Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Wissen Router ab Werk oft unsicher: Das ist zu tun
Nachrichten Wissen Router ab Werk oft unsicher: Das ist zu tun
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:49 23.08.2017
Einfach mal abschalten: Ungenutzte Funktionen sollten deaktiviert werden. Quelle: Foto: Dpa
Hannover

Internetnutzer müssen ihr WLAN gegen Missbrauch durch Hacker schützen, haften aber nicht für jede Sicherheitslücke. Wer sich auf eine individualisierte Verschlüsselung des Routers durch den Hersteller verlässt und dieses Passwort nicht ändert, verletzt keine Pflichten. Das entschied der Bundesgerichtshof (BGH) am Donnerstag. Solange ein und dieselbe Zahlenkombination nicht an mehreren Geräten voreingestellt ist, können Verbraucher demnach davon ausgehen, dass ihr WLAN marktüblich gesichert ist.

In dem Fall sollte eine Frau wegen verletzter Urheberrechte rund 750 Euro an eine Filmfirma zahlen, weil ein Unbekannter über ihren Anschluss einen Actionfilm illegal in einer Tauschbörse angeboten hatte. Der Router war von Werk aus mit einem individuellen Schlüssel aus 16 Ziffern nach gängigem Standard (WPA2) gesichert. Wegen Fehlern bei der Generierung war der Code leicht zu knacken – aber das stellte sich erst viel später heraus. Die Frau trifft deshalb laut BGH keine Schuld. Sie muss keine Abmahngebühren zahlen (Az.: I ZR 220/15).

Illegale Uploads lassen sich über die IP-Adresse bis zum Anschluss zurückverfolgen. Damit ist aber noch nicht klar, wer der Täter ist. Die betroffenen Rechteinhaber machen sich deshalb meist die sogenannte Störerhaftung zunutze und mahnen den Anschlussinhaber ab. Dieser ist mitverantwortlich, wenn er sein WLAN nicht ausreichend vor Missbrauch geschützt hat.

Nach einem früheren Grundsatzurteil des BGH aus dem Jahr 2010 gibt es eine Pflicht, die Standardeinstellungen des Routers zu ändern, ein ausreichend langes und sicheres Passwort zu vergeben und eine Verschlüsselung nach aktuellem Standard einzusetzen. Ungeklärt war, ob Internetnutzer auch einen zwar voreingestellten, aber individualisierten Schlüssel anpassen müssen. Nach Auffassung der Karlsruher Richter hat die abgemahnte Anschlussinhaberin alle notwendigen Vorkehrungen getroffen.

Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte folgende Tipps des Bundesamtes für Informationssicherheit (BSI) befolgen:

WLAN-Router per Kabelverbindung konfigurieren: Auch wenn es drahtlos praktischer ist – zur Einrichtung vor der ersten Inbetriebnahme und für alle folgenden Wartungsarbeiten sollte man seinen Rechner per LAN- oder USB-Kabel mit dem Router verbinden.

WLAN-Passwort ändern: Voreingestellte WLAN-Passwörter, auch WLAN-Schlüssel genannt, sind oft nicht sicher und können unter Umständen geknackt werden. Deshalb sollten Nutzer ein eigenes Passwort vergeben. Die BSI-Experten empfehlen ein komplexes Passwort mit mindestens 20 Zeichen. Wird der Schlüssel nicht geändert, besteht die Gefahr, dass Angreifer den vom Hersteller vorgegebenen Schlüssel auslesen, etwa mithilfe spezieller Apps. Beim Ändern sollte man zudem prüfen, ob die sichere WPA2-Verschlüsselung aktiviert ist.

Administrator-Passwort in ein eigenes ändern: Der Code, mit dem man ins sensible Einstellungsmenü des Gerätes gelangt, ist bei vielen oder allen Routern eines Herstellers oft derselbe. Oder der Passwortschutz ist erst gar nicht aktiviert. Hier gilt es unbedingt, ein individuelles, sicheres Passwort zu setzen.

Netzwerknamen ändern: Nutzer sollten ihrem WLAN einen neuen Netzwerknamen (SSID) geben, weil der voreingestellte oft Herstellernamen und Gerätetyp enthält, was Angreifer bei nicht gestopften Sicherheitslücken ausnutzen könnten. Die neue SSID sollte keinerlei Bezug zum Besitzer des Internetanschlusses haben, also keine Vor- oder Zunamen, Straßen, Ort oder Ähnliches enthalten.

Einstellungsmenü per https aufrufen: Das Router-Menü kann mit jedem beliebigen Browser aufgerufen werden, indem man die vom Hersteller angegebene Adresse – etwa 192.168.2.1 oder fritz.box – in die Adresszeile eingibt. Allerdings sollte man dabei laut BSI darauf achten, dass man das Menü über eine gesicherte https-Verbindung aufruft. Während man die Einstellungen vornimmt, sollten sicherheitshalber keine weiteren Internetseiten geöffnet sein.

Firmware aktuell halten: Als Firmware wird die Betriebssoftware des Routers bezeichnet. Firmware-Aktualisierungen bringen neue Funktionen, stopfen aber vor allem auch Sicherheitslücken. Deshalb sollte man – falls möglich – automatische Updates im Router-Menü aktivieren oder ansonsten regelmäßig auf den Herstellerseiten nach Aktualisierungen Ausschau halten.

Fernzugriff aus: Diese Funktion sollte im Einstellungsmenü deaktiviert werden – so wie prinzipiell alle ungenutzten Funktionen.

WPS-PIN aus: Wi-Fi Protected Setup (WPS) ist ein Standard zum einfachen Aufbau eines verschlüsselten WLAN-Netzwerks. WPS mit einer PIN, die auf einem Aufkleber oder einer Anzeige am WLAN-Gerät abzulesen ist, lässt sich aber schnell knacken und sollte abgeschaltet werden.

WLAN nicht immer anlassen: Einfach, aber effektiv ist der Sicherheitsgrundsatz, das WLAN zu deaktivieren, wenn es nicht gebraucht wird – etwa nachts, bei längeren Abwesenheiten oder im Urlaub. Dazu bieten zahlreiche Router verschiedener Hersteller im Menü praktische Zeitschaltungen.

Von Dirk Averesch/RND

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!