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Wissen Einbrecher kommen nachts: Mythos oder Wahrheit?
Nachrichten Wissen Einbrecher kommen nachts: Mythos oder Wahrheit?
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09:03 05.09.2018
Einbrecher versuchen häufig, sich über Fenster Zutritt zu verschaffen. Quelle: Frank Rumpenhorst/dpa
Hannover

Spätestens seit den Sommerferien ist das Thema wieder in aller Munde. Während viele in Gedanken schon am Strand liegen und das Meeresrauschen im Ohr haben, beginnt für Einbrecher die geschäftigste Zeit des Jahres. Aber stimmt diese Annahme überhaupt?

In der Urlaubszeit wird vermehrt eingebrochen

Prinzipiell stimmt diese Aussage. Klar ist, dass leere Häuser oder leere Wohnungen Einbrechern immer beliebte Ziele bieten und dass deshalb viele Menschen gerade in der Urlaubszeit befürchten, Opfer eines Einbruchs zu werden. Dabei spielt die Jahreszeit aber eine entscheidende Rolle. Gerade in den Wintermonaten, wenn es länger dunkel ist, finden die meisten Einbrüche statt. Schließlich bleiben Täter bei weniger Licht eher unentdeckt. Etwa die Hälfte der Einbrüche ereignet sich demnach in den Monaten Oktober bis Januar, wie im Einbruch-Report 2015 des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ermittelt wurde. Wer also den Sommerurlaub unbeschadet überstanden hat, sollte sich nicht auf der sicheren Seite wähnen.

Einbrecher kommen in der Nacht

Dunkelheit ist die Freundin diebischen Vergnügens. Daraus leitet sich aber nicht automatisch ab, dass die meisten Einbrüche auch tatsächlich nachts passieren. Im Gegenteil: Wie ebenfalls im Report des GDV fesgestellt, ist das Risiko eines Einbruchs zwischen zehn und 20 Uhr am größten. Denn üblicherweise sind die meisten Bewohner in dieser Zeitspanne nicht zu Hause und Einbrecher können ungestört ans Werk gehen.

Einbrecher kommen durch das Fenster

In absoluten Zahlen ist das Fenster zwar die häufigste Einbruchstelle. Es gibt aber Unterschiede bei den Haustypen. So sind Balkon- und Terrassentüren vor allem in Einfamilienhäusern und in Parterre-Wohnungen beliebt. Insgesamt verschaffen sich Diebe in Mehrfamilienhäusern dagegen bevorzugt über die Wohnungstür Zutritt. Ob Fenster oder Tür, Balkon oder Terrasse - ausschlaggebend für einen Einbruch ist, ob die Einbrecher einen festen Stand haben und wie schnell sie an einer Einbruchstelle in das Haus oder die Wohnung ein- und aussteigen können.

Im Dachgeschoss ist man sicher

Das müsste bedeuten, dass Dachgeschosswohnungen sicherer sind als Wohnungen in unteren Etagen. Hier ist jedoch wieder ein voreiliger Schluss gezogen worden. Ist die Haustür eines Mehrfamilienhauses erstmal geknackt, spielt das Stockwerk keine Rolle mehr. Im Gegenteil, gerade Wohnungen in oberen Etagen bieten Eindringlingen eine erhöhte Chance, unentdeckt zu bleiben, da an ihnen in der Regel weniger Personen vorbeilaufen.

Einbrecher interessieren sich nicht für mich

Eine der häufigsten Fehleinschätzungen: „Ich bin nicht reich und hier gibt es sowieso nichts zu klauen.“ Leider ein Mythos. Wer glaubt, dass sich Einbrecher nur für die großen Fische interessieren, geht einem häufigen Irrglauben auf den Leim. Gerade kleine Gegenstände wie Handys, Kameras, Bargeld oder etwas Schmuck reichen vielen Dieben schon als Beute. Wichtiger als die Größe des Hauses oder des Portemonnaies ist die Günstigkeit der Gelegenheit. Was sich schnell mitnehmen lässt, wird auch mitgenommen. Aus diesem Grund stehen Fernseher oder andere größere Gegenstände in der Regel nicht auf der Prioritätenliste von Einbrechern.

Wachsame Nachbarn ersetzen Sicherheitsschloss

Klingt zu schön, um wahr zu sein. Natürlich spielen auch hier wieder die äußeren Umstände eine Rolle. In weniger dicht besiedelten Gegenden und in Reihenhaussiedlungen mögen langjährige Nachbarn tatsächlich noch Einbruchschutz bieten. In einem städtischen Mehrfamilienhaus mit ständig wechselnden Parteien ist die Anonymität hingegen zu groß, als dass hier ein wachsamer Nachbar Einbrecher effektiv an der Tat hindern könnte. Selbst wenn Sie ein gutes Verhältnis zu Ihren Nachbarn pflegen, ist die Hemmschwelle, bei fremden Personen im Haus gleich die Polizei zu verständigen, doch sehr groß.

Eine verschlossene Haustür ist eine sichere Haustür

Wer seine Haustür abschließt, macht es Einbrechern schwerer, in die Wohnung zu gelangen. Zumindest den ein oder anderen Spontandiebstahl mag das tatsächlich abwenden. Komplizierter wird es aber, wenn sich Einbrecher systematisch auf den Einbruch vorbereitet haben. Hier ist eine verriegelte Haustür eingeplant und, wie bereits erwähnt, sowieso nicht die Haupteinbruchstelle.

Darüber hinaus eröffnet die verschlossene Haustür ein neues Sicherheitsrisiko. Schließlich hindern sie nicht nur die potenziellen Einbrecher vor dem Eindringen, sondern auch Polizei und Rettungskräfte, die sich im Ernstfall schnell Zugriff verschaffen müssen. Letztlich werden Fluchtwege auch für die Hausbewohner selbst behindert, was für Vermieter strafrechtliche Folgen haben kann.

Kein hundertprozentiger Einbruchschutz

Mythen hin oder her, absolute Sicherheit gibt es nicht. Ob im Urlaub oder nachts, ob in Einfamilien- oder Mehrfamilienhäusern, Parterre- oder Dachgeschosswohnung - niemand ist hundertprozentig vor Einbrüchen geschützt. Trotzdem ist es ratsam, über die Praktiken und Vorlieben von Einbrechern Bescheid zu wissen, um sich nicht in falscher Sicherheit zu wähnen.

Prinzipiell sollte man sich selbst nicht als uninteressant für Einbrecher einstufen. Mit der richtigen Sicherheitstechnik kann man sein Hab und Gut fit für den Einbruchschutz machen. Wer ein Haus besitzt, sollte sich überlegen, eine Alarmanlage zu installieren. Die schreckt viele Einbrecher bereits bei der Suche nach ihrem nächsten Opfer ab. In Wohnungen ist es ratsam, Fenster und Türen mit sogenannten Nachrüstsätzen zu verstärken. Besser noch, es werden gleich einbruchsichere Fenster und Türen eingebaut.

Zumindest eine Weisheit ist deshalb nicht als Mythos zu entlarven: Vorsorge ist der beste Schutz.

Von RND/pf

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