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Wissen Streaming, Blockchain & Co.: So hören wir in Zukunft Musik
Nachrichten Wissen Streaming, Blockchain & Co.: So hören wir in Zukunft Musik
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18:01 23.06.2018
Musikstreaming über Spotify, Apple Music oder andere Anbieter ist bequem, für Künstler abseits der Superstars jedoch ein Verlustgeschäft. Eine Branche auf der Suche nach fairen Alternativen. Quelle: iStock
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Hannover

David Bowie war ein musikalisches Genie – und ein Technologie-Orakel. 2002 prophezeite er: “Musik wird sich zu etwas verwandeln, das sich wie Wasser oder Elektrizität verhält.” Diese Vision ist Wirklichkeit geworden. Der Musikverkauf im Internet hat 2015 mit 45 Prozent der Umsätze erstmals die CD überholt.

Der Anteil der “wasserartigen” Musik von Streamingangeboten stieg im selben Zeitraum sogar um fast 50 Prozent. Insgesamt wuchsen die Umsätze der Musikindustrie damit erstmals um rund 3 Prozent – nach 16 Jahren ununterbrochenen Rückgangs.

1999 hatten CD-Verkäufe die weltweiten Umsätze auf ein Allzeithoch von 28,7 Milliarden US-Dollar getrieben. Später boten Tauschbörsen wie Napster, Kazaa und Emule ein, wenn auch illegales, Paradies für Internet-affine Musikliebhaber. Weltweit ging der Umsatz der Musikindustrie zurück – gerettet haben die Branche Onlineangebote wie iTunes Music Store, 7Digital, Amazon Music und Streamingangeboten wie Spotify und Youtube.

“Musikpiraterie ist nicht unser Feind und war es nie”

Nach wie vor gilt der International Federation of Phonographic Industry (IFPI) zwar die Piraterie als “größte Gefahr für die Entwicklung des lizenzierten Musiksektors”, wie der Verband auf seiner Website feststellt. Doch: “Musikpiraterie ist nicht unser Feind und war es nie”, sagt die britische Singer-Songwriterin Imogen Heap. “Es ist noch immer ein Problem, dass die Musikindustrie neue Technologien nicht annimmt oder nicht schnell genug auf sie reagiert”, sagt sie.

Heap klagt aber nicht nur, sondern probiert selbst aus, wie die Zukunft aussehen könnte. Kürzlich hat sie ihren Song “Tiny Human” auf Ujo und Aurovine veröffentlicht. Beide Plattformen nutzen ein Blockchain-Protokoll, um Musikrechte und die damit verbundenen Transaktionen zu verwalten. Eine Blockchain ist eine Liste von Datensätzen, die sich kontinuierlich erweitern lässt. Bisher ist sie vor allem als Rückgrat digitaler Währungen wie Bitcoin bekannt.

“Wird ,Tiny Human’ bei uns gekauft, verteilt die Blockchain automatisch die Honorare, entsprechend einem Smart Contract”, erklärt Phil Barry, Gründer von Ujo. Ein Smart Contract ist eine digitale Liste aller Akteure, die an der Produktion eines Songs beteiligt sind, zusammen mit den Anteilen, die die Vertragspartner von einem Verkauf des Songs abbekommen.

Das klassische Modell des Musikvertriebs ist undurchsichtig

Die Blockchain von Ujo speichert diesen “schlauen Vertrag“ und protokolliert alle Transaktionen, vom Kauf eines Songs bis zur Verteilung der Honorare. Daneben speichert sie auch die Rechte, die man als Käufer der Musikdatei erwirbt, also etwa das Recht, einen Song in einem Club abzuspielen oder ihn in einem Video zu verwenden.

Wie jede andere Blockchain auch ist die von Ujo eine verteilte Datenbank. Jeder Beteiligte erhält eine exakte Kopie. So verbindet sie vom Songwriter über die Musiker und Toningenieur bis zum Käufer alle Beteiligten und schafft dabei Transparenz.

Das klassische Modell des Musikvertriebs wirkt dagegen undurchsichtig. Die Musiker, die die Musik eingespielt haben, bekommen laut dem Bundesverband Musikindustrie 9,9 Prozent des Netto-Verkaufspreises. Der Komponist wird im Schnitt mit 3,6 Prozent abgespeist. Auch das Streaming scheint für die Kreativen nicht lukrativer. Für einen gespielten Song auf Spotify erhalten die Musiker maximal 10 Prozent der 0,006 bis 0,008 US-Cent, die Musikunternehmen dafür von Spotify bekommen.

Streaming wird das Problem nicht lösen

Der zweite Einkommenskanal sind Tantiemen für Komponisten, Textdichter oder Musikverlage, wenn sie die Urheberrechte halten. Verteilt werden Tantiemen von Verwertungsgesellschaften wie der deutschen GEMA. Das System stammt aus der Zeit, in der Musik vornehmlich im Radio gespielt, in Konzerten aufgeführt oder in Plattenläden verkauft wurde. Seither sei daraus ein bürokratisches Monster geworden, findet Imogen Heap.

Streaming wird das Problem der Musikindustrie nicht lösen. So hat etwa Spotify nach eigenen Angaben heute 89 Millionen Nutzer, 30 Millionen von ihnen im Bezahl-Abo. Die Umsätze steigen rapide: von 500 Millionen Euro im Jahr 2012 auf rund 2 Milliarden 2015. Doch in jedem dieser Jahre hat Spotify größere Verluste eingefahren. Grund sind vor allem die Lizenzgebühren, die Universal und Co. erheben. Obwohl sie hoch sind, kommt bei den Künstlern kaum etwas an. Zahlreiche verweigern sich daher den Streamingdiensten.

Fast scheint es nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis eine neue Idee das alte System ablöst. Mit Blockchain “kann man die Musikverlage und Verwertungsgesellschaften als Mittelsmänner komplett aus der Vertriebskette streichen”, sagt Ujo-Gründer Barry. Alle Beteiligten bekämen genau den Anteil am Erlös, auf den sie sich vorher geeinigt haben. Und jene etwa 20 Prozent, die Plattenfirmen heute für sich abzweigen, würden wahrscheinlich schrumpfen.

Live-Konzerte werden immer attraktiver

Zudem ist die Musikproduktion mittlerweile so einfach und billig, dass große Studios immer seltener vonnöten sind. So bleibt den Musikkonzernen als Alleinstellungsmerkmal das Marketing und eine zwar riesige, aber alternde Bibliothek an Tonaufnahmen.

Anfang dieses Jahres verkündete der Konzern Universal eine weitere Idee: Man wolle Live-Konzerte in 3-D auf Virtual-Reality-Headsets streamen. Ob das die Zukunft ist? Jens Michow, Präsident des Bundesverbandes der Veranstaltungswirtschaft, ist da skeptisch: “In unserer digitalen Welt ist das Live-Erlebnis ein alternatives Freizeitvergnügen, das immer attraktiver wird, weil man hier eben etwas hautnah in der realen Welt erlebt.“

In ihrer bisherigen Form dürfte die Musikindustrie womöglich nicht überleben. Im Gegensatz zur Piraterie von vor 15 Jahren handeln die Gegner jedoch ganz legal.

Von Christian Honey

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