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20:01 10.03.2017
Überall auf der Welt entstehen spektakuläre Museumsneubauten: ein Blick auf die schönsten neuen Kunsttempel. Quelle: imago
Berlin

Es kommt eben doch auf die Verpackung an – selbst in der so schöngeistigen Welt der Künste. Entsprechend spielen sich einige spektakuläre Entwicklungen in der Musseumslandschaft derzeit buchstäblich an der Oberfläche ab: Überall in Europa, Amerika, Japan und jetzt auch in China entstehen Musseumsneubauten – monumentale Landmarken, die teils aufsehenerregender sind als die Schätze, die sie bergen.

Wenn man sich ansieht, welche Architekturen in jüngerer Zeit für Begeisterung sorgten, fällt die Verbindung von einfacher Grundidee und expressiver Wirkung auf. Die Formerfindungen umfassen überdimensionale Kronen (das National Museum of African American History in Washington), auf den Kopf gestellte Pyramiden (das Hanoi Museum) oder gestapelte Zuckerwürfel (der Neubau des New Museum of Contemporary Art in New York).

Vom Bildungshort zum Veranstaltungsort

In den zurückliegenden Jahrzehnten haben sich Museen von enzyklopädischen Bildungseinrichtungen zu technisch hochgerüsteten Unterhaltungszentren entwickelt. Die Ausstellungsbereiche sind hingegen klassisch geblieben. Hier steht die eigentliche Revolution noch bevor: „Absehbar wird man sehr viel mehr Ausstellungen erleben, die virtuelle und reale Elemente verbinden“, ist Mark Hampson überzeugt, der Leiter der Kunstsparte an der Londoner Royal Academy.

Das technisch hochgerüstete Museum der Zukunft könnte sich einem Multiplex-Kino annähern – und die Vorstellung davon, was ein Museum eigentlich ist, tiefgreifend verändern. Für den Mailänder Architekten Vittorio Magnago Lampugnani besteht die größte Herausforderung darin: “Museen zu entwerfen, die weder Muffelsäle noch Entertainmentcenter sind, sondern nüchterne und dabei poetische Laboratorien für das reine sinnliche Empfinden und das unerbittlich rationale kritische Denken.“

Dschungelhaus

Musée du Quai Branly in Paris Quelle: iStockphoto

Das vom Architekten Jean Nouvel entworfene Musée du Quai Branly in Paris vereint die ethnologischen Sammlungen aus dem Musée de l’Homme und dem ehemaligen Musée National des Arts d’Afrique et d’Océanie in einem bewusst künstlerisch gehaltenen Umfeld. Es wurde 2006 von Jacques Chirac eröffnet. Die Hauptgalerie steht auf Stelzen und überquert einen vom Landschaftsarchitekten Gilles Clément entworfenen, 18 000 Quadratmeter großen Garten. Nicht minder eindrucksvoll ist eine 800 Quadratmeter große, grüne Wand des Ökodesigners Patrick Blanc.

Neo-Bauhaus

Neues Bauhaus-Museum in Dessau Quelle: Bauhaus Museum Dessau

Im Dezember ist der Grundstein für das neue Bauhaus-Museum in Dessau gelegt worden. Eröffnung soll rechtzeitig zum 100. Bauhaus-Grundungsjubiläum 2019 sein. Mit rund 40 000 Exponaten beherbergt Dessau nach Berlin die zweitgrößte Bauhaus-Sammlung. Der Entwurf für das neue Museum stammt vom spanischen Büro Gonzalez Hinz Zabala, das dem modernen Formenvokabular und Funktionalitätsprinzip folgt. Mehr als 800Architekturbüros hatten sich an dem Wettbewerb für das Bauhaus-Museum beteiligt, dem Museum für modernes Bauen schlechthin.

Verkehrte Pyramide

Hanoi Museum Quelle: picture alliance

Das eindrucksvolle Museum von Hanoi wurde 2010 rechtzeitig zum 100. Jubiläum der vietnamesischen Kapitale eröffnet und erzählt mit mehr als 50 000 Objekten von der Geschichte, Kultur und Architektur der Stadt und des Landes. Das Gebäude hat die Form einer auf den Kopf gestellten Pyramide. Entworfen wurde der exotisch anmutende Solitär, der von einem dem Bau zu Füßen liegenden Bassin gespiegelt und auf diese Weise “richtiger herum“ gedreht wird, vom Hamburger Architekturbüro Gerkan, Marg und Partner, das auch den Profanbau des Berliner Hauptbahnhofs verantwortet.

Modell Scheune

Geplantes Berliner Museum für die Kunst des 20. Jahrhunderts Quelle: Herzog & de Meuron

Eins muss man dem geplanten Berliner Museum für die Kunst des 20. Jahrhunderts lassen: Es macht sich nicht übermäßig wichtig. Die Berliner Baudirektorin Regula Lüscher spricht von einem “entspannten Haus“. Der Architekt Stephan Braunfels attestiert dem Entwurf der Schweizer Architektenkollegen Jacques Herzog und Pierre de Meuron für das “M20“ indessen den “Charme einer Messehalle“ und spricht von einer „gigantischen Scheune, die aussieht wie ein Designer-Oktoberfestzelt“. Der Entwurf ist allerdings noch in Bewegung, das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.

Modell Surrealismus

Dalí Museum in St. Petersburg/Florida Quelle: iStock

Der AOL-Tourenplaner zählte das Dalí Museum in St. Petersburg/Florida zu den Bauten, die man gesehen haben muss, bevor man stirbt (“Buildings You Must See Before You Die“). Das Museum ist nach eigenen Angaben das Haus mit den meisten Originalen des Surrealisten außerhalb Spaniens. Beim 2011 eröffneten Neubau (Architekturbüro HOK) wird eine kantige Grundform von einer gigantischen Glasschlange durchdrungen. Eine Besonderheit des Baus besteht nicht zuletzt in seiner Sturmfestigkeit: Er ist darauf ausgerichtet, Hurrikane bis zur Kategorie 5 zu überstehen.

Begehbare Krone

National Museum of African American History and Culture (NMAAHC) in Washington Quelle: imago

Wie eine dreistöckige Krone ragt der Bau in Washington auf: Das National Museum of African American History and Culture (NMAAHC) wurde vergangenen Herbst von Barack Obama eröffnet und erinnert an die Geschichte der Sklaverei wie auch an herausragende Bürgerrechtler und Sportler. Entworfen wurde das ikonische Gebäude vom ghanaisch-britischen Architekten David Adjaye. Das NMAAHC eröffnete rechtzeitig vor Donald Trumps Amtsantritt. Wie wird sich der Milliardär im Präsidentenamt museal verewigen? Mit einem America First Museum for White Supremacy (AFMWS)?

Von Johanna Di Blasi

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