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Guggenheim Lab startet mit Bastelstunde

Kunst Guggenheim Lab startet mit Bastelstunde

Der Stoffladen "Frau Tulpe" hat Nähmaschinen aufgebaut, gegenüber führen Studenten aus Boston einen Laser-Schneider vor. Das soll eines der umstrittensten Kulturprojekte Berlins sein? Seit Freitag hat das BMW Guggenheim Lab nach New York seine erste Station in Europa geöffnet.

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Nähstation im Guggenheim Lab im Prenzlauer Berg in Berlin.

Quelle: Sebastian Kahnert

Berlin. Um das reisende Forschungslabor gab es viel Aufregung.

Aus Sorge vor Gewalt hatten die Veranstalter im März ihre Pläne für ein Grundstück in Kreuzberg abgesagt. Das beschäftigte sogar das Landesparlament. Nach Tauziehen hinter den Kulissen wechselte der Guggenheim-Ableger die Adresse.

Nun steht der "reisende Handwerkskasten" des Tokioter Architekturbüros Bow-Wow im Hinterhof einer alten Brauerei im ruhigeren Prenzlauer Berg. Von lauten Protesten keine Spur. Richard Armstrong, Direktor des New Yorker Guggenheim Museums, freut sich auf "lebhafte öffentliche Diskussionen" darüber, wie Bewohner die Städte, in denen sie leben, verändern können.

Sechs Wochen lang soll es unter der luftigen Karbonkonstruktion und über Berlin verteilt um Ideen für die Großstadt gehen. Die Spanne reicht vom Vortrag eines Stadtforschers ("Berlin ist hässlich, und das ist auch gut so") bis zum selbstgebauten Solarröster für Kaffeebohnen. Mehr als 100 kostenlose Veranstaltungen sind geplant.

"Stellen Sie es sich als urbane Konferenz vor", sagt Kuratorin Maria Nicanor. "Es ist ein offener Raum." Die Guggenheim-Gegner hatten das BMW-Projekt als Teil einer unerwünschten Aufwertung ("Gentrifizierung") von Kreuzberg gesehen. Nicanor zeigt sich offen für das Thema. Eigentlich habe das Team gedacht, diese Debatte würde heute beginnen. "Aber sie hat tatsächlich Monate vorher angefangen." Die Kritiker hätten einzelne Programmpunkte mitgestaltet.

Von der Polizei, die bis zu 50 Beamte einsetzen wollte, ist am Freitag kaum etwas zu sehen. Die ersten Neugierigen erkunden den idyllischen Hof. Der sieht mehr nach Bastelstunde als nach Galerie aus. Bei der Studentengruppe aus Boston kann man zum Beispiel erfahren, wie man Elektronik nutzt, um Lichtquellen zu steuern.

Rocco Zühlke steht vor einem umgebauten Feuerwehrauto. Damit unternimmt "Freespace Berlin" Touren zur Liegenschaftspolitik - zur Frage, wie die Stadt mit ihren Grundstücken umgeht. Die Debatte um das Lab hat den Architekturstudenten beschäftigt. "Wir haben da selber lange mit uns gerungen", sagt Zühlke. Am Ende hätten ihn aber die Chancen überzeugt.

Als Großstadt-Thema kann man auch das Radfahren sehen. Bei "Frau Tulpe" dürfen die Besucher Fahrradtaschen und Sattelbezüge nähen, wie eine Modedesignerin erklärt. Sie findet, ein Konzern wie BMW könne sein Geld doch schlechter investieren. "Dann doch lieber für so ein Projekt."

dpa

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