Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Wirtschaft Die unterirdische Suche nach Lösungen
Nachrichten Wirtschaft Die unterirdische Suche nach Lösungen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:00 29.11.2017
Von Anne Holbach
Sebastian Bauer (li.) und Andreas Dahmke sprachen an der Universität Kiel über unterirdische Wärmespeicher. Quelle: Uwe Paesler
Kiel

"Meine Vision für mittelgroße Städte ist, dass wir keine oder nur noch in Ausnahmefällen Öl- oder Gasbrenner haben, sondern sehr viele Wärmepumpen", sagte Geologie-Professor Andreas Dahmke gestern auf einem Fachsymposium zu Energiespeicherung im Boden. "Wenn wir die Energiewende hinkriegen wollen, dann brauchen wir saisonale unterirdische Speicher." Gerade im Sommer existierten in Städten viele potenzielle Wärmequellen. Energie, die verloren geht, wenn man sie nicht in den Winter rettet. Dahmke verwies neben der klimapolitischen auf die ökonomische Komponente solcher Speicher: Der Gaspreis werde nicht immer so niedrig bleiben wie im Moment.

Kieler Forschungsprojekt Angus

Die Speicher unter der Erde sollen über einen geschlossenen Wasserkreislauf verfügen und wie große Wärmetauscher funktionieren. Das Kieler Forschungsprojekt Angus, an dem auch Unis in Flensburg und Mainz sowie das Helmholtz-Zentrum in Leipzig beteiligt sind, erforscht unter anderem die Auswirkungen der Speicher auf die Umwelt und welche Dimensionen sie haben müssen. Sie könnten in den oberen 200 Metern des Bodens errichtet werden, erklärte Professor Sebastian Bauer. Um eine ganze Stadt zu versorgen, müssten sie etwa fünf bis zehn Prozent des unterirdischen Nutzungsraums einnehmen.

"Wir dürfen uns nicht nur darauf konzentrieren, die Menge der erneuerbaren Energien und Stromnetze auszubauen", betonte Energiewende-Minister Robert Habeck (Grüne). Es sei wichtig, die Stromwende mit Wärme, Verkehr und Industrie zu verzahnen. Weil die Nutzung an der Oberfläche an Grenzen stoße, sei es richtig, den Blick unter die Erde zu richten. Im Unterschied zu Fracking oder der Speicherung von Kohlendioxid im Boden, die sehr kritisch gesehen werden, erwartet Habeck kaum Akzeptanzprobleme. Laut Minister schauen schon einige Städte auf die Möglichkeiten der unterirdischen Speicher. In Kiel und Flensburg seien solche Projekte durchaus möglich.

In zehn bis 15 Jahren im großen Stil

Der Abschied vom fossilen Bereich müsse bis spätestens 2050 geschafft sein, sagte Professor Olav Hohmeyer von der Uni Flensburg. "Ab einem gewissen Anteil von regenerativen Energiequellen wie Wind und Sonne brauchen wir dringend Speicher." Seiner Ansicht nach spätestens bei 60 Prozent. Stadtwerke und Versorger sollten sich früh damit befassen, denn je dringlicher, umso teurer werde es. "Wir brauchen jetzt Demonstrationsprojekte, damit wir in spätestens zehn bis 15 Jahren im großen Stil solche Anlagen bauen können", forderte Bauer.

Laut den Forschern hätten sich viele befürchtete Auswirkungen auf die Umwelt als minimal erwiesen. So könne es durch das erwärmte Erdreich zu geringfügigen Änderungen in der Mikrobiologie kommen, auch die Temperatur des Grundwassers steige leicht. "Das ist per se nichts Schädliches", so Dahmke. "Aber das müssen wir kontrollieren."

Das Angus-Projekt läuft seit dem Jahr 2013, derzeit wird es vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie bis Ende 2020 mit 6,6 Millionen Euro gefördert.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Wirtschaft Datenschutz verbessert - Eine App als Finanzberater

Finanz-Apps könne nicht nur den Kontostand abfragen und Überweisungen ausführen. Künftig dürfen sie auch Ausgaben analysieren und individuelle Angebote machen. Jetzt bessert die EU-Kommission beim Datenschutz nach.

29.11.2017

Schweden will in Zukunft unabhängig von fossilen Energieträgern sein. Doch anstatt nur auf Wind- oder Sonnenenergie zu setzen, zeigen sich die Skandinavier kreativ: Ein Kraftwerk verbrennt Klamotten des Modegiganten H&M, um Strom zu erzeugen.

28.11.2017

Wegen Untreu und Beihilfe zum Bankrott sollten die Schlecker-Kinder eigentlich zwei Jahre in Haft. Doch am Dienstag legten Meike und Lars Schlecker Revision gegen dieses Urteil ein.

28.11.2017