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Wirtschaft Comeback des Zweiflüglers
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20:36 09.02.2015
Von KN-online (Kieler Nachrichten)
Zwei Flügel sind bei Windkrafträdern immer noch eine Alternative. Quelle: Arntzen
Husum

Ende Januar gelang Skywind aus Büdelsdorf im Windtestfeld südlich von Husum zum ersten Mal die Montage eines selbstentwickelten kostengünstigen 3,4-Megawatt-Zweiflüglers in 140 Meter Nabenhöhe. Und zwar ganz ohne Kran. „Wir konnten das am Boden komplett vormontierte Maschinenhaus mit dem zweiflügeligen Rotor bei einer Windstärke bis zu 15 Metern pro Sekunde problemlos hochziehen“, sagte Frank Richert, Geschäftsführer von Skywind, erleichtert kurz nach der gelungenen Premiere. Mehrere Jahre Entwicklungsarbeit steckten er und sein Team in diese weltweit bisher einmalige Montage-Methode, bei der die 160 Tonnen schwere Gondel allein mit Seilwinden auf die Turmspitze gehoben wird. Von der neuen Installationstechnik erhoffen sich die Entwickler von Skywind, eine Tochter der GEO GmbH aus Langenhorn (Kreis Nordfriesland), erhebliche Kostenvorteile gegenüber der konventionellen Aufstellungslogistik.

 Dabei bedingen sich das „Winden-Hebesystem“ und der Zweiflügler: „Unsere Technik funktioniert nur mit zweiflügeligen Anlagen, weil die waagerecht hochgehoben und auf den Turm aufgesetzt werden können“, erklärt Richert. „Wir bieten damit ein Gesamtkonzept an, bei dem wir die Kosten der Windstromerzeugung deutlich senken wollen.“ Aus seiner Sicht ist eine wirtschaftliche Stromproduktion bei fünf Cent pro Kilowattstunde an Land möglich, auf dem Meer sei ein Betrieb bei unter zehn Cent wirtschaftlich denkbar. Nicht nur deshalb sieht Skywind vor allem im Offshore-Bereich einen potentiellen Markt für die Neuentwicklung, da die Nachteile des Zweiflüglers – er ist lauter als ein Dreiflügler und in der Gesamterscheinung weniger harmonisch – auf dem Meer weniger ins Gewicht fallen.

 Doch bevor es zum Einsatz auf hoher See kommt, wird der 3,4-MW-Prototyp in den nächsten Monaten im Husumer Testfeld erst noch ein Probe- und Testprogramm durchlaufen. Wenn alles gut geht, will man schon Ende Februar Strom ins Netz einspeisen, den der Mitgesellschafter des Testfeldes, die Stadtwerke Husum, ihren Kunden zukünftig als Grünstrom anbieten will. Dabei ist das Comeback des Zweiflüglers nicht nur in Husum zu beobachten; parallel dazu arbeitet die Rendsburger aerodyn Energiesysteme GmbH an der Entwicklung eines 8-MW-Offshore-Zweiflüglers und Envision aus Shanghai hat eine 3,6-MW-Anlage in petto.

Von Dierk Jensen

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