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Vermittlungsgespräche gescheitert

Windmessen-Streit Vermittlungsgespräche gescheitert

Der Standortstreit zwischen Hamburg und Husum eskaliert. Kurz vor der Eröffnung der Windenergiemesse sind die Vermittlungsgespräche vorerst gescheitert.

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Mit einem umstrittenen Plakat hatte Hamburg in Husum geworben.

Quelle: dpa

Husum. Das gaben das Kieler Wirtschaftsministerium und der von Schleswig-Holstein und Hamburg beauftragte Mediator, UVNord-Präsident Uli Wachholtz, am Sonntag bekannt. Damit gehe Kiel davon aus, dass 2014 nicht nur in Husum sondern auch in Hamburg eine Windmesse stattfinde, sagte der Kieler Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD).

Meyer bedauerte, dass die Gespräche gescheitert seien. Es habe ein Einigungsvorschlag auf dem Tisch gelegen, der eine sehr weitgehende Kooperation vorsah. Für diese Einigung wäre Husum auch bereit gewesen, bis an die Schmerzgrenze zu gehen. Die Messe Hamburg sei aber am Ende nicht zu diesem Kompromiss bereit. „Das ist kein guter Tag für die norddeutsche Zusammenarbeit“, sagte der Minister.

Zu der Messe werden ab Dienstag 36 000 Besucher aus rund 90 Nationen in der Kleinstadt erwartet. Rund 1200 Aussteller zeigen alles rund um die Windenergie: Kraftwerke und Komponenten, Dienstleistungen und Zulieferungen, Finanzierung und Forschung. Was vor 23 Jahren als regionales Treffen von Landwirten in der Husumer Viehauktionshalle begann, ist ein globales Ereignis geworden. Das besondere Flair, den Geist von Husum, loben und schätzen die Besucher aus aller Welt.

Die Husumer haben sich mächtig ins Zeug gelegt, um den Erfolg der Messe zu sichern. Sieben Leichtbauhallen stehen dort, wo sonst Pferde weiden, 6900 Parkplätze für die Autos der anreisenden Besucher sind hergerichtet. Der Vorteil der Messe ist vor allem der Standort inmitten eines Hotspots der Windenergie. In 60 Kilometer Umkreis stehen rund 1400 Windkraftanlagen aller Art und können im Praxisbetrieb besichtigt werden: Ein einziger großer Showroom.

Doch die Lage der Husumer Messe ist deutlich schwieriger geworden. Ein Teil der Branche wünscht sich schon länger einen Umzug nach Hamburg. Am Sonntag wurde nun bekannt, dass die Vermittlungsgespräche zwischen Hamburg und Husum über den Standort der Windmesse gescheitert sind. Damit wird es wohl 2014 zwei konkurrierende Messen geben.

Am Dienstag wird sich Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) wohl kritische Fragen anhören müssen, wenn er die Messe gemeinsam mit dem schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Torsten Albig (SPD) eröffnet. Der Minister hatte vor kurzem darüber nachgedacht, ob es nicht ratsam sei, beim Ausbau der Windenergie auf die Bremse zu treten. Weil zu viele Anlagen ihren Strom wegen Engpässen im Stromnetz sonst möglicherweise gar nicht abliefern könnten. Die ehrgeizigen Ziele der Bundesregierung für den Ausbau der Windenergie auf See sind nach Einschätzung von Experten ohnehin nicht mehr erreichbar. Bis 2020 hat die Regierung eine Offshore-Leistung von 10 000 Megawatt eingeplant, erreichbar sind wohl bestenfalls 8500 Megawatt.

Die Verzögerungen bei der Netzanbindung in Deutschland und eine weltweite Wachstumsdelle sind weitere Gesprächsthemen auf der Messe. Insgesamt werden der Branche aber weltweit gute Chancen für die Zukunft eingeräumt. Das nächste Branchentreffen 2014 dürfte nochmals größer werden — in Husum oder Hamburg.

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Stein des Anstoßes: Ein Plakat, das nach Hamburg einlud.

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