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Wissen Cannabis: Schon einmaliges Kiffen kann Hirn von 14-Jährigen schädigen
Nachrichten Wissen Cannabis: Schon einmaliges Kiffen kann Hirn von 14-Jährigen schädigen
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19:00 14.01.2019
Die Studie zeigt, welche folgen der Konsum von Cannabis, beispielsweise in Form eines Joints, haben kann (Archivfoto). Quelle: Daniel Karmann/dpa
München/Innsbruck/Hamburg

Über kaum eine illegale Droge wird in diesen Zeiten so viel diskutiert, wie über Cannabis. Während das Kraut beispielsweise in den Niederlanden selbstverständlich geraucht und gegessen wird, ist es in Deutschland nach wie vor umstritten und verboten – bis auf eine Ausnahme: Seit März 2017 dürfen Cannabis-Arzneien bei ärztlichen Therapien und bei Patienten mit schweren Erkrankungen eingesetzt werden.

Abseits dieser Teil-Legalisierung wird die Droge in Deutschland weiterhin illegal konsumiert, und das oft schon in sehr jungen Jahren. Eine internationale Forschungsgruppe, an der auch deutsche Wissenschaftler beteiligt sind, hat nun erstmals die Veränderungen im Gehirn bei 14-Jährigen untersucht, die ein bis zweimal Cannabis konsumierten. Verglichen wurden diese 46 Probanden mit einer gleichgroßen Kontrollgruppe, in der die Jugendlichen kein Cannabis konsumierten.

Kleinhirn und Hippocampus betroffen

Das Ergebnis ist beunruhigend: Obwohl die Probanden die Droge nur ein oder zweimal ausprobierten, zeigte sich bereits mehr graue Substanz im Gehirn als in der Kontrollgruppe. Die betroffenen Bereiche befanden sich in Regionen, wie dem Kleinhirn und dem Hippocampus, der für die Steuerung der Affekte und vor allem dem Gedächtnis dient. Diese Bereiche werden mit dem sogenannten Endocannabinoid-System in Verbindung gebracht, welches über Rezeptoren für die Wirkstoffe des Hanfes verfügt. Einfach ausgedrückt: Im menschlichen Nervensystem befinden sich Cannabinoid-Rezeptoren, an denen die Wirkstoffe aus der Cannabispflanze andocken können.

In der Studie werden die Hirnveränderungen auch mit Veränderungen im Verhalten der Jugendlichen in Verbindung gebracht: Diese zeigten später Symptome einer Angststörung. Dieser Zusammenhang sei allerdings mit Vorsicht zu sehen.

Cannabiskonsum der Probanden wurde nicht geprüft

Eva Hoch vom Klinikum der Universität München und Leiterin der Forschungsgruppe Cannabinoide, die nicht an der Studie beteiligt war, sieht Schwächen an der Arbeit: „Die Angaben der jugendlichen Probanden zu ihrem Cannabiskonsum basieren auf Selbstaussagen.“ Um das auch wirklich zu bestätigen, „wären Drogenscreenings sinnvoll gewesen“, so die Doktorin gegenüber dem Science Media Center.

Viele Bezeichnungen, eine Pflanze

Cannabis ist nichts weiter, als die lateinische Bezeichnung für Hanf. Häufig wird das Wort jedoch für sämtliche Hanfpflanzen und THC-haltige Produkte der Pflanze benutzt. Die einzelnen Bestandteile des Hanfes lassen sich wie folgt unterscheiden:

Marihuana Mit Marihuana oder auch Gras sind die getrockneten Blüten der weiblichen Hanfpflanze gemeint. Diese Blüten wiederum haben kleine Drüsenhaare an denen das Harz der Pflanze sitzt. Diese Substanz enthält hohe Konzentrationen von THC, CBD und weiteren Cannabinoiden.

Haschisch Damit ist das gesammelte und oft auch gepresste Harz der Hanfpflanze gemeint. Dieses Harz wird allerdings nicht nur von den Blüten gewonnen, sondern auch von den Blättern.

THC (Tetrahydrocannabinol) Dieses pflanzliche Cannabinoid ist psychoaktiv. Kurz gesagt bewirkt dieses Cannabinoid Verhaltensänderungen bei den Konsumenten, das sogenannte „High sein“. Am niedrigsten ist der Gehalt bei Marihuana, am höchsten im Cannabisöl.

CBD (Cannabidiol) Das Cannabinoid wirkt den Effekten von THC entgegen. Es ist kaum psychoaktiv, vielmehr wirkt es entzündungshemmend, angstlösend, entkrampfend und ist wirkungsvoll gegen Übelkeit, weshalb dieser Wirkstoff nun auch legal in der Medizin eingesetzt werden kann.

Laut Hoch fehlen auch Informationen über Inhalt und Dosis des konsumierten Cannabis. Das betreffe vor allem das THC-CBD-Verhältnis. In den vergangenen zehn Jahren haben sich die Anteile der beiden Wirkstoffe in den Cannabisprodukten stark verändert, weshalb das Verhältnis bei den Probanden für die Studie nicht unerheblich ist.

Demnach ist der Anteil von THC international deutlich angestiegen, CBD ist dagegen nur noch minimal vorhanden. „Welche längerfristigen, gesundheitlichen Risiken diese stark THC-haltigen Produkte vor allem für junge Konsumenten haben, sollte dringend weiter erforscht werden“, sagt die Medizinerin.

Früh mit Aufklärung beginnen

Trotz der Defizite signalisiere die Studie ganz klar, „dass früh mit der Aufklärung über die Wirkung von bewusstseinsverändernden Substanzen, wie Alkohol, Tabak und auch Cannabis begonnen werden muss“, so Hoch. An Schulen bestehe oft die Befürchtung, dass die Schüler durch Präventionsarbeit zum Drogenkonsum verleitet werden würden, doch die Präventionsforschung zeige das Gegenteil.

Lesen Sie auch: Die Marihuana-Branche boomt

Auch andere Wissenschaftler äußern Kritik an der Studie. Die Göttinger Psychiaterin Prof. Ursula Havemann-Reinecke lobt zwar, dass Faktoren wie Alkohol, Tabakrauchen und persönliche Umstände der Probanden berücksichtigt wurden. Allerdings fehle auch ihr der Nachweis des Cannabiskonsums. Eine laborchemische Überprüfung oder der Nachweis von Cannabis im Urin oder Blut hätte für mehr Klarheit gesorgt. Als beste Prävention für die Jugendlichen sieht sie darin, dass Cannabis weiterhin illegal bleiben sollte.

Von RND/Lisa-Marie Leuteritz

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