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Wissen Die Grippewelle rollt über Deutschland
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16:56 06.01.2017
Experten sehen den Beginn der Grippewelle einige Wochen früher als in den Vorjahren, und zwar kurz vor Weihnachten 2016. Quelle: dpa
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Berlin

Bei rund 2600 Menschen haben Laboruntersuchungen nach Daten der Arbeitsgemeinschaft Influenza am Robert Koch-Institut (RKI) von Beginn der Grippewelle bis Anfang Januar eine Grippeerkrankung bestätigt. Längst nicht alle Erkrankungen werden gemeldet. „Es gibt schon eine deutliche Viruszirkulation“, betont Silke Buda vom RKI. Betroffen sind demnach bislang ältere Menschen insbesondere bei schweren Krankheitsverläufen.

Gemeldet wurden mehrere Ausbrüche in Krankenhäusern in verschiedenen Bundesländern – und neun Todesfälle, davon acht bei Menschen ab 60 Jahren. „Das erinnert auch an die Saison 2014/15“, sagt Buda. Damals starben nach RKI-Schätzungen rund 20.000 Menschen an Grippe. Buda will die aktuelle Situation nicht überbewerten: „Aber wir haben da schon ein Auge drauf. Ein besorgtes.“

„Grippe ist keine harmlose Erkältung“

Bayern ist bisher ein Schwerpunkt des Geschehens. Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) weißt darauf hin, dass eine Impfung auch jetzt noch sinnvoll sei. „Grippe ist keine harmlose Erkältung“, warnt sie.

Influenza ist eine plötzlich einsetzende Atemwegserkrankung. Betroffene bekommen Fieber, Halsschmerzen und trockenen Husten, oftmals begleitet von Kopf- und Gliederschmerzen. Schutz kann eine Impfung bieten. Bei den über 60-Jährigen ist nach aktuellen Daten aber nur gut jeder Dritte gegen Grippe geimpft. Für sie ist die Krankheit jedoch besonders gefährlich.

Drohen angesichts des aktuellen Wintersturmtiefs mit klirrender Kälte nun auch mehr Erkältungen und Grippefälle in Deutschland? Zwar macht Kälte allein Experten zufolge nicht unbedingt krank - irrelevant sind die Temperaturen aber nicht. Denn Viren haben bei Kälte leichteres Spiel.

Grippewelle rollt früher als in den Vorjahren

Grippeviren beispielsweise überleben länger in der äußeren Umgebung, je trockener und kälter es ist, sagt Buda. Allerdings ist die Grippewelle dieses Winters unabhängig von der aktuellen Kälte losgerollt: Experten sehen den Beginn einige Wochen früher als in den vergangenen beiden Saisons, und zwar kurz vor Weihnachten 2016.

Nachweislich seien die oberen Atemwege bei kalter Luft anfälliger, erläutert die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, Erika Baum. So werde beispielsweise der Abwehrmechanismus der Flimmerhärchen durch Kälte und trockene Luft beeinträchtigt.

Gerade Kinder könnten zudem über den Kopf recht schnell auskühlen, da er bei ihnen verhältnismäßig groß und dünn behaart ist, wie Baum erläuterte. Wenn der Körper auskühlt, werden einige Funktionen heruntergefahren, darunter auch die Abwehr. Baum verweist zudem darauf, dass kalte oder nasskalte Füße erwiesenermaßen zu Blasenentzündungen führen können.

Diese Faktoren beeinflussen Grippe und Erkältungen

Letztlich seien es viele jahreszeitliche Faktoren, die die Ausbreitung von Atemwegserkrankungen wie Grippe und Erkältungen beeinflussten, erklärt RKI-Expertin Buda: „Temperatur, Wetter und Luftfeuchtigkeit spielen zwar mit eine Rolle, aber nicht die entscheidende.“ Der Impfschutz in der Bevölkerung, die Neuheit einer Virenvariante und auch das Immunsystem des Einzelnen hätten beispielsweise Einfluss.

Zudem halten sich die Menschen im Winter eher in geschlossenen, beheizten Räumen auf, was die Schleimhäute austrocknen kann. Wo sich viele Menschen aufhalten, kommt es zudem eher zu Ansteckungen. Welche Hausmittel gegen eine Erkältung helfen, lesen Sie hier.

Von RND/are/dpa

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