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Bitte einsteigen: Theater in der U-Bahn von Buenos Aires

Theater Bitte einsteigen: Theater in der U-Bahn von Buenos Aires

"Kannst du mir noch einmal verzeihen?" - "Ich glaub', du spinnst! Langsam reicht's mir!" - Eine Frau und ein Mann schreien sich in der U-Bahn der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires an.

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Die Schauspieler Silvia Levy (l) und Jeremias Di Rosa (r) unterhalten die Fahrgäste der U-Bahn.

Quelle: Lea Richtmann

Buenos Aires. Ein typischer Beziehungsstreit. Sollte man meinen.

Was wie ein öffentlich ausgetragener Streit beginnt, ist der Anfang eines Theaterstücks. Die Gruppe Actores en el Subte (Schauspieler in der U-Bahn) unterhält in zwei Bahnlinien die Fahrgäste mit Sketchen zu Alltagsthemen. "Wir suchen uns immer Themen aus, die die Menschen kennen. Aber wir stellen sie in einer lustigen Form dar, als Parodie. Sonst erschrecken sich die Leute", erklärt Jeremías Di Rosa.

Seit vier Jahren ist er Mitglied der Truppe: "Bevor ich in der U-Bahn spielte, habe ich alles Mögliche gemacht in der Schauspielerei. Theater, Kino, Fernsehen, Werbung. Doch das Schwierigste ist die U-Bahn."

Seine Kollegin Silvia Levy pflichtet ihm bei: "Man spielt alle fünf Minuten und ständig wechselt das Publikum. Und nie weiß man, wie sie reagieren werden." Schließlich finden sich die Fahrgäste plötzlich in einem Theaterstück wieder, ohne dass sie sich das ausgesucht haben. Und sie sind nicht nur Zuschauer: "Wir spielen immer in Interaktion mit dem Publikum."

In dem Stück, das den Beziehungsstreit darstellt, sucht sich Levy an einer Stelle eine Mitfahrerin und schüttet ihr wie einer guten Freundin das Herz aus. Während am anderen Ende des Waggons Di Rosa mit einer anderen Frau zu flirten versucht.

Für die Darsteller geht es auch ums Geld, wie Di Rosa erklärt: "Nach dem Spielen geben wir einen Hut rum. Die Arbeit in der U-Bahn erlaubt uns, das zu machen, was wir gut können und was wir mögen. Eine Art Trick, um von der Schauspielerei leben zu können."

In Buenos Aires gibt es schon lange Theater in öffentlichen Verkehrsmitteln. Schon vor gut 20 Jahren begann die Gruppe Escena Subterránea Busse, Züge und U-Bahnen zu bespielen. "Unsere Hauptidee ist, die Routine zu durchbrechen", sagt Carolina Paz von Escena Subterránea. "Viele Menschen fahren jeden Tag zur gleichen Zeit eine bestimmte Strecke. Wir wollen, dass ein Tag anders ist."

Ihr Konzept funktionierte anders als das von Actores en el Subte: Sie spielten ein ganzes Theaterstück von der Start- bis zur Endhaltestelle - Dauer: etwa 30 bis 40 Minuten. Die Gruppe wurde dabei vom U-Bahn-Unternehmen engagiert und finanziert.

"Die U-Bahn hatte ein Kultur-Budget mit dem sie Darbietungen für ihre Fahrgäste finanzierte. Leider gibt es dieses Budget nicht mehr", erzählt Paz. Escena Subterránea spielt daher zurzeit nicht mehr in Buenos Aires, sondern hat sich in Portugal niedergelassen. Ihre Stücke beziehen den ganzen U-Bahn-Bereich mit ein: "Einmal gab es eine Verfolgungsjagd auf den Rolltreppen", berichtet Paz.

Während die Stücke von Escena Subterránea häufig von der U-Bahn-Gesellschaft angekündigt wurden, steigen Actores en el Subte einfach in den Zug ein und legen los. Dabei teilen sie sich das Feld natürlich mit anderen Akteuren wie Musikern. "Wir haben den Kodex untereinander, dass der spielt, der zuerst da ist. Wir sind natürlich Konkurrenten, aber auch Arbeitskollegen."

dpa

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