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Wirtschaft Veraltete Heizungen: Wie die deutsche Wärmewende scheitert
Nachrichten Wirtschaft Veraltete Heizungen: Wie die deutsche Wärmewende scheitert
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06:40 12.03.2019
Alte ausrangierte Heizkörper liegen nach einer Gebäude-Sanierung in einem Innenhof. Quelle: Daniel Karmann/dpa
Frankfurt

Das riesige Potenzial der Wärmewende ist unbestritten. Doch die Umsetzung kommt nicht voran. Der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) schätzt, dass derzeit noch zwölf Millionen veraltete Heizungen zwar für wohlige Wohnverhältnisse sorgen, aber auch für hohe CO2-Emissionen.

Eigentlich müssten sie so schnell wie möglich durch Anlagen ersetzt werden, die mit sogenannter erneuerbarer Wärme arbeiten. Denn die Klimaziele der Bundesregierung bedeuten auch, dass 2050 beim Heizen und bei Warmwasser fast vollständig auf fossile Energieträger verzichtet werden soll. Die Wärmewende ist denn auch eines der zentralen Themen der ISH in Frankfurt (11. bis 15. März), die von den Organisatoren als Weltleitmesse für Wasser, Wärme und Klima bezeichnet wird.

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Die aktuelle Lage: Laut BDH arbeiten 85 Prozent der 2018 neu installierten Heizanlagen mit Öl oder Gas. Auf 11,5 Prozent Marktanteil kommen Wärmepumpen, die eine potenziell klimafreundliche Alternative darstellen, da sie mit Öko-Strom arbeiten können.

Der Grund für das Ungleichgewicht ist bei Gebäuden, die schon vor Jahrzehnten gebaut wurden, simpel: Je älter und je weniger sie gedämmt sind, umso größer muss die Wärmepumpe dimensioniert sein. Wird sie dann auch noch mit Photovoltaik auf dem Dach und einer Batterie im Keller kombiniert, ist die Anlage für ein Einfamilienhaus grob gerechnet mehr als doppelt so teuer wie eine moderne Gasheizung.

Wärmewende? Fehlanzeige!

Doch auch bei Neubauten ist Erdgas als Energiequelle erste Wahl. Der BDH hat denn auch kürzlich seine Jahreszahlen für 2018 mit der resignativen Zeile „Wärmewende? Fehlanzeige“ überschrieben. BDH-Präsident Uwe Glock macht zudem darauf aufmerksam, dass die Erneuerung nur langsam vorankomme. Rund 600.000 alte Anlagen seien im vergangenen Jahr ausgetauscht worden, was in etwa den Erneuerungsraten der Vorjahre entspricht. Bei diesem Tempo würde allein der Austausch alter Brenner bis 2040 dauern – und damit nicht zu den Klimazielen passen.

Denn es geht um einen gigantischen Endenergiebedarf von insgesamt fast 800 Terawattstunden (TWh) für Raumwärme und Warmwasser (die Stromerzeugung macht insgesamt nur 520 TWh aus). Dieser Wert muss sinken, um die Wärmewende zu schaffen, da sind sich die Experten einig. Die Energieeffizienz muss also steigen. So hat die Agentur für Erneuerbare Energien kürzlich herausgearbeitet, dass der Endenergiebedarf bis 2050 auf gut 400 Terawattstunden halbiert werden muss. Neben neuen Heizanlagen geht es auch um bessere Dämmung, Fenster mit dickem Glas, rundum optimierte Prozesse auch in Fabriken, bei Handel und Gewerbe.

Gebäudeenergiegesetz kommt nicht voran

Die Umsetzung von all dem lässt sich indes sehr schwer an. Schon 2017 wollte die Bundesregierung ein Gebäudeenergiegesetz (GEG) vorlegen, das bestehende Regelungen zusammenfasst und auf den neuesten Stand bringt. Daraus wurde nichts, das GEG wurde vertagt. Seit November 2018 kursieren Entwürfe, an denen es aber Kritik gibt. Tenor: nicht durchdacht genug.

Um die Dinge dennoch voran zu bringen, wollte die Regierung analog zum Kohleausstieg eine Expertenkommission zur „Zukunft der Gebäude“ einsetzen. Doch der Plan wurde Ende Februar überraschend fallen gelassen. Die Abkehr von der Kommission enthebe die Regierung nicht der Verantwortung, Lösungen für den Klimaschutz im Gebäudesektor vorzulegen, mahnt beispielsweise Holger Lösch vom Bundesverband der Deutschen Industrie. Würde die Regierung ihre Klimaziele ernst nehmen, „müsste Deutschland seine Gebäude ab sofort annähernd doppelt so schnell sanieren wie heute“.

Von Frank-Thomas Wenzel/RND

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