank Behling

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