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Mein Sohn, der Konsumverweigerer

Die Familienkolumne Mein Sohn, der Konsumverweigerer

Die Weihnachtszeit hat es deutlich gezeigt: Familienvater Birk Grüling hat ein neues Shopping-Laster: Spielzeuge und Kinderbücher für den Nachwuchs kaufen. In den Klauen der Babyindustrie scheint sein Elternherz ein williger Spielball zu sein. Was der Sohnemann wohl dazu sagt?

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Birk Grüling schreibt als Journalist über Familie und Bildung. Mit Frau und Kind lebt er im Hamburger Speckgürtel.

Quelle: gpt

Hannover. Die Weihnachtszeit ist vorbei. Doch ein schlechtes Gewissen nagt weiter an mir. Wieder einmal bin ich dem Konsumrausch viel zu leicht erlegen – das ist weder nachhaltig noch gut für den Kontostand. Ich rede nicht von Luxus für mich selbst. Sneaker oder ein cooles T-Shirt habe ich mir im letzten Jahr nur selten geleistet. Mein neues „Laster“ sind Spielzeuge und Kinderbücher. In den Klauen der Babyindustrie ist mein weiches Elternherz ein williger Spielball. Lange Papa-Sohn-Ausflüge enden oft mit einem neuen Kinderbuch. Den aktuellen Lego-Prospekt arbeite ich akribisch durch – auf fast jeder Seite entdecke ich zukünftige Papa-Sohn-Momente in unendlichen Weltraum-Weiten oder in Blöckchenstädten. Auch meine Frau ist keine Hilfe. Mit ihr blättere ich in jedem Babykatalog, nur um später im Ehebett über die Sinnhaftigkeit einer Stoffpuppe oder die richtige Spielküche zu diskutieren.

Ein Hoffnungsschimmer

Zum Glück gibt es Hoffnung in unserer Familie. Mein Sohn entpuppt sich derzeit als hartnäckiger Konsumverweigerer. Seinen Geburtstagszug mit den kleinkindsicheren Kerzen und die bunten Tiergirlanden würdigt er nur eines irritierten Blickes. Unwissend über die große Bedeutung des ersten Geburtstags – also für seine Eltern – kaut er versonnen auf einem selbst gebackenen Babykeks. Selbst die Geschenke sind für ihn nur oberflächlich betrachtet interessant – also im wahrsten Sinn des Wortes. Das bunte Geschenkpapier wird mit viel Hingabe zerrissen und die Einzelteile im Wohnzimmer verteilt. Auch die Verpackungskartons sorgen für deutlich mehr Begeisterung als der Inhalt. Sie lassen sich schieben, umstoßen und platt drücken. Die Kinderbücher, Stapelspiele und eine Holzeisenbahn werden – nur aus Anstand – kurz angespielt. Dann krabbelt er zurück zum Geschenkpapierberg.

Vielleicht das beste Geschenk für einen Einjährigen

Vielleicht das beste Geschenk für einen Einjährigen: ein simpler Karton.

Quelle: Pixabay

Übel nimmt ihm die Konsumrebellion niemand. Mit glücksverklärtem Blick betrachten Tanten und Omas das kleinkindliche Treiben, nicht ohne ein leises „Er ist ja so groß geworden“ zu murmeln. Auch ich verspüre in diesem Moment tiefen Stolz über so viel Willensstärke. Vielleicht sollte ich auch beim nächsten Ausflug in den Turnschuhladen nur einen leeren Schuhkarton mitnehmen. Geldbeutel und Umwelt würden es mir danken und mein Sohn sowieso – bunte Kartons sind schließlich seine Leidenschaft.

Von Birk Grüling/RND

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