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News - 150 Jahre KN - News Mit einer Hochzeit ging es weiter
150 Jahre Kieler Nachrichten News - 150 Jahre KN - News Mit einer Hochzeit ging es weiter
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00:13 22.11.2014
Von Manfred Gothsch
Protagonisten der Kieler Zeitungsgeschichte: Curt und Irene Heinrich (geb. Leonhardt) bei ihrer Hochzeit am 16. September 1922. Hinter dem Brautpaar defilieren die Eltern des Brautpaares: Susanne Leonhardt und Paul Heinrich, dahinter Selinde Heinrich mit Carl Friedrich Leonhardt. Quelle: privat
Kiel

Den nationalsozialistischen Machthabern waren private Zeitungskonzerne ein Dorn im Auge. Die Gesellschaftsrechte der Leonhardts gingen auf ein angeheiratetes Familienmitglied über: auf den Rittmeister a.D. Dr. Curt Heinrich.

1922 hatte der in Zwickau geborene Heinrich die Leonhardt-Tochter Irene geheiratet und arbeitete zunächst im Verlag des Zwickauer Tageblatts, das seinem Schwiegervater gehörte. Vier Jahre später kam Heinrich dann nach Kiel zum Presseunternehmen Gerbrandt, Junghans & Co (Eigentümer: die Leonhardts). In diesem Verlag erschienen damals sowohl die Kieler Zeitung als auch die Kieler Neuesten Nachrichten. Nach deren Einstellung im Zweiten Weltkrieg war es dann Heinrich, der über verschlungene Wege eine neue Tageszeitung in Kiel gründete: die Kieler Nachrichten.

 Ab Mitte 1945 hatte sich Heinrich bei der britischen Besatzungsmacht um die Rückübertragung jener 51 Prozent Anteile an den Kieler Neuesten Nachrichten bemüht, die er 1942 an zwei NS-Verlage verkaufen musste (die anderen 49 Prozent waren von den Nazis enteignet worden). Doch die Briten, die das gesamte Zeitungsvermögen beschlagnahmt hatten, verweigerten ihm eine für den Neuanfang notwendige Lizenz. Sie wollten Journalisten und Verleger aus den Medien fernhalten, die bereits während der NS-Zeit in dieser Branche gearbeitet hatten.

 Heinrich verbündete sich daraufhin mit dem Rechtsanwalt und Kieler Oberbürgermeister Dr. Max Emcke, dem Kaufmann Willi Koch und dem Professor Otto Becker, die bereits Planungen für die Gründung einer schleswig-holsteinischen CDU betrieben. Sie planten die gemeinsame Herausgabe einer Zeitung, bei der Heinrich zunächst im Hintergrund bleiben sollte. Im März 1946 einigten sich die vier Männer auf den „Emkendorfer Vertrag“, wonach Heinrich den drei anderen jeweils Anteile von zehn Prozent an einer neu zu gründenden Zeitung zusicherte. Einige Monate später trat als weitere Person der Studienrat Carl Schröter dem Verlag bei und erhielt ebenfalls zehn Prozent, sodass Heinrich schließlich 60 Prozent verblieben. Koch, der im März 1946 Oberbürgermeister wurde, erhielt in seiner Eigenschaft als CDU-Mitglied schließlich die Lizenz für das geplante Blatt. Am 21. März 1946 nahm er die Genehmigung mit der Zulassungs-Nr. 30 der britischen Militärregierung entgegen.

 Dies war die Geburtsstunde der Kieler Nachrichten. Im Untertitel nannte sich das Blatt „Zeitung für Schleswig-Holstein“. Die erste Ausgabe erschien am 3. April 1946. In Anlehnung an ihre Tradition führen die KN bis heute im Kopf ihres Kieler Lokalteils den Zusatz „Kieler Zeitung – Kieler Neueste Nachrichten“.

 Nach Einführung der Pressefreiheit im Sommer 1949 meldete Curt Heinrich seinen Anspruch auf den gesamten Verlagsbesitz an, was ihm indes von seinen Geschäftspartnern verwehrt wurde. Die Auseinandersetzungen um die Eigentumsverhältnisse erreichten Ende 1949/Anfang 1950 ein solches Ausmaß, dass nur eine gerichtliche Klärung als Ausweg blieb.

