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Wirtschaft Wie die Deutsche Bahn pünktlicher werden will
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16:23 12.01.2019
Voll Gleise am Frankfurter Hauptbahnhof (Archivfoto). Quelle: Boris Roessler/dpa
Berlin

Endlich pünktlich, endlich genug Personal. Das ist das Ziel. Bahn-Chef Richard Lutz plant einen großen Umbau des Konzerns, um das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen. Doch es gibt hohe Hürden. Am Dienstag muss er zum Rapport zu Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU).

Wenn Lutz im Verkehrsministerium vorfährt, hat er das Strategiepapier „Agenda für eine bessere Bahn“ in seiner Tasche. Im Bahnvorstand haben sie eine schonungslose Analyse ihres Unternehmens vorgenommen – und einen Plan entwickelt, um die größten Missstände zu beseitigen. Dazu gehört auch der Verkauf einer großen Auslands-Tochter, wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet.

Im Vergleich zu 1994, dem Jahr der letzten großen Reform, hat die Bahn viele Kunden dazugewonnen: Die Passagiere legten 2018 mehr als 1,3 Milliarden Kilometer zurück – 40 Prozent mehr als 1994. Allerdings tun sie das auf nur notdürftig in Stand gehaltenem Schienen-Netz, das auch noch um 16 Prozent geschrumpft ist. Es fehlt an Zügen. Und es fehlt an Personal.

Verkauf der Tochter „Arriva“ soll Geld in die Bahn-Kasse spülen

Über Jahre plante die Bahn nicht nach Bedarf, sondern nach dem angepeilten Gewinn. Dazu kommen „zu viele Unternehmenseinheiten mit Silodenken und einem zu großen Wasserkopf“, wie Aufsichtsrats-Vize Alexander Kirchner sagt. „Das System ist an seinen Grenzen angekommen. In seiner heutigen Form ist das Unternehmen nicht überlebensfähig“, so Kirchner, der auch Chef der Eisenbahngewerkschaft EVG ist.

Aber woher soll das Geld kommen, um in neue Strukturen zu investieren? Bereits im Jahr 2014 hatte die Große Koalition der Bahn eine einmalige Finanzspritze von 2,4 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt, um die Probleme zu lösen. Geändert hat sich nur wenig.

Nun will die Bahn selbst für einen dicken Batzen Geld sorgen: Der Verkauf der britischen Bahn-Tochter „Arriva“ soll bis zu vier Milliarden Euro in die Kasse spülen. Doch der Plan von Lutz, dessen Eltern bereits für das Unternehmen arbeiteten, ist nicht ohne Risiko. Denn das „Arriva“ ist eine der wenigen Töchter, die Gewinn erwirtschaften. Und womöglich noch schlimmer für die Bahn: Sollte beispielsweise die französische Staatsbahn SNCF den Zuschlag für das Unternehmen erhalten, könnte sie auch auf dem deutschen Markt aktiver und damit zur Konkurrenz werden.

Umbau-Pläne die letzte Chance für Bahn-Chef Lutz?

Im Berliner Verkehrsministerium wartet man gespannt auf die Umbau-Pläne des Bahnvorstands. Bis Sommer hat Minister Scheuer Lutz & Co. intern noch eine Schonfrist zugestanden. Bis dahin, so heißt es im Ministerium, müsse die Bahn bessere Zahlen liefern. Sonst werde es personelle Konsequenzen geben.

Auch SPD-Fraktions-Vize Sören Bartol verlangt von der Bahn mehr Service und größere Pünktlichkeit. Diese Voraussetzungen müssten erfüllt sein: „Dann ist die SPD bereit, der Deutschen Bahn mehr Mittel für den Erhalt und die Digitalisierung der Schienenwege zur Verfügung zu stellen“, so Bartol.

Die Umbau-Pläne sind also womöglich die letzte Chance für Lutz. Doch Kirchner glaubt nicht an eine rasche Wende zum Guten: „Der Zustand der Bahn ist katastrophal. Das Problem lässt sich nicht schnell lösen.“

Von Christian Burmeister/RND

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