Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Wissen Das hat Ötzi in den letzten Tagen vor seinem Tod gegessen
Nachrichten Wissen Das hat Ötzi in den letzten Tagen vor seinem Tod gegessen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:31 12.07.2018
Forscher bei der Probenahme des Mageninhaltes der Mumie Ötzi. Quelle: dpa
Anzeige
Bozen

Ötzi hat in den letzten Tagen vor seinem Tod Steinbock, Hirsch und Getreide gegessen und dabei reichlich Fett verzehrt. Das schließt ein internationales Forscherteam aus der Analyse seines Mageninhalts. Der Gletschermann habe das Fleisch roh oder vielleicht getrocknet gegessen, es sei aber nicht stark erhitzt worden, schreiben die Forscher um Frank Maixner vom Institut für Mumienforschung im italienischen Bozen im Fachblatt „Current Biology“. Maixner geht davon aus, dass Steinbock und Hirsch regelmäßig auf Ötzis Speiseplan standen.

Der Mageninhalt war bislang – im Gegensatz zum Darm – nicht eingehend analysiert worden. Der Magen hatte sich bei der Mumifizierung verschoben und war erst 2009 bei Nachuntersuchungen entdeckt worden. Auffällig ist den Forschern zufolge vor allem, dass Fett etwa die Hälfte des Mageninhalts stellte. So habe Ötzi die nötige Energie für Wanderungen in großer Höhe aufnehmen können, schreiben sie.

Ötzi wusste, dass Fett eine gute Energiequelle ist

„Die hohe und kalte Umgebung ist für den Körper besonders fordernd und erfordert eine optimale Nähstoffversorgung, um schnell einsetzenden Hunger und Energieverlust zu vermeiden“, wird Studienleiter Albert Zink in einer Mitteilung der Zeitschrift zitiert. „Der Eismann war sich anscheinend völlig bewusst, dass Fett eine vorzügliche Energiequelle ist.“

Dass Ötzi Steinbock gegessen hatte, war bereits 2002 bei Untersuchungen des Darms festgestellt worden. Die neue Studie zeigt nun, dass Steinbock und Hirsch auch am Ende seines Lebens zu seinen Mahlzeiten zählten. „Die Proteine passen zu Muskelfasern des Steinbocks, er hat also wirklich das Fleisch gegessen“, sagt Maixner.

Ob es sich bei dem Hirsch um Fleisch oder um Innereien handelte, blieb dagegen unklar. Die verzehrten Körner waren demnach Einkorn, eine frühe Form von domestiziertem Getreide.

Hat Ötzi mit giftigem Farn Magenprobleme behandelt?

Zudem enthielt der Magen Spuren eines giftigen Farns. Möglicherweise habe er dies versehentlich aufgenommen, vielleicht aber auch damit Magenprobleme behandeln wollen, schreibt das Team. Anfang 2016 hatte die Forschergruppe herausgefunden, dass Ötzi mit einer aggressiven Variante des Magenkeims Helicobacter pylori infiziert war. Heutzutage trägt etwa die Hälfte aller Menschen das Magenbakterium, das Entzündungen, Magengeschwüre und Krebs verursachen kann.

Ötzi lebte vor 5300 Jahren und wurde hinterrücks mit einem Pfeil niedergestreckt. Studien deuten darauf hin, dass er die letzten zwei Tage seines Lebens recht rastlos verbrachte.

Ötzi wird weiter erforscht

Deutsche Wanderer hatten die Eismumie im September 1991 in der italienisch-österreichischen Grenzregion in der Nähe des Tisenjochs auf 3210 Metern Höhe entdeckt. Von dort wurde er ins Archäologische Museum nach Bozen gebracht. Seither arbeiten Wissenschaftler daran, der Mumie möglichst viele Informationen zu entlocken. Neben dem Mord an Ötzi und immer mehr Details zur Ernährung weiß man inzwischen auch, dass er etwa Karies hatte. Augenfarbe, DNA und Blutgruppe sind bekannt – ebenso, dass der Gletschermann laktoseintolerant und tätowiert war.

Maixner will die Ernährung Ötzis auch in den kommenden Jahren weiter erforschen. So gebe es etwa die Idee, die Darmflora zu untersuchen und mit der Darmflora heutiger Menschen zu vergleichen.

Von dpa/RND

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Das Thema Pflege kommt bei vielen Menschen erst auf, wenn die eigenen Eltern darauf angewiesen sind. Klar ist aber: Die vorgeschriebene Pflegeversicherung reicht längst nicht aus. Wer bis ins hohe Alter gut versorgt leben will, macht sich am besten rechtzeitig Gedanken.

12.07.2018

Vitamin-D-Präparate zählen zu den meistverkauften Nahrungsergänzungsmitteln. Doch manche Produkte aus Online-Shops können im Extremfall die Nieren schädigen, warnt die Verbraucherzentrale Niedersachsen.

11.07.2018

Eigentlich dürfen seit 2010 keine ozonschädlichen Stoffe mehr hergestellt werden. Trotzdem verschwindet der Ozonkiller CFC-11 nicht so schnell aus der Atmosphäre wie angenommen. Das liegt wohl an Chinas Schaumstoffindustrie.

11.07.2018
Anzeige