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Beton-Belag geht Autofahrern auf die Nerven

A7-Ausbau Beton-Belag geht Autofahrern auf die Nerven

Kaum sind die ersten beiden Abschnitte der Autobahn 7 für den Verkehr freigegeben, mehren sich die Rückfragen von Autofahrern über die neue Fahrbahn, weil diese vermeintlich wellig und uneben sei. Vorwürfe, die das verantwortliche Baukonsortium Via Solutions Nord zurückweist.

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Waschbeton gilt als griffig und langlebig. Die Spalten zwischen den Platten sind notwendig, weil Beton arbeitet.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Seit Anfang Juni rollt der Verkehr in beiden Fahrtrichtung auf dem sechs Kilometer langen Abschnitt zwischen Bordesholm und Neumünster-Mitte, seit Anfang Juli auch zwischen Großenaspe und Bad Bramstadt über die neue A7. Bis August sollen auch der Abschnitt 5a (Kaltenkirchen – Quickborn) und 5b (Quickborn – Schnelsen-Nord) folgen. Dort finden zurzeit die letzten Begehungen statt. „Meter für Meter wird abgegangen, die Fahrbahn kontrolliert – nichts bleibt dem Zufall überlassen“, sagt Christian Merl von Via Solutions Nord.

 Der Bau von Autobahnen sei an strenge Vorgaben und Auflagen gebunden. „Bevor das erste Auto über einen Abschnitt rollt, findet eine offizielle Abnahme statt, zuvor wird die Fahrbahn mit einem Messfahrzeug, einem Planographen, kontrolliert“, erläutert er. „Nur wenn die Richtlinien erfüllt sind, gibt es eine Freigabe“, bekräftigt er. Dies sei bei den ersten beiden Abschnitten auch so gewesen. Beanstandungen an der Fahrbahn seien behoben worden, versichert Merl. An welchen Stellen nachgebessert wurde, ist sogar für Autofahrer ohne große Mühe zu erkennen: „Dort, wo es beispielsweise eine Unebenheit gegeben hat, ist die Fahrbahn heller, dort ist der Belag gegrindet, sprich: eben gemacht worden.“ Die Kritik von Autofahrern weist er als unbegründet zurück: „Hier sind keine zu beanstandenden Bodenwellen oder Wellen in der Fahrbahn.“ Und der 45-Jährige tritt den Beweis an, lässt seinen SUV auf einem noch nicht freigegebenen Abschnitt für einige Momente ohne Hände am Lenkrad rollen. Das Fahrzeug verzieht und hubbelt nicht.

 Für die Kritik der Autofahrer hat er eine schlüssige Erklärung: „Wir haben die alte Asphalt-Fahrbahn herausgerissen, verbreitert und gegen eine neue Betonfahrbahn ausgetauscht.“ Dieser sogenannte Waschbeton sei natürlich nicht mit Flüsterasphalt vergleichbar, wie er etwa auf der A20 westlich von Lübeck verwendet worden ist. „Der Beton ist aufgeraut, wodurch das Fahrgefühl vor allem am Anfang ungewohnt, sprich: unebener empfunden wird“, erläutert der Experte. Verstärkt werde der Eindruck für Pendler noch durch die zuletzt sichtbar abgefahrene alte Asphaltdecke auf der A7.

 Die Frage, weshalb sich Via Solutions Nord für Beton anstatt Asphalt entschieden hat, beantwortet Merl mit der Langlebigkeit. „Der neue Abschnitt wird eine Lebensdauer von etwa 30 bis 40 Jahren haben, gut doppelt so lange als bei Asphalt.“ Zwar sei der „Einbau“ von Beton zunächst einmal teurer, da aber entsprechend seltener Bautrupps anrücken müssten, rentiere sich das Material schnell – nicht zuletzt für Autofahrer, die seltener mit Baustellen und Staus rechnen müssten. Entscheidender Vorteil von Beton sei allerdings, dass die Oberfläche deutlich mehr Grip habe, vor allem bei Feuchtigkeit und Glätte. „Die Oberfläche wird so bleiben, wie sie ist. Da wird nichts weicher“, argumentiert Merl. Nichtsdestotrotz: Auto-, Motorrad- und Lastwagen-Fahrer müssten sich erst einmal an den neuen Untergrund gewöhnen. „Das wird aber nicht lang dauern und die Zweifler werden sehr schnell die Vorteile zu würdigen wissen.“

 1800 Menschen sind an dem Ausbau der A7 beteiligt, 250 allein als Erd-, Beton- oder Brückenbauer an der Trasse. „Wir haben mit den ersten Arbeiten an der Richtungsfahrbahn Nord begonnen, damit liegen wir in unserem Zeitplan“, sagt Merl. Parallel zum Ausbau der Fahrbahnen von derzeit zwei auf künftig drei Spuren je Fahrtrichtung laufen hinter der Landesgrenze in Hamburg die Arbeiten für den „Schnelsener Deckel“. Dort soll der Verkehr fortan unterirdisch über die A7 fließen. „Für die Menschen, die dort leben, wird dies ein deutliches Plus an Lebensqualität mit sich bringen, da die Lärmemissionen auf ein Minimum sinken werden“, sagt der Sprecher des Konsortiums.

Genauere Erklärungen zur Fahrbahn gibt es hier im Video:

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Ein Artikel von
Bastian Modrow
Lokalredaktion Kiel/SH

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