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Wirtschaft Amazon will Rendite retten
Nachrichten Wirtschaft Amazon will Rendite retten
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10:42 02.08.2013
Von Jan von Schmidt-Phiseldeck
Paketflut durch boomenden Online-Handel: Verbraucher können bestellte Ware innerhalb von 14 Tagen wieder zurückschicken. Für die Unternehmen entstehen dadurch allerdings teilweise erhebliche Kosten. Quelle: dpa
Kiel

Laut einer Studie des Forschungsinstituts Ibi Research an der Universität Regensburg fallen pro Retoure Kosten von etwa 20 Euro an. Kosten, die die kalkulierte minimale Umsatzrendite gefährden, die etwa bei Amazon nach eigenen Angaben bei gerade einmal einem Prozent vor Steuern liegen sollen.

 Den drastischen Weg der Kontensperrungen (wir berichteten gestern) begründet Amazon-Sprecherin Christine Höger trotz differenzierter Anfrage nur mit einer Standardantwort: „Amazon.de ist eine Website für Verbraucher, also Personen, die haushaltsübliche Mengen bestellen. Maßnahmen wie eine Kontoschließung nehmen wir nur in Ausnahmefällen nach eingehender und umfassender Prüfung vor, wenn eindeutig feststeht, dass bei dem betroffenen Konto kein Einkaufs- und Retourenverhalten eines Verbrauchers vorliegt.“

 Ob eine solche Sperrung gegen das Wettbewerbsrecht (§ 4, Nr.1) verstößt, will jetzt die Verbraucherzentrale Kiel prüfen: „Kunden dürfen nicht durch Druck in ihrer Entscheidungsfreiheit beeinflusst werden – eine drohende Kontenschließung könnte dies aber sehr wohl bewirken“, sagt Julia Buchweitz, Rechtsreferentin der Verbraucherzentrale in Kiel. Von Sperrungen will Deutschlands größter Online-Modehändler Zalando („Schrei vor Glück oder schick’s zurück“) nichts mehr wissen. Hatte das 2008 in Berlin gegründete Unternehmen (Umsatz 2012: 1,15 Mrd. Euro, mehr als 1000 Mitarbeiter) noch Anfang des Jahres versucht, Viel-Rücksender per E-Mail umzuerziehen, geht es jetzt andere Wege. „Unsere Retourenquote liegt bei 50 Prozent“, sagt Sprecherin Kristin Dolgner, „das ist aber kein Problem, sondern ein Serviceversprechen.“ Das Unternehmen „will jedoch daran arbeiten“, Fehlbestellungen mit möglichst umfassenden Produktinformationen zu vermeiden. Vom kostenlosen (Rück-)Versand für den Kunden sowie 100-tägigem Rückgaberecht möchte Zalando auf Anfrage unserer Zeitung auch nach gesetzlicher Neuregelung des Widerrufsrechts nicht abrücken.

 Laut EU-Verbraucherrichtlinie, die in deutsches Recht umgesetzt am 13. Juni 2014 in Kraft treten soll, muss der Käufer künftig die Rücksendekosten tragen – wenn der Händler nicht darauf hinweist, diese zu übernehmen. Das will auch der Online-Versandhändler Otto weiter so handhaben: „Retouren gehören zum Geschäftsmodell und sind eine wichtige Serviceleistung für unsere Kunden. Wir wollen daran auch in Zukunft nichts ändern“, betont Sprecherin Astrid Grosch.

 76 Prozent der Online-Händler wollen übrigens laut aktueller Regensburger Ibi-Studie von ihrem Recht Gebrauch machen, ihren Kunden die Rücksendekosten aufzubürden. Vielleicht als Reaktion auf ein weiteres Studienergebnis: Vier von zehn Kunden kalkulieren beim Kauf eine Rücksendung bereits bewusst mit ein – ganz im Sinne von Elvis Presley.

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