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Wissen China will Fake-Mond ins All schießen
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13:40 23.10.2018
Der Mond aus Sicht der Internationalen Raumstation. Aufgenommen hat das Bild der Astronaut Alexander Gerst. Quelle: Alexander Gerst/ESA/NASA/dpa
Chengdu

Die Chinesen sind allgemein bekannt für ihre täuschend echten Abbildungen. Hier ein bayerisches Alpendorf, da einen hannoverschen Straßenzug, oder auch mal eine Sphinx in Originalgröße. Nun wollen die Kopie-Koryphäen den Weltraum erobern. Der tollkühne Plan: Im Jahr 2020 soll ein Satellit einen künstlichen Mond simulieren und durch das Mondlicht in der Nacht eine chinesische Stadt beleuchten.

Das Licht vom „zweiten Mond“ im All würde ausreichen, um die Straßenbeleuchtung in der Millionenmetropole Chengdu im Südwesten Chinas auszuschalten. So könnte die Provinzhauptstadt jährlich Stromkosten von 170 Millionen Dollar sparen, sagte Wu Chunfeng, Vorsitzender der Projektorganisation „Tian Fu New Area Science Society“ in einem Interview mit der Zeitung „China Daily“.

Kunst-Monde könnten bis zu 6400 Quadratkilometer beleuchten

Dabei soll der Beleuchtungssatellit als Spiegel fungieren und Sonnenlicht auf die Erde lenken – und das etwa achtmal so stark wie der echte Erdtrabant. Der Satellit, der im Jahr 2020 die Erdumlaufbahn erreichen soll, ist zunächst ein Experiment gedacht, das klären soll, ob die Idee eines Reflexionsmondes überhaupt funktioniert. Sollten die Tests erfolgreich über die Weltraum-Bühne gehen, folgen 2022 drei weitere Satelliten, so der Plan. Zusammen könnten sie rund um die Uhr ein Gebiet von etwa 3600 bis 6400 Quadratkilometern beleuchten.

Zudem könne das Extralicht bei einem Stromausfall in ein Katastrophengebiet umgeleitet werden und dadurch die Hilfs- und Rettungsarbeiten unterstützen, sagte Wu der „China Daily“.

Da der Satellit in etwa 500 Kilometern Höhe schwebt, werde er laut den Berechnungen des Wissenschaftlers etwa acht Mal heller leuchten als der Mond, der rund 385.000 Kilometer von der Erde entfernt ist.

Fake-Mond soll Tiere nicht stören

„Das ist nicht genug, um den ganzen Nachthimmel zu erleuchten“, sagte Wu. „Die erwartete Helligkeit in den Augen der Menschen beträgt etwa ein Fünftel der normalen Straßenbeleuchtung.“ Die Sorge über mögliche Lichtverschmutzung wollen die Entwickler indes zerstreut wissen. Das Konzept erlaube es, dass die Reflektoren exakt gesteuert werden und auf diese Weise auch Dämmerlicht ermöglichen. Nachtaktive oder brütende Tiere sollen von dem Fake-Mond also nicht beeinflusst werden, dafür sei das Licht zu schwach.

Chinas große Pläne für den Weltraum

Fachleute trauen den Chinesen die Stationierung eines oder mehrerer künstlicher Monde technologisch durchaus zu. Peking hat ambitionierte Pläne im Weltraum, plant eine eigene Weltraumstation, Flüge zum Mars und Mond. Kürzlich starteten die Chinesen weitere Satelliten für das Navigationsnetz „Beidou“ – Pendant zum amerikanischen GPS und Europas Galileo. Schon bald soll es zu einer unbemannten Landung eines Mondmobils auf der Rückseite des Mondes kommen.

Von Sonja Fröhlich/RND

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