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Es gibt viel zu entdecken in der irischen Musik

Komponisten Es gibt viel zu entdecken in der irischen Musik

Irische Musik? Da fällt einem Riverdance ein, und selbstverständlich die für Irland so typische Traditional Music. Natürlich auch die weltberühmten Rock- und Popgruppen wie U2 oder Waterboys. Aber klassische Musik aus Irland, komponiert von Iren? Gibt es die überhaupt?

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The trial of Giordano Bruno - Rome 1599

Quelle: Ross Kavanagh

Dublin. Genau das hat man sich auch bei RTÉ, dem irischen Fernsehsender, gefragt und ist zu dem Schluss gekommen, dass die irischen Komponisten ein Schattendasein führen und im Bewusstsein der Klassikfans praktisch nicht existieren, noch nicht einmal bei denen, die in Irland geboren und zur Schule gegangen sind. Wie kann das sein? Alle Welt kennt die vier großen irischen Literatur Nobelpreisträger Shaw, Yeats, Beckett und Heaney. Und James Joyce, versteht sich, den wohl bedeutendsten von allen. Da muss also etwas gründlich schief gelaufen sein in der Rezeptionsgeschichte von irischen Komponisten – die über Jahrhunderte währende Herrschaft der Briten über Irland spielt da gewiss eine nicht zu unterschätzende Rolle. Ebenso die Tatsache, dass es erst seit 1981 eine Konzerthalle in Dublin gibt und noch immer kein Opernhaus.

   Jubiläen und Gedenkjahre können manchmal bemerkenswert gute Dinge in Gang setzen, so auch hier. Jetzt endlich, im 100. Jahr des die Unabhängigkeit bringenden Osteraufstandes von 1916, hat man sich der irischen Komponisten von offizieller Seite besonnen und sie in 27 Konzerten einem durchaus interessierten Publikum in Dublin vorgestellt. Eine vom Gedenkjahr unabhängige Wiederholung dieses Komponisten-Revivals ist wegen des großen Erfolges wahrscheinlich und wünschenswert. Um die Komponisten noch fester im Bewusstsein des Publikums zu verankern, hat der Verlag New Island keine Kosten gescheut und Michael Dervan, den renommierten Musikkritiker der Irish Times, beauftragt, ein fast 300 Seiten umfassendes, luxuriös aufgemachtes Buch unter dem treffenden Titel „The Invisible Art“ herauszugeben. Dervan selbst hat eine ausführliche Einführung und einen hoch interessanten Bericht über Andrew Hamilton geschrieben. Schon das Durchblättern dieses Prachtbandes macht Spaß und neugierig auf die letzten „einhundert Jahre Musik in Irland“ (so der Untertitel). Was gibt es da nicht alles zu entdecken! Man möchte sie kennen lernen, diese jetzt endlich ins Rampenlicht gerückten Komponisten, die natürlich in Deutschland noch weniger bekannt sind als auf den Britischen Inseln. Zum einen sind da Hamilton Harty und Frederick May zu nennen, dann John Kinsella, Raymond Deane, Donnacha Dennehy und natürlich Gerald Barry, der es mit seiner genialen Vertonung von Wildes „The Importance of Being Earnest“ bereits zu internationalem Ansehen gebracht hat, und Roger Doyle, dessen Oper „Giordano Bruno“ gerade erst in Dublin uraufgeführt wurde.

   Der 1949 in Dublin geborene Doyle beschäftigt sich seit langem mit dem Priester Giordano Bruno, der 1600 wegen Ketzerei in Rom zum Tode auf dem Scheiterhaufen verurteilt wurde. In seiner ersten Oper zeigt er, angeregt von James Joyces „Finnegans Wake“, verschiedene Szenen aus dem Leben des Kirchenmannes, der auch Dichter, Philosoph und Astronom war. Doyle, der in seiner Heimat als Pionier und Vater der irischen elektronischen Musik gilt, kommt in seinem „Giordano Brumo“ mit nur fünf Sängern aus, die in verschiedenen Rollen auftreten.

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