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Kunstmesse Art Cologne im neuen Gewand

Kunst Kunstmesse Art Cologne im neuen Gewand

Ein Euro kann auch schon mal 30 000 Euro kosten. Jedenfalls auf der Art Cologne, der wichtigsten deutschen Kunstmesse, die von Donnerstag bis Sonntag auf dem Kölner Messegelände abgehalten wird.

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Die Skulptur "Mann mit blauem T-Shirt" von Stephan Balkenhol auf dem Stand der Galerie Löhrl.

Quelle: Oliver Berg

Köln. Dieser Euro hier ist allerdings ein Werk des dänischen Künstlertrios Superflex. Ein fast drei Meter großes manipuliertes Foto, auf dem die Zahlenangabe fehlt - eine Anspielung auf den Wertverlust der Währung.

Um Werte dreht sich alles auf der "Art Cologne. "49. Internationaler Kunstmarkt" ist der Untertitel, und das Wort "Markt" trifft die Sache recht gut. Auf diesem Markt decken sich Sammler ein, und den meisten dürfte es dabei in erster Linie nicht um die Kunst an sich gehen, sondern darum, ihr Vermögen zu vermehren. "Eine Kunstsammlung ist einem Depot von Aktien und Anleihen durchaus vergleichbar", sagt Art-Cologne-Direktor Daniel Hug. "Mit einigen verdient man Geld, mit anderen vielleicht nicht."

Es ist ein Markt mit mehr als 200 Ständen, an denen Ware verschiedener Hersteller und in unterschiedlichen Preisklassen feilgeboten wird. In diesem Jahr reicht die Spanne von 7,59 Millionen Euro bis 79 Euro.

7,59 Millionen kostet die "Szene aus dem Sommernachstraum" von Ernst Ludwig Kirchner. Der deutsche Expressionist malte das großformatige Werk 1937, ein Jahr vor seinem Suizid in Davos. "Das ist eines der großen Schlüsselwerke", sagt der Galerist Alexander Baumgarte aus Bielefeld. Von den Nationalsozialisten drangsaliert, sei der Künstler in eine Traumwelt geflüchtet, in der Mensch und Natur verschmelzen. "Wir haben schon zwei Interessenten für das Werk."

Für nur 79 Euro ist dagegen am Stand der Galerie Priska Pasquer aus Köln die Arbeit "Dialog" des Fotokünstlers Rudolf Bonvie von 1973 zu haben. Der Druck zeigt zwei sich berührende Hände. Der Preis sei bewusst niedrig gehalten, sagt Priska Pasquer. Auf Facebook ist das Bild seit langem ein Renner, man kopiert es, man verschickt es - kostenlos natürlich. Pasquer ist nicht die einzige Händlerin, die befürchtet, dass die "Digital Natives" - die digitalen Muttersprachler - das Bildersammeln dadurch als überflüssig betrachten könnten.

Denn die Internet-Generation nimmt zwar täglich zahllose Bilder wahr, in Filmen, auf Websites, in den sozialen Netzwerken, aber immer nur für Sekunden. Dabei - so die Befürchtung - könnte die intensive Auseinandersetzung mit einem Kunstwerk auf der Strecke bleiben. "Die Frage ist: Wie können wir die Internet-Generation dazu bekommen, sich wieder Bilder an die Wand zu hängen?", fragt Pasquer. "Denn es ist ja ein Unterschied, sich das zwei Sekunden auf dem Bildschirm anzugucken oder es sich immer wieder anzuschauen. Dann macht das Bild was mit einem. Dann tritt man in einen Dialog ein."

Natürlich gibt es auch Leute, die den ganzen kommerzialisierten Kunstbetrieb sehr kritisch sehen. Einer davon ist sogar anwesend: Ein 74 Jahre alter, weißhaariger Herr im Anzug trägt ein Schild durch die Gänge mit der Aufschrift: "Hier erstrahlen alle Mienen bei dem schönen Wort verdienen." Viel dazu sagen will er nicht: "Das ist meine Haltung, Ihre etwa nicht? Und jetzt entschuldigen Sie mich. Ich muss meine Runde machen!"

dpa

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