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Wissen Nasenspray soll Zahl der Drogentoten senken
Nachrichten Wissen Nasenspray soll Zahl der Drogentoten senken
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10:46 20.06.2018
Ein Notfall-Kit, das an Drogenabhängige ausgehändigt wird. Quelle: dpa
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Berlin

Ein Notfallmedikament, verabreicht als Nasenspray, könnte bald die Zahl der Drogentoten in Deutschland senken. Die Deutsche Aids-Hilfe rechnet damit, dass das Medikament Naloxon in Deutschland noch in diesem Jahr in Form eines Nasensprays auf den Markt kommt. Naloxon kann bei Opioid-Überdosen die Rettung sein – bislang wird es aber selten verwendet.

Doch das könnte sich bald ändern. In Form eines Nasensprays kann die Arznei künftig im Prinzip jeder anwenden. Bisher muss sie gespritzt oder improvisiert mit einem Aufsatz in die Nase gesprüht werden – was Fachleute aber als sehr umständlich beschreiben.

Nasenspray könnte die Hemmschwelle zu helfen, senken

Die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU) setzt „große Hoffnungen“ in das Medikament. „Durch die einfache Gabe als Nasenspray wird die Hemmschwelle, zu helfen, sicherlich niedriger sein“, erklärt Mortler. Sie wolle aber den Ergebnissen eines Modellversuchs in mehreren Städten Bayerns zu dem Thema nicht vorgreifen.

Zu den Opioiden gehören zum Beispiel Heroin, Oxycodon, Tilidin oder Fentanyl. Stoffe, die etwa Schmerzen stillen und Ängste lösen, aber auch zum Atemstillstand führen können. Mehr als 700 Menschen starben 2017 bundesweit aus diesem Grund.

In den USA, wo es eine beispiellose Opioid-Krise mit tausenden Toten jährlich gibt, tragen viele Polizisten das Spray bei sich. In Kanada wurde das Mittel tausendfach als Notfall-Set abgegeben – eine Studie im Journal „The Lancet“ geht von Hunderten dadurch vermiedenen Todesfällen aus. Ein Wundermittel ist die Arznei aber nicht, auch das betonen Ärzte. Sprühstöße in die Nase machen den Notarzt nicht überflüssig. Denn das Medikament hebt die Opioid-Wirkung nur kurzzeitig auf und kann Entzugssymptome auslösen. Es kann aber eine Schädigung des zentralen Nervensystems und den Tod verhindern.

Bei fast jeder dritten Opioid-Überdosis gab es einen Rettungsversuch

Obwohl das Medikament auch hierzulande seit Jahrzehnten bekannt ist, ist es nicht aus der Nische herausgekommen. Bislang haben es Notärzte zur Hand. Und manche Konsumenten bekommen nach einer Schulung von Suchthilfe-Organisationen ein Notfall-Kit ausgehändigt.

Bislang dürfen Ärzte das Medikament nur Opioid-Konsumenten verschreiben, nicht aber potenziellen Ersthelfern wie Angehörigen, Sozialarbeitern oder Pflegekräften. Dabei liegt es in der Natur der Sache, dass man sich bei einer Überdosis nicht selbst helfen kann. Eine wichtige Voraussetzung für einen Naloxon-Einsatz wäre nach Daten des Instituts für Therapieforschung München durchaus gegeben: Bei fast jeder dritten Opioid-Überdosis gebe es einen Rettungsversuch, in fast jedem fünften Fall seien Dritte anwesend.

Niveau an Drogentoten ist „unerträglich hoch“

Der Einwand, dass mit dem Verbreiten des Medikamentes auch ein riskanterer Konsum befördert werden könne, lasse sich nicht ganz von der Hand weisen, sagt Dirk Schäffer von der Deutschen Aids-Hilfe. Es sei jedoch von Einzelfällen auszugehen. Mehr Gewicht hat für ihn das Argument, dass sich viele tödlichen Überdosen verhindern lassen. Angesichts des gut ausgebauten Hilfesystems hierzulande sei das Niveau an Drogentoten „unerträglich hoch“ - mehr als 1270 Fälle waren es 2017 insgesamt.

Von dpa/RND

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