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Wissen Wal-Kampf in Brasilien: Japan will Walfangverbot kippen
Nachrichten Wissen Wal-Kampf in Brasilien: Japan will Walfangverbot kippen
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13:58 07.09.2018
Todeskampf: Ein harpunierter Wal wird an Bord eines japanischen Walfangschiffes gezogen, das im Atlantik kreuzt. Quelle: Jeremy Sutton-Hibbert/Greenpeace/dpa
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Florianópolis/Hannover

Die Jagd auf Wale ist eine blutige Angelegenheit: Die Säugetiere werden mit explosiven Harpunen erlegt. Nach einem langen, schmerzhaften Todeskampf werden sie an Bord der Fangschiffe vollständig verarbeitet. Ein Internationales Moratorium verbietet den kommerziellen Walfang seit 1986 eigentlich. Doch über 30 Jahre nach dem weltweiten Verbot wittert Japan jetzt die Chance, das von der Nation verhasste Verbot zu kippen.

Bei der Konferenz der Internationalen Walfangkommission (IWC), die am Montag im brasilianischen Florianópolis beginnt, hat mit Joji Morishita erstmals ein Japaner den Vorsitz. Von dessen Einfluss verspricht sich die Walfangbranche nun eine Kehrtwende. Japan, Island und Norwegen unterlaufen das Moratorium sowieso schon regelmäßig.

Wissenschaftliche Zwecke als Deckmantel

Mehrere Tausend Wale fallen den Jägern jährlich zum Opfer. Island und Norwegen berufen sich auf ihre Traditionen und hatten Widerspruch gegen das Verbot eingelegt. Japan gibt vor, die Wale zu „wissenschaftlichen Zwecken“ zu jagen. Tatsächlich aber geht es eher um den Verzehr des Fleischs. Erst Ende August hatten japanische Fischer mehr als 170 Wale im Nordwestpazifik erlegt, bereits im Mai waren es 333 Zwergwale – ein Drittel davon war trächtig.

Die Japaner wollen nun ab Montag über eine Reihe von Anträgen abstimmen lassen, um die Jagd auf Wale wieder zu legalisieren. Als Kompromiss schlagen sie ein Komitee für nachhaltigen Walfang und Höchstfangmengen vor. „Wir wollen eine Fangquote für solche Walarten, deren Bestände vom wissenschaftlichen Ausschuss des IWC als gesund angesehen werden“, sagte Hideki Moronuki von der japanischen Fischereibehörde der Zeitung „The Japan Times“.

48:40 – Abstimmung könnte knapp werden

Umweltschützer äußern sich entsetzt über den Vorstoß. „Kommerzieller Walfang ist nicht nachhaltig und wird es nie sein“, sagte Nicolas Entrup von der Meeresschutzorganisation OceanCare. Wale pflanzten sich nur selten fort und brauchten lange, um heranzuwachsen. Einige Walarten sind durch die einst exzessive Jagd ausgerottet worden, viele Bestände haben sich noch nicht wieder erholt. Würde das Walfangverbot gekippt, könnten auch Länder wie Russland und Südkorea groß einsteigen. „Das wäre fatal“, sagt Entrup.

Wie die japanische Fischereibehörde meldet, ist die IWC gespalten: 48 Mitgliedsstaaten sind demnach gegen den Walfang, 40 dafür. Es könnte also knapp werden. Die Stimmung in Brasilien dürfte indes aufgeheizt sein. Ausgerechnet das Gastgeberland ist einer der entschlossensten Gegner des kommerziellen Walfangs.

Von Sonja Fröhlich

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