6 ° / 2 ° Regenschauer

Navigation:
„Faust“ an der Staatsoper

Premiere in Berlin „Faust“ an der Staatsoper

Die Berliner Staatsoper ist mit Robert Schumanns „Szenen aus Goethes Faust“ in die erste Saison am alten Spielort Unter den Linden gestartet. In der Inszenierung des Intendanten Jürgen Flimm wurde zwar auch spektakulär gesungen und fein musiziert - vor allem aber mit vielen Worten wenig gesagt.

Voriger Artikel
„My Little Pony“ – Ponyparade mit Maite Kelly
Nächster Artikel
„Unter deutschen Betten“ – Die Ferres geht putzen

Viel Personal: Szene aus der Berliner „Faust“-Produktion.

Quelle: imago/Martin Müller

Berlin. „Im Anfang war das Wort“ steht auf einer Wand des riesigen Würfels, der zum Bühnenbild gehört, das der Maler Markus Lüpertz für die erste Vorstellung in der frisch sanierten Berliner Staatsoper Unter den Linden entworfen hat. Tatsächlich beginnt der Abend, der dem „Faust“ offenbar biblische Größe verleihen will, mit pathetischen Worten: Kultur könne „Dinge bewirken, die die Möglichkeiten von Politik und Wirtschaft überschreiten“, sagt Kulturstaatsministerin Monika Grütters in ihrem Grußwort mit Blick auf die Kunstform Oper. Und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nennt die Staatsoper immerhin „ein besonderes Haus nicht nur für Berlin, sondern für das ganze Land“.

Worte spielen auch weiter die zentrale Rolle: Immer wieder sprechen Schauspieler Verse auf Goethes „Faust“-Dramen zwischen den „Szenen aus Goethes Faust“, die Robert Schumann während seines letzten Lebensjahrzehnts vertont hat.

Hausherr und Regisseur Jürgen Flimm hat Schumanns musikalische „Faust“-Passagen im Bemühen um einen klaren Handlungsverlauf mit Ausschnitten aus den Dramen ergänzt und wie bei ihm üblich mit viel Personal bebildert. Die Schauspieler André Jung (Faust), Sven-Eric Bechtolf (Mephistopheles) und Meike Droste (Gretchen) mühen sich, dem berühmten Text in diesem Rahmen neue Bedeutung zu entlocken. Sie haben keinen leichten Stand: Die Kostüme sehen aus wie bei Gustaf Gründgens, und Lüpertz’ übliche Skulpturen könnten auch ein antikes Schäferspiel illustrieren. Warum spielt man so einen „Faust“ zur Eröffnung eines des modernsten Theaters der Welt? Eine Antwort scheint umso rätselhafter, je weiter sich die Handlung im Ungefähren des zweiten Teils der Tragödie verliert.

Immerhin wird fein musiziert. Die Staatskapelle tönt unter Leitung von Daniel Barenboim bronzen schimmernd und füllig in der neuen Akustik des sanierten Saals, und gesungen wird spektakulär (Gretchen: Elsa Dreisig!) bis souverän (Mephistopheles: René Pape, Faust: Roman Trekel). Auch der Chor hat starke Momente, obwohl es immer wieder Koordinierungsprobleme gibt. Doch irgendwie scheint die Musik hier angesichts des bedeutungschweren Textes an Gewicht zu verlieren. Am Ende ist mit vielen Worten wenig gesagt: Der eingangs formulierte Anspruch an Kunstform und Institution hat sich nicht im Eröffnungsabend noch nicht eingelöst.

Von Stefan Arndt/RND

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten: Kultur aus der Welt 2/3