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Wissen Bibelmuseum: Experten entlarven Ausstellungsstücke als Fälschung
Nachrichten Wissen Bibelmuseum: Experten entlarven Ausstellungsstücke als Fälschung
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14:10 24.10.2018
Das „Museum of the Bible“ in Washington. Quelle: Jacquelyn Martin/AP/dpa
Washington

Die Zweifel gab es schon lange. Bereits als das Bibelmuseum in Washington im Beisein des frommen Vizepräsidenten Mike Pence mit großen Gepränge öffnete, fragten Experten, ob die wichtigste Sammlung in dem 500-Millionen-Dollar-Bau überhaupt echt sei – eine Reihe angeblicher Schriftrollen vom Toten Meer. Knapp ein Jahr später muss das Museum eine schmerzliche Wahrheit bekennen: Mindestens fünf der 16 Fragmente sind gefälscht, wie eine Überprüfung der deutschen Bundesanstalt für Materialforschung (BAM) ergab.

Die als Schriftrollen vom Toten Meer bekannten Stücke sind eine Sammlung antiker jüdischer Texte, die Mitte der 1940er Jahr in Höhlen in Qumran an der Westküste des Toten Meeres entdeckt wurden. Der größte Teil der mehr als 900 hebräischen Dokumente und 50.000 Fragmente stammt vermutlich aus der Zeit Jesu und wird von der israelischen Altertumsbehörde streng kontrolliert. Doch um 2002 tauchten plötzlich neue Dokumente auf und kamen in den Handel.

Untersuchung mit 3D-Mikroskopie

Forscher zeigten sich skeptisch und warnten, die Fragmente seien wie gemacht für evangelikale Christen in den USA, die solche Rollen äußerst schätzten. Angesichts von Zweifeln beauftragte das Museum den Experten Kipp Davis, seine Fragmente genauer zu untersuchen. Dieser schrieb 2017, Qualität und Technik der Schrift sowie Zustand und Zusammensetzung des Materials, auf dem sie geschrieben ist, machten es sehr wahrscheinlich, dass mindestens sieben Fragmente moderne Fälschungen seien.

Das Museum schickte deshalb fünf Fragmente an das BAM, das sie unter anderem mit 3D-Mikroskopie, Röntgenspektroskopie und Röntgenfluoreszenz analysierte. Die dabei festgestellten Merkmale widersprächen einem antiken Ursprung der Stücke, erklärte das Museum und kündigte an, die Stücke nicht mehr auszustellen.

Predigerseminar kaufte „antike“ Schriftrollen für Millionen

Das trifft nicht nur das Museum selbst. Ein baptistisches Predigerseminar in Texas und eine evangelikale Hochschule in Kalifornien hatten Millionen ausgegeben, um angebliche antike Schriftrollen zu kaufen. Auch die fromme Unternehmerfamilie Green aus Oklahoma kaufte eifrig Überreste von Texten, die noch Jesus selbst in der Hand gehabt haben könnte.

Die Greens sind mit einer Kette von amerikanischen Kunsthandwerksgeschäften reich geworden und gehören zu den wichtigsten Unterstützern des Bibelmuseums. Das US-Justizministerium hat ihnen vorgeworfen, Tausende im Irak und anderswo geplünderte und geschmuggelte Artefakte aufgekauft zu haben. Im vergangen Jahr gaben die Greens diese Stücke zurück und zahlten drei Millionen Dollar (2,6 Millionen Euro) Strafe.

Das Bibelmuseum gewann der Sache doch noch eine positive Seite ab. „Dies ist eine Möglichkeit, die Öffentlichkeit darüber aufzuklären, wie wichtig es ist, die Echtheit seltener biblischer Artefakte zu prüfen“, erklärte Chefkurator Jeffrey Kloha. Das Museum fühle sich der Transparenz verpflichtet und halte sich als Bildungseinrichtung an Richtlinien zur Pflege, Erforschung und Darstellung von Sammlungen.

Von AP/RND

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