 Da der Kampf um die Besitzrechte an der Zeitung zugleich ein Politikum erster Ordnung darstellte, sah sich der Landtag genötigt, einen neunköpfigen Untersuchungsausschuss in Sachen Kieler Nachrichten einzusetzen. Gegen jene CDU-Politiker, welche 1946 an der Schaffung der KN beteiligt gewesen waren, erhob namentlich die SPD den Vorwurf, „sie hätten sich unter schwerem Verstoß gegen die Grundsätze politischer Sauberkeit Vermögensanteile an den... Kieler Nachrichten verschafft“. Am 25. Januar 1950 trat der Untersuchungsausschuss zu seiner ersten Sitzung zusammen, um den Tatbestand zu erörtern. Einen Tag vor seiner zweiten Zusammenkunft am 2. Februar verlor Heinrich vor dem Kieler Landgericht seine Unterlassungs- und Schadenersatzklage.

 Ein von Heinrich angestrengter Zivilprozess gegen den Hauptlizenzinhaber Willi Koch endete vor dem Oberlandesgericht in Schleswig mit einem Vergleich. Die Parteien einigten sich darauf, „dass Herr Dr. Heinrich und Herr Koch zu gleichen Teilen alleinige Gesellschafter der Kieler Nachrichten GmbH und der Kieler Zeitung, Verlags- und Druckerei KG“ wurden. Die Vergleichsurkunde wurde am 6. November 1951 vor dem Oberlandesgericht in Schleswig protokolliert; sie besagt indirekt, dass die übrigen Gesellschafter Schröter, Emcke und Becker ausschieden. Die Zeitung verkaufte zu diesem Zeitpunkt rund 100000 tägliche Exemplare und führte den Untertitel „Landeszeitung für Schleswig-Holstein“.

 Dr. Curt Heinrich starb im Juni 1959. In seinem Testament hatte er verfügt, dass seine beiden Söhne Christian Rudolph und Helmuth seinen 50-prozentigen Anteil am Verlag treuhänderisch weiterführen sollen, um ihn dann an die nächste Generation zu übergeben. Der zweite Gesellschafter, Willi Koch, starb im Juni 1968. Sein Sohn Johannes trennte sich 18 Jahre später von seinen 50 Prozent und verkaufte an zwei Gesellschaften des Springer-Konzerns. Ein Prozent konnte Verleger Christian Rudolph Heinrich jedoch für die Familie Heinrich erwerben, wodurch sich deren Gesamtanteil auf 51 Prozent erhöhte, der seit seinem Tod 2012 bei dessen drei Söhnen liegt. Die übrigen 49 Prozent gehören derzeit der Verlagsgesellschaft Madsack sowie der Hanseatischen Verlagsbeteiligung. Christian-Tobias Heinrich, der seit fast 30 Jahren im Kieler Verlag tätig ist, hat nun zusammen mit der Verlagsgesellschaft Madsack die verlegerische Verantwortung übernommen.

 Veränderungen gab es nicht nur auf gesellschaftsrechtlicher Ebene. Während der Jahre investierte der Verlag gewaltig. An der Treppenstraße entstand 1984/85 ein neues Rotationsgebäude, 2003 ein Druckzentrum in Moorsee. Inhaltlich löste sich das Blatt von der Nähe zur CDU. Die Artikel wurden kürzer, die Fotos farbig und zahlreicher. Das Einzugsgebiet der Leser rückte in den Fokus der Berichterstattung. Produktionstechnisch hielt der Fotosatz Einzug; statt im Winkelhaken aus bleiernen Buchstaben Wort für Wort, Zeile um Zeile und Artikel für Artikel die Seite zusammenzusetzen, wurde das Skalpell zum wichtigsten Handwerkszeug der Metteure.

 Die digitale Revolution machte auch diese Arbeitsschritte überflüssig. Der Computer verdrängte den Leuchttisch der Schriftsetzer. Die jetzt von der Redaktion gestalteten Seiten gelangen über Datenverbindungen direkt ins einige Kilometer entfernte Druckhaus.

 Dabei erreichen Artikel und Bilder auch bei den KN schon lange nicht mehr allein auf Papier ihre Leser. 1996 starteten die Kieler Nachrichten mit ihrem Internetportal KN-online. Es folgten eine Reihe von Anzeigenportalen wie KN-immo, KN-jobs oder KN-trauer sowie journalistische Angebote wie das KN-ePaper, KN-mobil für Smartphones, der KN Sonntag oder der Sportbuzzer für die Amateurfußballwelt in der Region. Und mit Fotos allein müssen sich die Leser auch nicht mehr begnügen: Inzwischen gehören Videos zum Alltag der KN-Journalisten.

 Die Entwicklung von einem Zeitungs- zu einem Medienhaus wirkte sich auch auf die Strukturen und Arbeitsabläufe des Verlages aus. Die Anzeigenakquisiteure wurden zu multimedialen Kampagnenberatern, die Redakteure rückten für die tägliche Produktion des Blattes und der digitalen Produkte in einem Großraumbüro, dem Newsroom, zusammen. Und der wird im Dezember 2014 noch größer und moderner werden.

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