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21:34 03.06.2016
Von Frank Behling
Richtfest am Bürogebäude für den Neubau der Firma Vossloh. Auf 18.000 Quadratmetern entsteht Europas modernstes Lokomotiven-Werk in Kiel-Suchsdorf. Quelle: Frank Behling
Kiel

Sie sind kantig, haben einen kräftigen Motorensound und sind keine Leichtgewichte. Diese Gemeinsamkeiten teilen Kampfpanzer und Diesellokomotiven. Demnächst rücken diese beiden Kieler Produkte zusammen. Damit bekommt der bis 1923 in Kiel zurückreichende Bau von Schienenfahrzeugen eine neue Adresse. Bislang fertigte die Firma in Friedrichsort, wo im einstigen Werk der Krupp MaK tausende Diesellokomotiven gebaut wurden.

Der Aufbruch in den Gewerbepark in Suchsdorf hatte Gründe. „Die Durchlaufzeit kann hier drastisch verringert werden. Die Gabelstapler benötigen beispielsweise nur noch zehn Prozent der Wege. Wir setzen hier Maßstäbe bei der Lokproduktion“, begründete Vossloh-Vorstand Hans M. Schabert den Aufbruch in die neue Heimat. Vom Reißbrett hat die französische Stargime-Gruppe als Bauherr die Fabrik zusammen mit Vossloh entworfen. Stargime investiert als europaweit tätiges Immobilienunternehmen 35 Millionen in den Bau. Vossloh investiert neun Millionen.

Kämpfer: "Was immer wir tun können, tun wir"

Diese Entwicklung am Standort wurde auf dem Richtfest besonders hervorgehoben. „Die Investition ist eine gute Möglichkeit, den Standort Kiel weiterzuentwickeln. Die Industriepolitik ist eine der Stärken, die wir hier haben“, sagte Staatssekretär Ralph Müller-Beck, Bevollmächtigter des Landes beim Bund. „Was immer wir tun können, tun wir. Fliegen muss das Projekt jetzt aber mit den Menschen, die hier arbeiten“, sagte Oberbürgermeister Ulf Kämpfer.

340 Mitarbeiter sollen im vierten Quartal vom alten Standort in Friedrichsort nach Suchsdorf umgesiedelt werden. Bis zu 40 Lokomotiven sollen pro Jahr die Hallen dort verlassen. Durch die Optimierung der Bauabläufe und ein neues Plattformkonzept soll die Bauzeit für eine Lok von heute 18 auf dann sechs Monate reduziert werden. So gibt es beispielsweise im Suchsdorfer Werk keine Außenwege mehr. Alles wird in den Hallen montiert. Als Polier Werner Platzhoff am Freitag den Richtspruch vom Gerüst rief, waren auf der anderen Seite bereits die Schienenanschlüsse gelegt. Das neue Werk wird über eine Gleisstrasse mit dem Bahnhof Suchsdorf verbunden.

Und mit den Kampfpanzern in der Nachbarschaft von Rheinmetall Defence ist das Werk schon jetzt vertraut. Immerhin waren die Panzer früher auch in Friedrichsort. Und gar nicht weit entfernt ist ja auch das zweite große Lokwerk von Voith im Kieler Nordhafen. Es wurde vor fast genau zehn Jahren im Sommer 2006 eingeweiht.

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